Full text: Jahresbericht 1972 (1972)

zuarbeiten, um an der Hand des alten Freundes die Möglichkeiten einer 
neuen Technik zu erproben. 
Über dieses Zusammengehen schrieb Artigas: «Mirö hatte zwar keine 
handwerklichen Vorkenntnisse, aber eine unbegrenzte Phantasie; er hielt 
sich im Interesse des Werkes an mich als den Techniker, um die Klippen 
zu umgehen, auf die seine freie Erfindung jeden Augenblick zu stoßen 
drohte. Die technische Leistung darf nur dazu dienen, das zu zeigen, was 
der Künstler in der ihm wenig vertrauten Technik ausdrücken möchte, sie 
soll ihm auch alle Mittel an die Hand geben, welche die Töpferkunst einem 
Maler bieten kann. Es ist dann an diesem, in Kenntnis der Möglichkeiten 
seine Palette und die von ihm verwendeten Materialien zu beschränken. » 
Von 1944 bis 1946 entstanden erste keramische Versuche Mirös, die — nach 
einer Pause — 1955 weitergeführt wurden und zu einer dauernden, engen 
Zusammenarbeit zwischen dem Maler und dem Keramiker führten. «Wir 
müssen uns wieder mit Keramik befassen. Alle beschäftigen sich mit ihr, 
und die meisten quälen sich dabei zu Tode oder richtiger, sie quälen sich 
überhaupt nicht. Sie machen einfach ihre Malerei weiter, ohne sich um 
das Besondere der Keramik zu kümmern, um die Materialien, Farben, 
Emaille, geschweige denn um Wesen und Geist dieser Kunst. Sie haben 
höchstens einige Deformationen gewagt, ohne aber neue Formen zu 
schaffen.» So äußerte sich Mirö Artigas gegenüber zu Beginn dieses er- 
neuten Zusammengehens. Hier wird deutlich, daß Mirö — was in der 
Rückschau aus den entstandenen Werken abzulesen ist — sich der Eigen- 
gesetzlichkeit des neuen Mediums voll bewußt war, ebenso wie der neuen 
und anregenden Möglichkeiten, die es ihm bot. Was ihn anzog, waren 
vielleicht gerade die Schwierigkeiten, die in der Technik lagen, ein Spiel 
des gelenkten Zufalls, wie es in der Zusammenstellung von Objets trouves 
waltet, aber auch die Tatsache, daß in gewissem Sinn die Elemente mit- 
wirken; die Erde als Rohmaterial, das Feuer im Brennofen, das der kera- 
mischen Materie etwas von seiner Leuchtkraft mitteilt. Über diese Mit-
	        
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