Volltext: Jahresbericht 1983 (1983)

graphik auf der technischen Reproduktion und 
deren Veränderung basiert. Wörter und Bilder 
werden kaum erfunden, sondern aus bereits Beste- 
hendem ausgewählt und frei kombiniert, wobei die 
Zusammenhänge, welche auf bestehendem Kultur- 
gut basieren, durch Broodthaers’ Veränderungen 
und Verfremdungen in ein neues Licht gerückt wer 
den. Durch Überraschungseffekte wird scheinbar 
Alltägliches ironisiert und in Frage gestellt. 
GSMBA 
Unter dem Titel «Arbeitskontakte» berichtete der 
Architekt Paul Meyer, Leiter der Abteilung Universi- 
tätsbauten Zürich, unter dem Patronat der GSMBA 
über seine Zusammenarbeit mit bildenden Künst- 
lern. Mit Photos wurden achtzehn vorbildliche 
Lösungen von Kunst an Bauaufträgen dokumentiert, 
die mit je einem Originalwerk aus der jüngsten 
Schaffensphase des Künstlers ergänzt waren. So 
ergaben Ausstellung und Katalog einen informativen 
Einblick in einen in jüngster Zeit umstrittenen 
Bereich öffentlicher Kunstpflege und die Wechsel- 
beziehung von Atelierarbeit und Auftragskunst. 
Rebecca Horn 
Erstmals seit der Eröffnung der beiden neuein- 
gebauten Räume II und Ill im Frühjahr 1982 wurde 
das ganze Erdgeschoss an eine Künstlerpersönlich- 
keit vergeben: Die Ausstellung im Kunsthaus zeigte 
einen umfassenden Komplex von Arbeiten der deut- 
schen Künstlerin Rebecca Horn, ohne dabei eine 
Retrospektive anzustreben. Vielmehr ging es darum. 
die erstaunliche Kontinuität im Schaffen dieser 
Künstlerin seit etwa 1970 bis 1983 an einzelnen Sta- 
tionen aufzuzeigen. 
Von den frühen «Requisiten» für Körperaktionen an 
sich selbst oder mit Personen aus ihrer unmittel- 
baren Umgebung über die eigentlichen <«Partizipa- 
tionsobjekte) bis hin zu den kinetischen Installa- 
tionen, die sich in Rebecca Horns Filmen wieder- 
finden, wurde an ausgewählten Beispielen das übe: 
die Jahre gleichbleibende zentrale «Thema» der 
Künstlerin ablesbar: Die Spannung zwischen Kraft 
und Verletzbarkeit (etwa der Federobjekte), der 
Aggression und Sensibilität (so bei den Fächer- 
maschinen), der Maskerade und der Entlarvung (sc 
bei den frühen Federmasken u. a.). 
Raum I nahm mit den grossen, aufeinander bezoge 
nen Installationsarbeiten die neuesten Werke der 
Künstlerin auf. 
In Raum II war die im Hinblick auf die documenta 
in Kassel 1982 geschaffene grosse «Pfauen- 
maschine» zu sehen. 
Im Raum Ill fanden sich die frühen Masken und die 
Körperobjekte versammelt, ergänzt durch Photo- 
graphien von Aktionen und aus den Filmen Rebecca 
Horns. 
Die Ausstellung wurde begleitet von einem Video- 
und Filmprogramm. 
Alfred Roth 
Der international bekannte Architekt, Lehrer und 
Publizist Alfred Roth, der 1983 seinen achtzigsten 
Geburtstag feierte, gab eine von ihm selber kon- 
zipierte Übersicht seines Schaffens. Sein Beitrag an 
Aufbruch der Moderne in der Schweiz wie die Aus 
strahlung in alle Welt kamen durch die Vielzahl der 
vorgestellten Bauten und Projekte, aber auch durch 
die Dokumentation seiner Künstlerfreundschaften - 
wie Le Corbusier, Piet Mondrian oder Henry van de 
Velde - zum Ausdruck. Roths Ausstellungseinrich- 
tung machte die Synthese der visuellen Künste 
nicht nur durch die Integration von Bildern oder 
Briefen, sondern in besonderem Mass durch eine 
Rhythmisierung der Räume mit gelben, roten und 
blauen Farbflächen sichtbar. So wurde die Ausstel 
lung selber zum Zeugnis von Roths gestalterischen 
Maximen. 
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