Volltext: Jahresbericht 1959 (1959)

worden. Wir wissen von einer Gruppe wohl des früheren 
dritten Jahrhunderts v. Chr., in der die Hauptfigur stehend 
an einen Baum gefesselt war. Dann folgte in den Jahren 
gegen 200 v. Chr. vermutlich im Kunstbereich von Pergamon 
die berühmteste der antiken Marsyas-Darstellungen, die den 
am Baume Hängenden im Verein mit dem Skythen und mit 
Apollon zeigte. Eine Statue in Paris und zwei Torsen in 
München und Istanbul repräsentieren den Typus des 
Marsyas, der einen in den Hüften leicht nach vorne ab- 
gebogenen Körper aufwies, als ob er mit den Füßen noch 
den Boden berührt hätte, und der in seiner Gestalt trotz allem 
Naturalismus einen einheitlich zusammenfassenden, noch an 
Klassisches gemahnenden Formenvortrag hatte. Den Skythen 
kennen wir aus der bekannten, am Boden hockenden und sein 
Messer schleifenden Figur in den Uffizien von Florenz. Vom 
Apollon ist leider nichts Sicheres erhalten. Doch können uns 
ein römisches Schmuckrelief, Sarkophagdarstellungen und ein 
geschnittener Ringstein eine ungefähre Vorstellung vom Aus- 
sehen der ursprünglichen Gruppe vermitteln, 
Im klassischen Altertum war mit der erstmaligen 
Schöpfung eines Kunstwerkes das Motiv nicht verbraucht, 
sondern je durchschlagender sein Erfolg war, desto sicherer 
rief es andere Künstler auf den Plan, die unbeschwert von 
aller Vorstellungen des geistigen Eigentums die Idee begierig 
für sich aufgriffen und wetteifernd dasselbe Motiv wieder und 
wieder abwandelten. So entstand rund um die Mitte des 
zweiten Jahrhunderts v. Chr. eine zweite Fassung des hängen- 
den Marsyas, die nur bei näherer Betrachtung vom älteren 
Typus unterscheidbar ist. Der Körper ist gestreckt hängend 
dargestellt, und seine Einzelformen sind nach dem damals 
herrschenden Stil detaillierter und kleinteiliger wiederge- 
geben. Ob diese jüngere Fassung ebenfalls als Gruppenbild 
gedacht war, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Wahr- 
scheinlichkeit, daß nur die Hauptfigur einer Neubearbeitung 
unterzogen wurde, ist groß. 
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