Full text: Briefe eines Toten

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Sinn, wenn man aus ihm den Wunsch nach schärfster 
Ausnützung aller Baumöglichkeiten entnimmt. Der 
Entwurf tut das, und schafft, sehr milde gerechnet 
500 Quadratmeter Raumnützungsfläche mehr, als 
die äusserste Programmforderung überhaupt für möglich 
hält. Er zeigt eine Disziplin der Disposition, die 
keiner der übrigen Entwürfe auch nur versucht. Er 
verbindet diese straffe Anordnung mit liebevollster 
Durchbildung der Einzelheiten, mit einem Reiz der 
Detail-Raumfolge, wie sie für menschliche Benützung 
Pflicht ist, mit der freundlich geordneten Abwechslung 
der Räume, die ästhetisches Wohlgefühl auslöst, auf 
das auch der nackteste Geschäftsmensch Anspruch hat; 
das Wohlgefühl, das allein ihm die Erholung von dem 
Zwang seiner Arbeit gewährt. Alle Räume liegen genau 
an der Stelle, wo sie programmgemäss und vernünftig 
liegen müssen, und keiner könnte besser seinen Not 
wendigkeiten entsprechen und ernster geformt und ge 
gliedert sein. 
Den Beweis für unsere Rede, oder die Gegen 
probe, werden Sie stets bei den preisgekrönten Ent 
würfen finden, oder den relativ am wenigsten schlechten, 
wie Sie sagen würden. 
Der Entwurf hatte sich nach den Vorschriften der 
Berliner Baupolizei zu richten. Er hat sie alle erfüllt. 
Ja er ist von ihnen ausgegangen. Er versuchte nicht, 
sie zu umgehen, sondern zog alles aus ihnen, was 
irgend fähig war, den Entwurf zu verbessern. Sie 
behaupten: ein grosser Teil der preisgekrönten Ent 
würfe hat gegen die primitivsten Bestimmungen der 
Baupolizei verstossen. Im Programm steht aber: dass 
solche Entwürfe von der Prämiierung auszuschliessen 
sind. Warum haben Sie sie doch prämiiert? 
Gewiss ist der Entwurf, den ich hier verteidige 
auch nur eine Wettbewerbs-Skizze, aber ich 
habe wohl nicht nötig Ihnen zu sagen, was die Auf 
gaben eines Preisgerichts sind. Sie wissen so gut, wie
	        

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