A u.
Beleg Nr. 12, zu Seite 39
Jahresbericht 1936 der Zürcher Kunstgesellschaft
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St. Gallen, 21. Jan. 1936
‚+... Ich habe es vor etwa 10 Jahren in Mailand von Cav. Tronconi erworben, der es
von einem alten Herrn, einem Bekannten des früheren französischen Konsuls (in den
B0er Jahren) in Mailand erhielt. Dieser französische Konsul soll mit der Familie Cour-
bets befreundet gewesen sein und das Bild als Erinnerung an den jungen Courbet, der
damals (z. Z. des Bildes) etwa 18 Jahre gezählt haben mag, erhalten haben ....
Ettore Rigozzi.
Beleg Nr. 13 zu Seite 39
Mardi, 28. I. 1936
‚.. + Ich kann mich aber bestimmt daran erinnern, daß Tronconi mir sagte, sein Ver-
käufer habe das Bild vom französischen Konsul gehabt, der es von der Familie Courbet
bekam, mit der er sehr befreundet gewesen sei. Natürlich freut mich die Nachricht
bezüglich des Mr. Ordinaire, Consul de France. Es wird sich wohl um diesen handeln.
Möglicherweise ist Olivier Ordinaire, bevor er Generalkonsul zu Turin wurde, Konsul in
Mailand gewesen? Das bescheidene Pedigree für das Bild wäre somit folgendes:
Courbet
Mr. Olivier Ordinaire, Consul g. d. France,
Freund des Mr. Ordinaire
Carlo Tronconi, Milano
Rigozzi St. Gallen
Es kam also eigentlich ziemlich direkt aus der Courbet-Familie in meinen Besitz,
was sich daraus erklären mag, dass der Konsul und sein Freund schon zwei sehr alte
Knaben waren.
Ettore Rigozzi.
Beleg Nr. 14, zu Seite 39
St. Gallen, 14. März 1936
‚+++ Das ganze Bild in seiner gesamten Faktur hat — schon auf den ersten Blick —
gar nicht die Psyche, gar nicht den Typ, nicht den Aspekt einer Fälschung. Und ist der
Gedanke nicht lächerlich, daß damals (oder später) ein Fälscher auf die Idee gekommen
wäre, Bilder des kaum zwanzigjährigen, noch erfolglosen Courbet zu fälschen? Für einen
Fälscher wäre ja erst die spätere Epoche der glatteren Malweise in Betracht gekommen,
als Courbet kotiert zu werden begann. Eine Fälschung wäre auch nicht mit der ganz
frühern Kursivschrift sondern mit der spätern Steilschrift signiert! Dies wären noch nicht
einmal äußere stilkritische, sondern simple Momente des gesunden Menschenverstandes.
Ettore Rigozzi
Beleg Nr. 15, zu Seite 39
Paris, le 17 mars 1936
Tai l’honneur de vous accuser re&ception de votre lettre du 13 mars, et. m’empresse
de vous informer qu’aucun doute n’a jamais &t& &mis en ce qui concerne lauthenticite du
tableau: «Les Recits de la Grand’ Möere Salvan ou Les Soeurs de Courbet 3 Flagey>,
figurant actuellement ä l'exposition du Muse de Zurich.
L’authenticit& de ce tableau n’est pas contestable. Son origine est parfaitement connue.
Il a figuree ä diverses expositions, tant en France qu’a l’Etranger, et aucun des experts
de ces pays, qui ont €t& appeles a le voir, n’ont jamais contest& qu'ıl 6tait de la main
de Courbet. Je ne puis donc comprendre a quel mobile pourrait ob6ir le marchand
de tableaux dont vous m’entretenez, sinon ä des considerations, qui, pour le moins que
l’on puisse dire, ne seraient pas exclusivement artistiques.
A. Lemoine.