Full text: 1914-1916 (1914-1916)

Kot, Asgl, Verwilderung, schlüpfriges 
Kreisen auf bedrängter Scheibe. (Ach, 
und die Hüften einer flackernden Toch 
ter umwellt von Zärtlichkeit!) Die 
Schwäche des Brutalen und des Aar 
reu röhrender Gottesdienst! Letztes 
Verfchlnugeufeiu von Zwerg und Riefe 
in eine Schlinge, Hiufchmelrev in der 
Liebe Gold, Tochter und Vater, Weib 
und Vergewaltiger, Hingegebene und 
Nüchtern-Stierer. Der „Freuud- 
schaft"-Kuechtfchaft Srrweg bis ins 
Kleinste» jedweder Heukersstrick aufs 
letzte Zäserchen entblößt, Befleckung 
aller Mäuuerkameradschaft» die Geist 
begründete, durch der Zamilie Mate 
rialität, die Tragik dieses Pfad-au- 
Pfad und Recht des Tinen wider Recht 
des Andern und ihrer Duldung schwe 
res Golgatha» und jene Krümmung, wo 
sich unbewußt Selbstsucht und Hiuge- 
gebeuheit in Tins verwebt. Abschied 
mit aller Mgstik brüderlich der klein- 
steu Geste. Zreuudschaft wie „Herr- 
schlag und Atem'*, mehr: wie Peit 
schenhieb auf Peitschenhieb hinan — 
und darum köstlich! Mit aller Qual» 
die von dem „Erben" kommt: 2ch stege 
— aber Du wirst weiterleben! Und 
ob für mich, für meinen „Seist"? Ant 
wort: „Zrei, unklug, büud, bewußtlos» 
nur für feine Kunst, und für nichts 
anderes in der Welt." Des großen 
Bildners ganre Litanei, Sehnsucht nach 
Selbstbestimmung und Tiustedeltum, doch 
Kleinliches rerstückt, das Schicksal ist 
und Iran und Mud heißt» wenn es 
schlimmer wird» Mären und Kaiser; und 
Verlorenheit des Gottes am Galgen- 
hügel und des Kriegsknechts nach der 
Mörderorgie, und feinste Wage des 
Gewissens, die Dich selber stets ruerst 
ins Unrecht fetzt. 3m Sterben das 
gelobte Land geschaut und in der 
Sterne, der geliebten, Sphäreumustk 
sich beugend;u des Vaters Antlitz . . . 
3u Brods Epos wird, hinter Sgm- 
boleu und Trachten» die genial auf den 
Leib paffend Sgmbol und Tracht stad» 
der Mensch unserer Tage erlöst. Wenn 
er stch erlösen lassen mag. Diese Dich 
tung strahlt ln einem Truste, der Gau 
kelei der Ziugerfertigkeit ja Asche und 
Protzeutum des 3utellekts rar Sah- 
fäule werden läßt — und „Der Trust 
ist niemals nötiger gewesen als eben 
itzuuder, da alle Wagen umgestoßen 
und in großer Verwirrung stud." 
(3akob Böhme.) 
Max Herrmauu» Reiße 
Helene Stöcker gehört zu den 
ganz wenigen „Iraueurechtleriuueu", 
die der Iran wirklich Zrauevrecht r« 
erringen suchen, nicht Maunsrechte. 
Braucht mau ste gegen Antifemiuismeu 
der Mucker und kulturkoufervativeu 
Weltleute ru verteidigen? Kluger 
Autifeminismus» etwa eines H. Blüher, 
trifft ste nicht. Bor allem fehlt ihr 
das Keifende, Partikularifche der mei 
sten Iraueurechts-Dameu; ste kämpft 
(im Kern) nicht für eine Hälfte der 
Menschheit, sondern für die Mensch 
heit. 3ch kenne Schriftstellerinnen mit 
gesteigerterer Disziplin der Sprache; 
Litteratae» die bohrender» zusammeu- 
gesetzter, dichter» die nervöser» 
bötteupapiereuer, schwerer verständlich 
und „schmäler" schreiben; aber es find 
Kontemplatricen».. während durch alles, 
was diese (etwas weitläufige) Akti 
vistin schreibt und treibt, Jener weht 
— Jener vom Jener des Aeligious- 
stifters, des hellenischen Kopfes um 
40S ante, der Encyclopedie, des Uto- 
pikers» des deutschen Erneuerers zwi- 
fchea Zichte und Nietzsche. (Zür mich 
kommen, von deutschen Damen der Zeder» 
außer H. Stöcker überhaupt nur Hedwig 
m
	        

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