Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Geistes also widerspricht sich selbst. Sie wird daher entweder nicht sein oder sie wird 
etwas anderes seht: eine unsichtbare Gemeinde der Heiligen. 
Auch eine solche Kanu sich organisieren. Und maß es. Denn ohne Organ 
ist keine Wirksamkeit möglich. Aber ihre Organe werden nicht die bestellten 
Pastöre der sichtbaren Kirche sein. Sie wird viele Gemeinden und viele Gemeiude- 
mitglieder zählen. Aber sie wird sie eben nie zählen. Sie wird größer sein als 
die Gesamtheit ihrer Organisationen und unabhängig von der Wenge ihrer Glieder. 
Wie ein Pilzlager unter der Erde: unsichtbar, unzerstörbar, fruchtbar und wirksam. 
Mit dem Boden verwachsen, nicht von ihm zu trennen» nicht abzusondern, nicht klar zu 
bestimmen und nicht zu begrenzen. Richt festzulegen nach Programmen, Bezirken» 
Gegenden» Personen. 2hr ist kein Werkzeug zu gemein und keins zu edel. Zum 
Ge- und Verbrauch ist ihr nichts zu schade. Richt einmal eine „Partei 
des Geistes". 
III. 
„Swer daz leben fragete tusent jar: war umbe lebestu? soll ez autwurtev» 
ez spraeche nicht anders wau: ich lebe darumbe daz ich lebe. Daz ist 
davon, wau leben lebet uz siueu eigenen gründe uude quillet nzer sinem 
eigen: darumbe lebet ez ane warumbe in dem daz ez sich selber lebet. Swer 
uu fraget, .inen warhafteu menschen, der da würket nzer sinem eigenen 
gründe: warumbe würdest du diuiu werk? solt er recht autwürteu, er 
spraeche uiht anders dau: ich würde darumbe daz ich würde." 
Ls werden viele Ziele in diesem Buche gesetzt, nähere und fernere. 
Ziele für die Politik, für die Erziehung» fürs Recht» für die Ehe. Einzel- und 
Gesamtziele. Die große allgemeine Zielsetzung gibt Hiller zum Schluß, über die 
praktisch erreichbaren» zunächst einmal anzustrebenden, hinaus, das ferne, für uns 
nicht zu erreichende, aber uuverrückte Ziel: das „Paradies auf Erden". Das 
Paradies» in dem ein jeder frei im Genuß der eingeborenen Lieblichkeit fein selber 
und der andern froh wird, wo Staat, Gesetz und aller Zwang als überflüssig 
gewordene Hilfskonstruktionen wegfallen, wo auch der Geist überflüssig ist, „wenn 
Geist den Subegriff aller Bemühungen um Besiernug des Loses der Menschheit 
bedeutet." Was ist dazu zu sagen? Zunächst, daß mir trotz allen Bemühungen ein 
Paradies anf Erden schemenhaft und unvorstellbar bleibt. Einfach deshalb, weil 
mir, dem llbergaugsmeufcheu, ein Zustand der Vollendung (gleichgültig, ob's 
ruhende oder bewegte Vollendung ist) unerreichbar ist» auch in Gedanken. 
Weine Phantasie Kanu mir eine Reihe wünschenswerter Zustände neunen und 
zeigen, aber die Vollendung alles Wünschenswerten bleibt eine unvollziehbare
	        

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