Jahresbericht 1921 der Zürcher Kunstgesellschaft
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Die Verwaltungsarbeiten umfassen die Weiterführung der Inventare und Haupt-
kataloge, der Maler- und Stecherverzeichnisse und die Ergänzung der Reproduktions-
nachweise. Der druckreife Inventarkatalog der Gemälde wurde durch ein Verzeichnis der
Skulpturen ergänzt, ein Inhaltsverzeichnis der graphischen Sammlung zur Anfügung an den
Katalog der Gemälde und Skulpturen vorbereitet. Es wurden 95 Zeichnungen, 120
Drucke, 34 Photographien montiert und katalogisiert, dazu 201 Negative und Diapositive.
Die Ermächtigungen zur Anfertigung von Kopien und technischen Reproduktionen
beziehen sich auf Werke von F. Hodler, R. Koller und A. Stäbli, J. J. Biedermann, B. Dunker,
S. Freudenberger, Salomon Gessner, David Hess, N. König, Matthias Landolt, H. Lips,
Conrad und Rudolf Meyer, J. R. Schellenberg, Eugen Zeller.
Aus den Beständen der Sammlung wurden Aquarelle von E. Kreidolf an Ausstellungen
in Bern und Genf ausgeliehen, an die grosse Gedächtnisausstellung in Bern 75 Gemälde
and 14 Zeichnungen von F. Hodler, ausserdem die Hodler-Büste von E. Heller.
Die Beschickung der Berner Hodler-Ausstellung gestattete die Verwirklichung des
schon seit längerer Zeit erwogenen Planes einer Ausstellung von Gemälden und
Skulpturen des ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts aus
der Schweiz und den angrenzenden Gebieten. Mit Einbeziehung auch des
arsten Stockwerkes der Sammlung und einiger Räume im Landolthaus kam eine in allen
Teilen künstlerisch sehr anregende und wissenschaftlich aufschlussreiche Veranstaltung
zustande. Durch die Beteiligung aller schweizerischen Museen und Korporationen, deren
Bestände in den Rahmen der Ausstellung fielen, des Schweizerischen Landesmuseums, der
Eidgenössischen Gottfried Keller-Stiftung, der Oeffentlichen Kunstsammlung Basel, des
Kunstmuseums Bern, des Mus6e Schwab in Biel, des Kantonalen Museums in Frauenfeld,
des Kunstmuseums und des Archäologischen Museums in Genf, des Kunstmuseums und des
Franziskanerklosters in Freiburg, der Historischen Museen von Neuenburg und St. Gallen,
der Kunstmuseen von St. Gallen und Solothurn, des Domkapitels von Valeria in Sitten, der
Zürcher Zentralbibliothek, dann zahlreicher schweizerischer Privatsammler, namentlich aus
Basel, wurde es möglich, den schweizerischen Kunstbesitz aus der Zeit des ausgehenden
Mittelalters im Zusammenhang zur Darstellung zu bringen.
Ganz besonderen Glanz und überragende Bedeutung erhielt die Ausstellung aber
durch die weitgehende Beteiligung auswärtiger Sammler und Museen mit Werken von
allerhöchstem Wert. Das Nationalmuseum in Neapel sandte die dem Konrad Witz zuge-
schriebene kleine Tafel mit der hl. Familie in einer Kirche, das Germanische Museum in
Nürnberg und das Mus6e des Beaux-Arts in Strassburg neben andern ausgesuchten Werken
je ein grosses Bild des gleichen Meisters; zwei Tafeln des Berner Nelkenmeisters kamen aus
dem Museum von Budapest und dem Johanniterhaus in Küstrin, Werke von Hans Fries aus
der Alten Pinakothek in München; sehr wertvolle Bilder namentlich von oberdeutschen
Meistern sandten die Fürstl. Fürstenbergische Galerie in Donaueschingen, das Museum der
bildenden Künste in Stuttgart, das Stadtmuseum in Nördlingen und die Badische Kunst-
halle in Karlsruhe. Von Herrn S. Righini mit bewährter künstlerischer Sicherheit einge-
richtet, bot die Ausstellung unvergessliche Eindrücke. Die Vertreter der Kunstgesellschaft
hatten Gelegenheit, den meisten Einsendern bei ihrem Besuch in Zürich persönlich zu
danken. Das Gefühl der Dankbarkeit ihnen allen gegenüber wird nicht erlöschen, solange
das glanzvolle Bild der Ausstellung in der Erinnerung lebendig bleibt.
Trotz dem sehr starken Besuch vermochten die Eintrittsgelder die Auslagen für
Transport- und Versicherungskosten nicht zu decken. Der bereits erwähnte Beitrag der