Sammlung
Einmal mehr ist der wichtigste Neueingang in der
Sammlung privater Initiative zu verdanken. Die Ver-
einigung Zürcher Kunstfreunde erwarb von Francis
Bacon das Triptychon «Three studies of the male
back) von 1972. Damit ist ein Traktandum zu einem
glücklichen Abschluss geführt worden, das seit
Jahrzehnten die Leitung des Kunsthauses beschäf-
tigt hat: die Eingliederung eines Hauptwerkes die-
ses bedeutenden zeitgenössischen Figurenmalers in
die Sammlung, in der die. Werkgruppen überragen-
der Menschenschilderer eine dominante Rolle
spielen: Füssli, Munch, Giacometti. Bereits 1962
zeigte Rene Wehrli die damals erste und heftig dis:
kutierte Retrospektive des Künstlers; die Absicht,
eines seiner Werke zu erwerben, scheiterte an den
schon in jenen Jahren hohen Preisen. Wenn es jetzt,
über 20 Jahre später, gelungen ist, ein repräsenta-
tives Werk von Bacon für Zürich zu gewinnen, so ist
dies zweifellos in erster Linie das Verdienst des
Präsidenten unserer Sammlungskommission, Herrn
Gustav Zumsteg, der nicht nur in zeitaufwendigen
Verhandlungen mit dem Künstler und der diesen
vertretenden Galerie eine beträchtliche Preis-
reduktion hat erwirken können, sondern auch eine
Sammelaktion durchgeführt hat, die es schliesslich
unserem Gönnerverein ermöglichte, das oben ge-
nannte Werk zu erwerben. Dass es sich dabei um
ein Triptychon handelt, scheint uns in mehrfacher
Hinsicht wesentlich: Bacon hat in dieser Form
ältester europäischer Tradition sein ureigenstes,
persönliches Ausdrucksmittel gefunden - und dies
in einer Zeit, die dieser gerade wegen der Gewich-
tigkeit der Überlieferung bedeutungsschweren Form
ein offensichtliches Misstrauen entgegenbringt.
In unserem Jahrhundert haben nur Beckmann und
Bacon das Triptychon als zentrales Ausdrucksmitte
ihres Schaffens verstanden.
Three studies of the male back) ist für unsere
Sammlung ein in jeder Hinsicht erfreulicher
Zuwachs: ein neuer, unübersehbarer und sich ein:
prägender Akzent in unserer modernen Abteilung.
ein Werk, das auch in finanzieller Hinsicht heute
vertretbar ist (ein entsprechender Erwerb hätte vor
Jahren —- nicht zuletzt infolge des seither zu verfol-
genden Dollarkurszerfalles - eine unvergleichlich
grössere Belastung dargestellt), ein Monument einer
expressiven Ausdrucksweise, der gerade angesichts
der Jüngsten Entwicklung in der Malerei ein neuer
Stellenwert zukommt: derjenige des bahnbrechen-
den Vorläufers. Auch Bacon ist bereits zur Vater-
figur geworden.
Aber nicht nur das Bacon-Triptychon zeugt von
privater Spendebereitschaft. Herr und Frau Rene
Lang haben uns mit dem Bild «Les amies» von Kees
van Dongen ein besonders willkommenes früh-
expressionistisches Gemälde des Künstlers ge-
schenkt, der bislang in unserer Sammlung nicht ver-
treten war. Das Datum des Bildes ist nicht eindeutig
auszumachen: in der Literatur gilt traditionellerweise
1909 als Entstehungsjahr, während Pinselduktus
und Farbgebung uns eine um einige Jahre frühere
Datierung als wahrscheinlicher suggerieren.
(In Memoriam C. und S. Giedion-Welcker) durften
wir das Bild «La fleur jaune» von Fernand L&ger
entgegennehmen; da die bereits früher in unsere
Sammlung aufgenommenen Bilder alle früheren
Datums sind (1913, 1924, 1928), erweist sich dieses
Werk, das aus dem Jahre 1944 datiert, als beson-
ders willkommen.
Eine ebenfalls erfreuliche Ergänzung der bereits
vorhandenen Vertretung von Zoltän Kemeny stellen
die vier Materialcollagen aus der unmittelbaren
Nachkriegszeit dar, die uns die Gattin des Künstlers