Volltext: Jahresbericht 1970 (1970)

ZU EINIGEN NEUERWERBUNGEN ZEITGENÖSSISCHER 
AMERIKANISCHER KUNST 
Um 1950 hat sich die internationale Kunstszene entscheidend verändert: 
arstmals in der Geschichte der westlichen Kunst sind wesentliche Impulse 
von Amerika, genauer von New York, ausgegangen und haben ein mehr 
oder weniger überraschtes Europa erreicht, das gewohnt war, seinerseits 
stilbildend jenseits des Atlantiks zu wirken. Die wichtigsten Vertreter des 
«Action Painting», De Kooning, Pollock, Kline, Francis und die «Color 
Field Painters» Newman, Rothko, Still, haben alle beinahe gleichzeitig 
ihren persönlichen Stil gefunden und damit eine gewichtige Alternative 
zum Tachismus der «Ecole de Paris» vorgeschlagen. Einen weitern 
Schritt in der Erforschung künstlerischen Neulandes kann Europa kurz 
vor 1960, wiederum in New York, mitverfolgen: die Geburt der Pop Art, 
die trotz einiger europäischer, besonders englischer Vorläufer im wesent- 
lichen in Amerika entwickelt wurde. Damit soll nicht gesagt sein, daß der 
alte Kontinent ausschließlich in die passive Rolle des Empfangenden ge- 
drängt wurde, wohl aber müssen in jeder Betrachtung der Kunst seit 1945 
die beiden Kontinente zusammen als ein großer Schauplatz gesehen 
werden, in dem sich das erregende Schauspiel zeitgenössischer Kunst ab- 
spielt. Übertragen auf eine öffentliche Kunstsammlung, deren Ziel es ist, 
wie im Falle des Kunsthauses, über die gegenwärtige Entwicklung der 
Kunst zu orientieren, ohne freilich die ältern Sammlungsbestände zu ver- 
nachlässigen, heißt das, daß in geographischer Hinsicht ein gegenüber der 
Vorkriegszeit erweitertes Gebiet berücksichtigt werden muß. Wobei zwei- 
“elsohne stets die Qualität eines Kunstwerkes, nie die Nationalität seines 
Schöpfers, den Ausschlag für eine Erwerbung geben muß. 
Die Kunst der sechziger Jahre, die in so wesentlichem Maße von amerika- 
nischen Künstlern mitbestimmt wurde, hat auf internationaler Ebene 
allerdings erst im Berichtsjahr vermehrten Eingang in die Sammlung des 
Kunsthauses gefunden. Und da bisher amerikanische Künstler kaum ver- 
treten waren, hat sich gerade diesbezüglich ein besonderes Nachholbe- 
dürfnis gezeigt!18.
	        
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