Volltext: Jahresbericht 1975 (1975)

Wenn auch die Werke, welche die Vereinigung 
Zürcher Kunstfreunde uns zur Verfügung 
stellt, formell Leihgaben sind, dürfen wir sie 
zum festen Bestand der Sammlung rechnen, 
ist doch die Aufgabe, die sich die Ver- 
ainigung gegeben hat, eben die, die Samm- 
'ıung des Zürcher Kunsthauses durch Ankäufe 
von Werken zu ergänzen. Da die Mitglieder- 
zahl der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde in 
den letzten Jahren erfreulich zugenommen 
hat, ist die Vereinigung in der Lage, uns häufig 
Werke zur Verfügung zu stellen. 
Alechinsky. Die erste grössere Einzel- 
ausstellung dieses Malers In der Schweiz 
wurde im Frühling 1975 im Kunsthaus durch- 
geführt, worüber im Abschnitt über die 
Ausstellungen noch berichtet wird. Das Bild 
«Changement de braquet» gehörte zu den 
aindrucksvollsten dieser Ausstellung, nicht 
allein wegen seines Formats, sondern 
deswegen, weil in ihm die eigenwillige 
Persönlichkeit des Künstlers, der sich schwer 
ainer bestimmten Richtung zuordnen lässt, 
sehr kraftvoll zum Ausdruck kommt. Der 
Belgier Alechinsky, in Paris tätig, ist ein 
geborener Kolorist, was sich auch in diesem 
Werk vielleicht gerade deswegen erweist, 
weil es sich auf wenige Töne beschränkt. Das 
Werk erinnert auch daran, dass sich bei 
Alechinsky der Maler und der Graphiker nicht 
trennen lassen und sich gegenseitig 
steigern und durchdringen. Das Werk verrät 
auch, dass der Künstler zu einer Freiheit 
der Pinselschrift gekommen ist, die verstehen 
lässt, dass er in seiner Jugend die Pinsel- 
technik zeitgenössischer japanischer Tusch- 
maler studiert hat und dass Beziehungen 
zum Action Painting bestehen; dabei sind 
seine Werke voller Figur. Anklänge an Natur- 
formen verbinden sich mit solchen aus der 
Welt der Fabel und der Kinder, ohne dass das 
zu einer Verfestigung im Illustrativen führen 
würde. 
1975 hat sie uns je ein Werk des 19. und des 
20. Jahrhunderts übergeben. Das ältere Ist 
ain Bild von Giovanni Segantini, «| miel 
modelli», das 1888 in des Künstlers letzten 
Jahren in Savognin entstanden und eines 
seiner Hauptwerke ist. Es gehört zu jener 
Gruppe von Bildern Segantinis, in denen ihn 
die Probleme des künstlichen Lichtes in einem 
Innenraum beschäftigen. In «I miel modelli» 
bringt er aber auch seine luministischen 
Bergbilder ins Spiel, dadurch, dass das Licht 
einer Stallaterne auf eine Reihe von Bildern 
dieser Art fällt. Von Segantini besassen wir 
bereits ein Bild aus dem Engadin « Strickendes 
Mädchen in Savognin» (Eidgenössische 
Gottfried Keller-Stiftung), 1888, und zwei 
symbolistische Kompositionen « Die bösen 
Mütter», 1897, und «Die Wollüstigen», 1897 
Mit «I miei modelli» ist ein weiterer Aspekt 
von Segantinis Schaffen nicht nur belegt, 
sondern durch ein Hauptwerk vertreten. 
Die Vereinigung Zürcher Kunstfreunde erhält 
immer wieder von einzelnen Mitgliedern 
Geschenke. Das war 1975 zweimal der Fall. 
Über die Schenkung des « Tetraptychons» 
Wir stellen immer wieder fest, wie sehr Aus- von Hans Hartung wurde bereits gesprochen 
stellungs- und Sammlungstätigkeit im Im weiteren hat Herr Curt Burgauer 
Kunsthaus sich gegenseitig befruchten. Ein das Bild «Kleine Meditation», 1932, von 
Beispiel dafür ist die zweite Erwerbung Jawlensky der Vereinigung geschenkt, ein 
der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde, Bild, in dem man Jawlenskys Kunst, seine 
«Changement de braquet», 1972, von Pierre höchst sensible Form der Abstraktion
	        
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