Full text: Briefe eines Toten

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Praktisch hoffte ich noch lange auf die Utopie des 
Entgegenkommens anderer, d. h. auf ihre Unterstützung 
meiner Pläne, ob sie nun mit ihren eigenen Plänen 
sich deckten, oder nicht. Erst spät ging mir genügend 
hell die Einsicht auf, dass ich mein Ziel, ohne Aus 
nahme, nur erreiche, wenn ich sein Erreichen mir 
auch erzwingen kann. 
Das sind sehr edle Motive, 
musste ich mir von meinen Freunden sagen lassen: 
Sie schaffen diese mächtige Verwirrung, um für Ihren 
Marmor Reklame zu machen; Sie verschmähen nicht 
Mittel, die jeder anständige Mensch verabscheut. — 
Ich kann nur warten und sagen: hier ist meine 
Brust: zerreisst sie, macht was ihr wollt, sie steht euch 
frei. Aber nach drei Stunden musste ich bitten: 
<3 Wir wollen aufhören, Sie martern meine Fraut>. 
Ehe ich jetzt nach München fuhr hatte ich ihr gesagt, 
dass sie die Frau eines „erblich Belasteten“ sei; ehe 
ich jetzt nach München fuhr hatte ich Abschied ge 
nommen von meinem Sohn — meine Frau wusst’ es 
nicht — weil ich wusste, es geht auf Leben und Tod. 
Nun denk’ ich mein Hirn in der Hand zu haben. 
Nichts zu denken zugleich, und jeden Augenblick 
bis an’s Aeusserste fliegen zu können des Raums, 
der Idee und der Zeit.
	        

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