Volltext: 1914-1916 (1914-1916)

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Ls ist ja leider vielleicht nötig, daß die 
Polizei dafür sorgt, daß eiu Theater- 
direktor seinen Angestellten gegenüber 
gleichmäßig unfreundlich — oder jagen 
wir kaltblütig bleibt. Und ich verstehe, 
wenn eiu Aufstchtsrat als erstes von 
chm verlangt, daß er rechnen (und ver 
dienen) Kanu. Zum Regifstereu aber, 
zum Theater-macheu ist beides nicht 
nötig. Herr Robert bewies es: er war 
nicht kaltblütig, er konnte nicht rechnen, 
aber regifstereu konnte er — bester als 
der liebe Gott. (Der liebe Gott macht 
bloß Aatnr, Herr Robert aber: Kunst. 
Woraus das Kuriofum folgert: daß 
z. B. Reinhard dem lieben Gott fehr 
nahe kommt.) 
Alfo: Robert war erledigt. Zur Zreude 
aller Leute, die für gutes Rechnen und 
gutes Betragen stud und zum aufrich 
tigen Schmerz all derer, die mehr für 
gutes Theater stud. Da hörte mau 
plötzlich ganz heimlich, still und leife: 
daß Herr Lugen Robert die Direktion 
des Berliner Aestdeuztheaters über 
nähme vud es war berechtigte Hoffnung 
vorhanden, daß die Berliner Polizei 
etwas netter als die Münchener wäre, 
daß er (auf deutsch) die Kouzefstou und 
daß Berlin eiu Theater bekäme. Was 
es, weiß Gott, gebrauchen könnte! 
Seder» der für's Theater ist, hielt er 
freut den Atem au, niemand war 
eigentlich dagegen (denn Herr Robert 
könnte ja vielleicht inzwischen, sozusagen 
auch ein bißchen Rechnen gelernt haben, 
er könnte vielleicht auch (Gott behüte!) 
eiu wenig älter, eiu wenig kälter, 
durch Gottes große Gnade, geworden 
sein), niemand war also sehr dagegen. 
Bis auf einen. Bis auf einen Manu, 
dem alles, aber alles am guten Rech 
nen und am reinen Lebenswandel, 
dem (scheinbar) nichts, aber gar nichts 
au Äuem guten Theater gelegen ist. 
Dieser Manu heißt Siegfried Jacob- 
sohn. Lr äußert stch wie folgt in der 
„Schaubühne" vom 4. Mai: „Auch ich 
protestiere vorläufig nicht. Ich habe 
einfach Vertrauen zu Herrn von 
Glaseuapp. Der hat die künstlerische, 
moralische und finanzielle Zuverlässig 
keit des Kouzesstousbewerbers zu prüfen. 
Der wird stch also ln der Vergangen 
heit des Herrn Robert umtun, wird 
seine eigene Wisteuschaft und den 
Aktenbefnud des Berliner Polizeiprä- 
stdiums mit Hilfe der Besttzer des The 
aters in der Köuiggrätzer Straße, der 
Geuosteufchaft Deutscher Bühueuange- 
höriger und des Aufstchtsrats der 
Münchener Kammerspiele ergänzen und 
wird zu dem Ergebnis kommen, daß 
es nicht wünschenswert ist, in so kurzer 
Zeit einen dritten Betrieb der ruchlosen 
Art unser mühsam gereinigtes Theater- 
wesen wieder verunreinigen zn lassen «- 
den gewissen Betrieb» der durch die 
Begriffe: Weiberwirtschaft, Schau- 
fpielerbeteilignug und Offeubarnugseid 
gekennzeichnet wird. Richt jeder 
Bankrotteur hat, wie der wisteus- 
durstige Begründer des Komödieu- 
haufes, eine Bibliothek, die „einen 
großen Liebhaberwert repräsentiert» 
und durch deren Verwertung eine recht 
hübsche Summe für die Gläubiger er 
zielt werden kaun." 
Das ist schön, nicht wahr? So, denkt 
mau, soll eiu Kritiker denken und 
schreiben. So und nicht anders! 
Mau könnte stch einen Unbeteiligten, 
einen Bürger, einen Theaterbesucher 
(dreimal im Jahre) könnte mau sich 
denken, der stch dächte: „Anständig 
benommen hat stch der Manu (ich rede 
von Robert) hat stch der Manu zwar 
nicht; aber er kaun vielleicht was. 
Lr versteht vielleicht seine Sache? 
Versuchen wir es einmal und passen
	        
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