Volltext: 1914-1916 (1914-1916)

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„Das Ziel. Aufrufe zu tätigem Geist. Her- 
ausgegebeu vou Dr. Kurt Hiller." (Beitrage 
vou H. Alaun, Kerr, Brod, Werfel, Rubiaer 
u. a.) Georg Müller» München 1916. — Hier 
ist die in Nr. 8 versprochene „Antwort". 
I. 
Zu. Krieg wird alles orgauistert; das Ligenwilligste; fogar der Geist. Das 
schwere Amt übernimmt Kurt Hiller. Sein Aufruf sammelt eine Anzahl geistig 
suuger, Willeuserfüllter. Sie geben (für die kommende Zeit) ihre Parole. Zeder 
sagt oder fingt die seine aus Herzensgrund, mit voller Stimme. Das gibt ein 
streit- und bestreit-bares, nicht allemal harmouifchs Konzert. Und erst allmählich 
hört mau aus den vielen die führende Melodie heraus. Die Melodie, die das 
Buch wichtig macht, die neue, die singbare, den Schlager. Sie hat zwei Texte: 
Erstens: Schluß mit der bisherigen furvehmen Willeusabstineuz. Hinein ins tätige 
Dasein! Arbmten! Nicht Beten! Befieru! Nicht Zugucken! Wer soll befieru? 
Die Befiereu. Wer find die Befiereu? Die „Geistigen". 
Bis hierher waren Text und Melodie auch Plato halbwegs schon bekannt. 
Nun kommt der neue Teil des Textes: 
Nicht bloß arbeiten. Gemeinsam arbeiten! Schluß mit der verlogenen 
Weisheit: „Der Starke ist am mächtigsten allein". 2m Gegenteil: „Der Starke 
ist am unschädlichsten allein". Mächtig ist nur die Maste. Und der, der sie führt! 
Wer soll sie fuhren? Der Geist, der Geist! Maste au sich ist sinnlos. 2hr 
einen Sinn geben, sie beseelen, sie durchtränken, sie beleben, sie führen — dazu ruft 
das Buch den Geist und alle, die ihn haben, auf. 
Die eklatanteste Sinnlosigkeit, dieser Krieg, war nötig, um das Grauenhafte 
einer sinnlosen Welt aufreizend deutlich zu zeigen. 2hr, der vou Gott verlasteneu, 
einen Sinn zu geben, das ist Sache des Geistes. Nur er sieht ein Ziel, nur er 
weiß den Weg, nur er darf und soll die Maste führen. Wachgestoßen, wach- 
getreten (endlich!) rüstet er sich zum Aufbrnch. 
n. 
„Geistigen" sollen Führer fein. Sehr hinreißend werden sie vou Hitler ge 
schildert: die Willeusvollen, Hingerissenen, Hingegebenen, die für die anderen 
leiden und die (himmlische!) Verantwortung fühlen und tragen. Line heilige 
Schar, eine Kirche des Geistes. Daß in ihr keine völlige Einigkeit der Gedanken 
herrscht (vielmehr ein ziemliches Stimmengewirr) ist gar kein Unglück. 
Unbedingt nötig (und gefordert) ist nur: Einigkeit im Handeln.
	        

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