Ausstellungen
Hauptausstellungen
Am 6. Januar schloss die in mancher Beziehung
aussergewöhnliche Ausstellung «Kunstschätze aus
China). Ein eigentlicher «run» während der Schluss-
tage trug zum zahlenmässig besten Resultat in der
Geschichte des Zürcher Kunsthauses bei. Nach
Zürich ist die Ausstellung mit ähnlichem Erfolg in
Berlin, Hildesheim, Köln und Brüssel gezeigt wor-
den.
Mit der Retrospektive des Schaffens von Verena
Loewensberg fand die Tradition monographischer
Ausstellungen konstruktiver Kunst eine Fortsetzung,
welche durch die parallel gezeigten Zeichnungen
von Käthe Kollwitz die zusätzliche Facette von
«Frauenkunst) erfuhr. Mit 160 Bildern aus den
Jahren 1935-1980 war erstmals die Voraussetzung
gegeben, das Werk als eigenständigen Beitrag
innerhalb der konkreten Kunst zu würdigen. Die
Gliederung nach Werkgruppen machte sichtbar, wie
sehr Verena Loewensbergs Formstrukturen und
Farbsysteme wohl auf gesetzmässigen Grundlagen
entwickelt sind, letztlich aber der freien Intuition der
Künstlerin folgen. So regen ihre Bilder über alle for-
mal-ästhetischen Probleme hinaus zum Nachdenken
über das Verhältnis von Vorhandenem und Nicht-
vorhandenem, Sichtbarem und Unsichtbarem, Rea-
lem und Imaginärem an. In dieser undogmatischen
Haltung, der ein Verzicht auf jede Theorie ent-
spricht, mag sich ein spezifischer Aspekt von
«Frauenkunst) verbergen. Anschliessend wurde die
Ausstellung im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigs-
hafen präsentiert.
In ähnlicher Weise machte die Vantongerloo-Retro-
spektive deutlich, wie dem Spielraum konstruktiver
Gestaltungsformen keine Grenzen gesetzt scheinen
Zur Generation von Mondrian und van Doesburg
gehörend, zählt der Belgier Georges Vantongerloo
zu den Pionieren des Konstruktivismus und gilt als
einflussreiches Mitglied der «de Stijh)-Bewegung wie
der Künstlergruppe cabstraction-creation». Die in
den USA 1980 und in Brüssel zum 150-Jahr-Jubi-
läum Belgiens gezeigte Ausstellung wurde in Zürich
in stark erweiterter Form aufgebaut. Vantongerloos
Freund und Nachlassverwalter Max Bill hat die Re-
trospektive nicht nur zusammengestellt und betreut,
sondern im Kunsthaus in einer so inspirierten Weise
eingerichtet, dass Vantongerloos Werk eine unge-
ahnte Strahlkraft entfaltete. Zu den Bildern und Pla:
stiken gesellte sich eine umfangreiche Dokumenta-
tion, welche die künstlerische Produktion erhellte
und sie in einen kunsttheoretischen und geistes-
geschichtlichen Rahmen stellte, während der Kata:
log als ein Werkverzeichnis 284 Nummern aus den
Jahren 1917-1964 erfasste. Die Dokumentation
belegte nicht nur Vantongerloos «Abstecher, in die
Bereiche der angewandten Kunst, sondern vor al-
lem auch seine Beschäftigung mit der Astrophysik,
welche in den Plexiglas-Plastiken seines Spätwerks
ihre faszinierende künstlerische Gestalt fand.
Unter dem Titel «Mythos und Ritual in der Kunst deı
siebziger Jahre») vertraten 15 Künstler verschie-
denster Stilrichtungen und Ausdrucksmittel eine
Strömung innerhalb der zeitgenössischen Kunst, die
auf die Befragung und Fruchtbarmachung von Ver
gangenheit und Geschichte abzielt. Das gemein-
same in den Werken von Alice Aycock, Joseph
Beuys, Claudio Costa, Michael Heizer, Dani
Karavan, Nikolaus Lang, Richard Long, Dennis
Oppenheim, Anne und Patrick Poirier, Klaus Rinke
Arnulf Rainer, Charles Simonds, Michael Singer,
Robert Smithson und Dorothee von Windheim
zeigte sich darin, dass diese Künstler Historie nicht
rekonstruieren, sondern aus mythischen und rituel
len Formen alternative Modelle entwickeln, die im
Gegensatz zur technischen Zivilisation stehen und
als Fermente zukunftsgerichteter Vorstellungen
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