Volltext: Jahresbericht 1982 (1982)

Sammlung 
Einmal mehr ist der wichtigste Neueingang in der 
Sammlung privater Initiative zu verdanken. Die Ver- 
einigung Zürcher Kunstfreunde erwarb von Francis 
Bacon das Triptychon «Three studies of the male 
back) von 1972. Damit ist ein Traktandum zu einem 
glücklichen Abschluss geführt worden, das seit 
Jahrzehnten die Leitung des Kunsthauses beschäf- 
tigt hat: die Eingliederung eines Hauptwerkes die- 
ses bedeutenden zeitgenössischen Figurenmalers in 
die Sammlung, in der die. Werkgruppen überragen- 
der Menschenschilderer eine dominante Rolle 
spielen: Füssli, Munch, Giacometti. Bereits 1962 
zeigte Rene Wehrli die damals erste und heftig dis: 
kutierte Retrospektive des Künstlers; die Absicht, 
eines seiner Werke zu erwerben, scheiterte an den 
schon in jenen Jahren hohen Preisen. Wenn es jetzt, 
über 20 Jahre später, gelungen ist, ein repräsenta- 
tives Werk von Bacon für Zürich zu gewinnen, so ist 
dies zweifellos in erster Linie das Verdienst des 
Präsidenten unserer Sammlungskommission, Herrn 
Gustav Zumsteg, der nicht nur in zeitaufwendigen 
Verhandlungen mit dem Künstler und der diesen 
vertretenden Galerie eine beträchtliche Preis- 
reduktion hat erwirken können, sondern auch eine 
Sammelaktion durchgeführt hat, die es schliesslich 
unserem Gönnerverein ermöglichte, das oben ge- 
nannte Werk zu erwerben. Dass es sich dabei um 
ein Triptychon handelt, scheint uns in mehrfacher 
Hinsicht wesentlich: Bacon hat in dieser Form 
ältester europäischer Tradition sein ureigenstes, 
persönliches Ausdrucksmittel gefunden - und dies 
in einer Zeit, die dieser gerade wegen der Gewich- 
tigkeit der Überlieferung bedeutungsschweren Form 
ein offensichtliches Misstrauen entgegenbringt. 
In unserem Jahrhundert haben nur Beckmann und 
Bacon das Triptychon als zentrales Ausdrucksmitte 
ihres Schaffens verstanden. 
Three studies of the male back) ist für unsere 
Sammlung ein in jeder Hinsicht erfreulicher 
Zuwachs: ein neuer, unübersehbarer und sich ein: 
prägender Akzent in unserer modernen Abteilung. 
ein Werk, das auch in finanzieller Hinsicht heute 
vertretbar ist (ein entsprechender Erwerb hätte vor 
Jahren —- nicht zuletzt infolge des seither zu verfol- 
genden Dollarkurszerfalles - eine unvergleichlich 
grössere Belastung dargestellt), ein Monument einer 
expressiven Ausdrucksweise, der gerade angesichts 
der Jüngsten Entwicklung in der Malerei ein neuer 
Stellenwert zukommt: derjenige des bahnbrechen- 
den Vorläufers. Auch Bacon ist bereits zur Vater- 
figur geworden. 
Aber nicht nur das Bacon-Triptychon zeugt von 
privater Spendebereitschaft. Herr und Frau Rene 
Lang haben uns mit dem Bild «Les amies» von Kees 
van Dongen ein besonders willkommenes früh- 
expressionistisches Gemälde des Künstlers ge- 
schenkt, der bislang in unserer Sammlung nicht ver- 
treten war. Das Datum des Bildes ist nicht eindeutig 
auszumachen: in der Literatur gilt traditionellerweise 
1909 als Entstehungsjahr, während Pinselduktus 
und Farbgebung uns eine um einige Jahre frühere 
Datierung als wahrscheinlicher suggerieren. 
(In Memoriam C. und S. Giedion-Welcker) durften 
wir das Bild «La fleur jaune» von Fernand L&ger 
entgegennehmen; da die bereits früher in unsere 
Sammlung aufgenommenen Bilder alle früheren 
Datums sind (1913, 1924, 1928), erweist sich dieses 
Werk, das aus dem Jahre 1944 datiert, als beson- 
ders willkommen. 
Eine ebenfalls erfreuliche Ergänzung der bereits 
vorhandenen Vertretung von Zoltän Kemeny stellen 
die vier Materialcollagen aus der unmittelbaren 
Nachkriegszeit dar, die uns die Gattin des Künstlers
	        
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