Pierre Soulages, «30 novembre 1959»
Im Berichtsjahr wurde die Abteilung moderner zeit-
genössischer Malerei durch ein bedeutendes Werk! des fran-
zösischen Malers Pierre Soulages bereichert, dem im Mai
1961 eine Ausstellung im Kunsthaus galt. Die Ankaufssumme
finanzierten zur Hälfte die Herren Hans C. Bechtler und
Dr. Walter Bechtler. Soulages, der zu den stärksten und inter-
essantesten Künstlerpersönlichkeiten der jüngeren Ecole
de Paris gehört, war bisher in der Sammlung des Kunsthauses
lediglich mit einem Bild von 1952 präsent.? Er kann weder
eindeutig der französischen Variante der längst schon zu
planetarischer Auswirkung gelangten expressiven Abstraktion
zugezählt werden, die das rein «Malerische» in der Erschei-
nungsweise des gegenständlich und formal Undefinierbaren
verabsolutierend herausstellt, noch viel weniger besitzt er
wesentliche Berührungspunkte mit der «action painting» ame-
rikanische Observanz, der die heftige und laute Gebärde,
der Malakt als solcher, das handschriftlich Spontane des
Psychogramms den Endsinn der Kunst bedeutet, und die
bereits, zumal in den letzten Jahren, einen guten Teil auch
der europäischen zeitgenössischen Malerei in Bann zu schlagen
vermocht hat.
Lediglich in dem Umstand, daß die Sprachmittel von
Soulages «abstrakter», ungegenständlicher Natur sind und daß
auch er sich als Ort der Verwirklichung seiner künstlerischen
Absichten des großen Formats, der Breitleinwand oder der
Hochleinwand, bedient, äußert sich eine Gepflogenheit, die
heute nachgerade im abstrakten Expressionismus und in der
«action painting» zur Regel geworden ist, nur daß das Groß-
format bei Soulages übereinkommt mit dem vorgebrachten
Gehalt, während es ja sonst auf weite Strecken Ausdruck
Oel auf Leinwand. 195X130 cm. Bez. rechts unten: Soulages. Das Bild figu-
rierte als Nr. 66 in der Ausstellung «Pierre Soulages», Kunsthaus Zürich,
Mai 1961.
«9 föevrier 1952», Oel auf Leinwand, 130X89 cm, Inv. 1952/60.
im