Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Das 2dgll ist eine harmlos-vied- 
liche Modezeichnung; das Abend 
mahl eine Versammlung aufge 
regter Männer, denen man ihre 
Allfregnvg nicht glaubt. Auch Hettver 
glaubt nicht, wenigstens nicht aus 
Abendmahl. 
Hofer macht ein mehr als 
hübsches, ein sehr lebhafter indischer 
Bild und daneben eine große Lasel 
mühsam gefüllt mit zwei Zigureu, die 
stch zu langweiligen Gebärden bemühen. 
S ch a r f f hängt neben feine bekannten, 
unsagbar leeren „Komposttioueu" eine 
heitere kleine Landschaft, die das er 
künstelte Pathos feiner gewohnten 
Arbeiten noch unerträglicher und be 
dauerlicher erscheinen läßt. 
Diese drei (und viele andere) haben 
den Weg rar Größe gesucht. Sie stad 
gescheitert. Sie stud zu geschmackvoll. 
Geschmackvolle Litauen — das gibt es 
eben nicht. 
Die stch befchiedeu (es stud die Meisten), 
wählten das bestere Teil. Sie waren 
frömmer. Glaubten stch und ihrem 
(kleinen) Stern. So steht man denn 
eine ganze Anzahl teils moderner, teils 
unmoderner Bilder» die auf die an 
genehmste Weife die Möglichkeiten des 
hübschen Bildes nach allen Richtungen 
hin variieren. 
Loulou Lagard und Kaiuer 
überraschen als erste. So hübsch und 
geschmackvoll stud diese kleinen Bilder. 
O. L h. W. Stein hängt neben ein 
beabstchtigtes, daher langweiliges» Por 
trät eine sehr angenehme ruhige Land 
schaft, die heute schon aussteht, wie ein 
Sobelin und in hundert 2ahreu viel 
leicht einer ist. Und so kommt eine 
ganze Reihe: ich weiß die Namen nicht 
mehr alle. Westermeger, Wag 
ner, Stern, Lutz, Santhor. 
Und mau gleitet, ohne es zu 
merken, ln eine Gegend» wo 
noch mehr als nur Geschmack 
lebt. Kirchner ist besonders gut. 
Bor allem ein gespenstisch-eindring 
liches Straßenbild. Da ist mehr als 
Geschmack, obwohl der Geschmack nicht 
fehlt. Mau denkt auch hier (trotz des 
Riefenformats): „Wie hübschl". Und 
es ist wirklich hübsch. Ein wenig un 
moderner: P e ch st e i u. Wie harmlos- 
angenehm stud diese hellen Landschaften, 
wie geschmackvoll die Stillebeu arau- 
giert. Sie erinnern au Schuch. Da 
neben hängen Stillebeu von 2 a u - 
thor. Auch sehr geschmackvoll. Sie 
eriuuern au Pechsteiu. 
Wo aber mag bloß der vielgeschmähte 
und gerühmte „neue", der Revolutions- 
Geist stecken? Wo stud die neuen 
Leidenschaften» die neuen Kämpfe, die 
neuen Himmel? Alles ist hier so ein 
wandfrei» so hübsch, so harmlos. Seite»' 
sah mau bei jungen Leuten so viel Ehr 
furcht vor der Lraditiou. Das ist sehr 
brav; aber ein wenig gefährlich. Lragi- 
komisch, daß ihnen dann der „Mangel 
an Tradition" als Verbrechen vorge 
worfen wird. Abgrundtiefes Unver 
ständnis! Richt der hat Ehrfurcht vor 
der Lraditiou, der stch dauernd den 
Vater anguckt, der vielleicht Hotel 
befitzer ist; eher schon der» der stch 
nach dem Großvater umschaut, der 
vielleicht noch Bauer oder aber 
Schuster war. Lolch solide Hand 
arbeit liefern Ahlers-Hester- 
manu und Kars, zwei etwas 
trockene, aber sehr tüchtige Pariser. 
Heckel ist neuer, jünger und beach 
tenswerter. Vom „Parksee" gibt schon 
die Katalog-Reproduktion eine ver 
heißungsvolle Probe,, die daun aller 
dings von der Wirklichkeit nicht mehr 
ubertroffeu wird. Und das ist schade».
	        
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