Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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teude und unvergeßbare: Die Lgpresieu 
in feinem Kiudheitsgarteu und dar 
Meer im Sturm, Oliveuwälder im 
Moudlicht, Rügens Morgeuuebel und 
das sommerliche Blühen der Bretagne. 
Sehr reich find diese Bücher» wenn 
sie auch oft ihren Reichtum in wunder 
lichen Spielen verzetteln. Und daun 
bricht aus ihrer Einsamkeit hervor 
ein Ruf der Sehnsucht: „Sch habe bloß 
ein ZSukcheu Liebe, aus dem soll alles 
kommen: der Einfall und fein Bild, der 
gute Mut, um auch dem hilflosen Ge 
bilde den eigenen Zlng zu Menschen 
vud zu Gott ;t» weisen." Und als 
Motto davor fetzt er den alten Angelus 
Silefius: „Der Regen fällt nicht ihm, 
die Sonne scheint nicht ihr, du auch bist 
anderen geschaffen und nicht dir." 
Alle Heiligen sind ja wohl erst in der 
Waste gewesen und haben gelernt, mit 
Eieren ?n reden, ehe sie zu den 
Menschen kamen. Däubler steht noch 
in seinen WSsteujahren und hört „un 
aussprechliche Dinge", mit denen er 
kämpft, nm sie in unsere Rede zu 
zwingen. Vielleicht wird das, was 
er uns späterhin zu sagen hat, um so 
schöner sein, je weiter sein Weg war. 
Adler kommt nicht aus gar so großen 
Zeruen. Sein erstes Bach ist eine 
kunstvolle und anmutreiche Kuriosität. 
Wie der händelofe Maler und Heilige 
Utaotfe feiner zweiten Geschichte» 
malt er uns Z verschiedene Welten 
und läßt uns drinnen wandeln: 
eine orieutalisch-alttestameutliche, eine 
chinesische, eine europäisch-mittelalter 
liche. Sie sind sehr stilecht, abgestimmt: 
archäologische Kostbarkeiten. Und 
mehr als das: sie sind sehr farbig, klar 
und reich. Mau glaubt jene wunder 
baren Miniatoren der Mingdgnastie 
anzuschauen, oder Bilder nach dem 
alten Ezechiel, dem wirkliche«, wilde«, 
alten, nicht wie ihn Rafael europäisch 
sich zähmte. Dies ist ein eigener und 
feiner Genuß, aber wahrscheinlich etwas 
ganz anderes als Adler will. Er will 
mgstifche Wahrheit verkünden. Und 
nun muß ich feststellen, daß mir diese 
Wahrheiten, die der Maler vud 
Büßer Aamotus erlebt und der Ma 
gier Platon, ebenso gleichgiltig bleiben, 
wie das Schicksal der Elohim und ihrer 
Stadt. Verkleidung stört und kältet. 
Wenn ich den wahren Lao Ese über 
die Sahrhunderte und Erdteile weg 
zu mir reden höre und verstehe feine 
menschliche Rede, so ist das ein er 
schütterndes Erlebnis, aber wenn ein 
hie et nunc Lebender sich chinesisch 
einhüllt und geberdet, so hab' ich mein 
Ergötzen au dem Spiel und glaube, 
daß er wohl nicht sehr Wichtiges zu 
sagen hat. Solange bis er mir das 
Gegenteil beweist. Das geschieht ein 
mal: wie Ssrael, der Mensch, der aus 
feiuer Welt herausgerisieue, vor dem 
Throne Gottes steht und streitet 
mit ihm: „O Herr, du hast mich schwach 
erschaffen» und was soll ich vor dir? 
Gib mich doch meinem Laude wieder, 
das du uns verheißen hast, woriuneu 
ich mich laben kann. Und entreiße 
mich hier der Steinwüste. Und was 
jene Auffahrt betrifft, so hat sie mein 
Herz zerschmettert. Sch war freigebig 
und gehorsam» für gütig galt ich und 
galt für klug, ehe diese hier kamen 
und mich mit sich entführten, dorthin, 
wo die Luft und die Körper uud die 
Seeleu uicht die meinen sind. Und ich 
bin im Elend umgekommen, binnen 
der laugen Zeit» doch deine Ver 
heißung ist dahin» und dahin ist meine 
Liebe für dich, Gott." 
Sch möchte gerne glauben, daß das die 
späteste der Z Geschichten ist, diese Ge-
	        
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