Volltext: Jahresbericht 1936 (1936)

28 
Jahresbericht 1936 der Zürcher Kunstgesellschaft 
L 
Beilage I 
Das Schweizerische Künstlerlexikon 
A 
F. Otto Pestalozzi-Junghans, seit 1888 Präsident der Zürcher Künstlergesellschaft, be- 
gründete am 30. Juni 1895 in der Basler Kunsthalle vor dem Zentralvorstand des Schweize- 
rischen Kunstvereins mit einem eingehenden Referat die Wünschbarkeit, ja Notwendigkeit 
eines schweizerischen Künstlerlexikons, die er schon Jahrzehnte vorher als Konservator der 
Sammlungen im Künstlergütli dringend empfunden hatte. Seine Anträge auf Einsetzung 
einer Arbeitskommission für die Aufstellung eines Namen- und Literaturverzeichnisses prä- 
zisierte er in einem Rundschreiben vom 7. September, und auf dieses hin ersuchte ihn der 
Schweizerische Kunstverein unter dem damaligen Präsidenten J. Sarasin-Schlumberger, die 
Vorarbeiten aufzunehmen. 
In Zürich hatte schon 1755 und 1757 der ältere Hans Caspar Füßli seine zwei Bände 
«Geschichte und Abbildung der besten Mahler in der Schweiz» herausgegeben, 1769—1777 
die fünfbändige «Geschichte der besten Künstler in der Schweiz». 1763 erschien in Zürich 
das erste allgemeine Künstlerlexikon von Johann Rudolf Füßli dem Jüngeren, in Quart, 
mit drei Nachträgen bis 1777; 1779 bereits eine Neubearbeitung als Foliant. Noch bevor 
der Sohn von Johann Rudolf, Hans Heinrich Füßli, eine erweiterte Ausgabe von dessen 
Lexikon in zwölf Lieferungen von 1806—1821, mehr als 6000 Folioseiten, folgen ließ, er- 
öffnete die Zürcher Künstlergesellschaft im Jahre 1805 ihre durch die Zürcher Kunstgesell- 
schaft bis zum heutigen Tag lückenlos fortgeführte Reihe von Neujahrsblättern als Mono- 
graphien über zeitgenössische Schweizer Künstler. Der Antrag des Präsidenten der Zür- 
cher Künstlergesellschaft stand auf wohl vorbereitetem Boden. 
Mit einer Namenliste, die von 2754 auf 9204, 10 644 und schließlich auf über 12 000 
Künstler anstieg, wurden in den Jahren 1895 bis 1900 unter der organisatorischen und 
wissenschaftlichen Leitung von F. O. Pestalozzi die Vorarbeiten für das neue Schweize- 
rische Künstlerlexikon durchgeführt, das Material gesammelt und geordnet, bis zur Auf- 
nahme der Redaktionsarbeit durch Carl Brun am 1. April 1901. Die erste Lieferung mit 
592 Namen Aberli-Baur, verließ die Presse im September 1902. Der erste fertige Band 
A—G erschien 1905, der zweite H—R., schon mit zehn Seiten Zusätzen zu den Bänden I 
und II, 1908, der dritte S—Z 1913, der vierte geteilt in ein Supplement A—Z und einen 
Anhang «Letzte Nachträge und Berichtigungen», ebenfalls A—Z, mit Redaktionsschluß 
vom Juli 1915, im Frühling 1917. 
In seiner schönen Ausstattung und seiner soliden wissenschaftlichen Gesinnung stand 
das neue schweizerische Lexikon einstweilen unter veralteten oder vorwiegend durch das 
Verkaufsinteresse geprägten neueren Künstlerverzeichnissen allein. Doch wie vor hundert 
Jahren gingen auch jetzt wieder die Bestrebungen für die schweizerische und die allge- 
meine Künstlergeschichte parallel, nur nicht mehr auf dem gleichen Schauplatz. In Leipzig 
wurde die nach der Mitte des 19. Jahrhunderts begonnene, groß angelegte Arbeit von 
Julius Meyer, die in drei Bänden von 1872, 1878 und 1885 nicht weiter als bis zum Namen 
Bezzuoli gelangt und damit Torso geblieben war, nach der Jahrhundertwende neu auf- 
genommen. Im Herbst 1907 erschien der erste Band des «Allgemeinen Lexikon der bil-
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.