'en ist, wofür er geschrieben und Kostüme entwor-
‘en hat, oder die Beschäftigung mit dem Holzschnitt
dann den Weg zum Relief wies, bleibt so ungeklärt
wie deren genaue Datierungen.® Jedenfalls fand er
gewissermassen <auf Erholung» möglicherweise
noch Ende 1916 oder im April 1917 zu den neuen,
‚entscheidenden Formen;: «In Ascona zeichnete ich
mit Pinsel und Tusche abgebrochene Äste, Wurzeln,
Gräser, Steine, die der See an den Strand gespült
natte. Diese Formen vereinfachte ich und vereinigte
hr Wesen in bewegten Ovalen, Sinnbildern der ewi-
gen Verwandlung und des Werdens der Körper»®
:Der Damhirsch)», das früheste bekannte Holzrelief
‚wohl aus dem Jahr 1914), beschreibt noch deutlich
arkennbar die abstrakt abgewandelten Körper-
formen des Tieres, während im «Wald» (1916) Baum
ind Mond sich bereits dem weitgehend ungegen-
ständlichen Bildganzen unterordnen. Ein ähnlicher
zntwicklungsweg vollzieht sich vom aus der Holz-
'afel gewissermassen cherausgeschnittenen») «Dam
lirsch) zu den «autonomen; Holzteilen des «Walds;:
Ib diese Teile nun von hinten oder von vorn zu-
sammengeschraubt sind, wichtiger erscheint der
‚on Arps Freund L.H. Neitzel überlieferte Hinweis,
dass ein Schreiner nach Arps Vorzeichnung die
dolzformen aussägte und er sie daraufhin anmalte
ınd montierte.7
Wie die Arp-Kenner Grieve und Poley überein-
stimmend bestätigen, gibt es von einigen Holzreliefs
nNehrere Fassungen mit kleinen Unterschieden.8
Jnser Relief «La mise au tombeau des oiseaux et
dapillons> (Rau, Kat. 13) ist dabei wohl die erste
"assung des viel häufiger publizierten Werks <«Por-
trait de Tristan Tzara> (Rau, Kat. 8), das ebenfalls
1916 entstanden sein soll, etwas grösser als die
Zürcher Fassung ist, im Unterschied zu dieser aber
später übermalt wurde (Im Werkverzeichnis von Rau
ist es ausnahmsweise noch wie im Katalog der Arp-
Ausstellung des Museum of Modern Art 1958 in der
alten Fassung mit sichtbaren Schrauben publiziert.)
Ansonsten bestehen keine wesentlichen Unter-
schiede. Dass die Zürcher Fassung wohl die erste
ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass Arp das Stück
Früh seinem Freund Hans Koch widmete, während
die sich heute im Musege d’art et d’histoire Geneve
befindliche Variante in seinem Besitz befand, weil
:Arp, wenn er ein geliebtes Stück fortgeben musste,
as sich für sich selbst noch einmal machte»?
Die unüberarbeitete Zürcher Fassung hat später,
wohl in Anlehnung an die Genfer Replik, ebenfalls
den Titel «Portrait de (Tristan) Tzara» zugeschrieben
erhalten. Während der originale Titel im Rahmen der
Arpschen <peinture-poegsie) einen weiten Assozia-
Honsspielraum offenlässt und man die Wortfolge
gerne in Arps frühen Gedichten wiederfände, lässt
der Hinweis auf ein Bildnis die Konturen als Kopf-
form, und was in einem Fall als Flügel, im andern als
«Augenbraue) erscheinen. Naturformen, auch das
Wechselspiel von Wachsen und Sterben wie im
Relief «Pflanzenhammern oder der «Grablegung)» hat
Arp als Symbole des Lebendigen seit seinen «Ent-
deckungen) in Ascona bis an sein Lebensende in
unzähligen Variationen abgewandelt. Seine
berühmte Definition aus den «Notes from a Dada
Diary» (1932) «Kunst ist eine Frucht, welche im Men-
schen wächst wie die Frucht aus der Pflanze», oder
seine Hans Richter gegebene Antwort: «Was willst
du? Es wächst mir wie die Fussnägel. Ich muss es
abschneiden, und es wächst mir dann immer wieder
nach), verweisen auf sein vegetabilisches Lebensge-
‘ühl als Quelle seines Schaffens und als gemein-
samer Nährboden seiner gesamten Bildwelt.'9 «Ich
liebe die Natur, aber nicht ihren Ersatz), diese
Maxime hat Arp weit vom Naturvorbild in die
Abstraktion versetzt, um dort die Bildsymbole ihrer
inneren Wesenskräfte zu gestalten. Das Prinzip der
Montage, die Wahl des «unpersönlichen» Materials,
‚or allem aber auch die jedes Naturvorbild abwei-
sende <«kubistische» Farbwahl und der anonyme»
Farbauftrag, der spannende Kontrast von homo-
genen Farbflächen zu ihrer organischen Begrenzung
wie zu den silbernen Spritzern, die das Zufällige und
gleichfalls «Unpersönliche», vielleicht Kosmische ver-