Volltext: Jahresbericht 1936 (1936)

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Jahresbericht 1936 der Zürcher Kunstgesellschaft 
zignatur und -Datierung auf der Rückseite unsichtbar wurde. Bei der «Forelle» von Courbet 
zeigte es sich, daß auf zwei Seiten ein Randstreifen des Bildes umgebogen und knapp ab- 
geschnitten auf den Keilrahmen genagelt war; die Bildfläche wurde mit Aufziehen auf eine 
zrößere Leinwand und Aufsetzen auf einen neuen Keilrahmen in ihrer ganzen Ausdeh- 
nung wieder sichtbar gemacht, die Nagellöcher ausgekittet und die Kittstellen gedeckt. Am 
Böcklinbildnis von Rudolf Koller wurden einige trüb gewordene und zu umfangreiche 
Ausbesserungen weggenommen, die Schäden auf ihren wirklichen Umfang eingeschränkt. 
Die dem Niklaus Manuel zugeschriebene große Tafel mit der Schlüsselverleihung an 
Petrus war ebenfalls durch einige Retuschen entstellt, dazu durch Risse im Holz bedroht. 
Die Freilegung und Sicherung erfolgte im Auftrag der Eidgenössischen Kommission der 
Gottfried Keller-Stiftung durch den Restaurator Henri Boissonnas unter der Aufsicht von 
Herrn Professor Zemp für die Gottfried Keller-Stiftung und des Direktors. Bei allen die- 
sen Arbeiten wurden die verschiedenen Stufen, zum mindesten der Zustand vor Auf- 
nahme der Arbeit, nach Abdeckung und nach Deckung der auf ihre meist nur geringe Aus- 
Jehnung zurückgeführten Fehlstellen, durch photographische Aufnahme festgehalten. 
Die erste öffentliche Vorweisung der Schlüsselverleihung erfolgte nach dem Abschluß 
der erwähnten Arbeiten im Juli, im Rahmen einer Niklaus Manuel- Ausstel- 
lung. Sie setzte die Kette jener Veranstaltungen fort, die mit der Absicht nach Erhel- 
tung bestimmter Teile oder Werke der Sammlung den Einzelfall in den Bereich weiter 
gefaßter Interessen und allgemeinerer Bedeutung hinüberführen. Für möglichst eindrück- 
liche Klarstellungen der Beziehungen des neu ans Licht getretenen Bildes zum unbestrit- 
tenen Werk des Meisters und der darin sich anzeigenden Hand und Gesinnung konnten 
im großen Böcklinsaal des zweiten Stockwerkes die altangestammten und die erst in jün- 
gerer und jüngster Zeit hinzugewonnenen Tafeln des Berner Museums nebst zwei vor 
kurzem aus Amerika in eine schweizerische Privatsammlung gelangten Tafeln, dazu als 
höchst dankenswerte Leihgabe zehn für die zur Diskussion stehenden Fragen besonders 
wertvolle Zeichnungen der Oeffentlichen Kunstsammlung Basel vereinigt werden. Repro- 
duktionen schlugen Brücken zu den nicht im Original vorliegenden Bildern und zu wei- 
teren formal oder gegenständlich aufschlußreichen Zeichnungen, zahlreiche Teilaufnah- 
men aus der Zürcher Tafel gewährten tieferen Einblick und Vergleichsmöglichkeiten auf 
dem Gebiet von Farbauftrag und Umrißführung. Nicht alle Besucher fanden die aus der 
Ausstellung ablesbaren Argumente schlüssig für eine unbedenkliche Zuweisung der Zür- 
cher Tafel an den Berner Meister, doch drängt die Verschiedenheit der Tafel gegenüber 
allen sonst bekannten benannten und namenlosen Werken aus dem frühen 16. Jahrhun- 
dert sie immer wieder am nächsten zu Niklaus Manuel. Vielen war die Begegnung mit 
Manuel als Künstler überhaupt eben so neu und überraschend wie das Zürcher Bild. Sie 
werden ihn in Bern und Basel nun künftig wohl leichter finden und aufnehmen. 
In den Räumen der Graphischen Sammlung, die sonst Vorweisungen aus‘den Samm- 
lungsbeständen vorbehalten sind, war im Herbst die Vereinigung für zeich- 
nende Kunst in Zürich mit einer Ausstellung neu eben aus Nordafrika zurück- 
gebrachter Aquarelle und Zeichnungen von Ernst Morgenthaler zu Gast. Für das durch 
die V.Z.K.Z. herausgegebene Verzeichnis stellte der Künstler zum Abdruck eine Anzahl 
Seiten aus seinem afrikanischen Tagebuch zur Verfügung. 
Als Veröffentlichungen zur Sammlung erschienen ein dokumentierter 
Katalog der Niklaus Manuel-Ausstellung mit Abbildungen, und der Ilustrationsteil zum
	        
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