reihen bilden die Vertreter des holländischen
‘De Stijb, allen voran Piet Mondrian und Theo van
Doesburg, dazu Georges Vantongerloo und Friedrich
Vordemberge-Gildewart. In dieser Sicht musste das
vollständige Fehlen von Theo van Doesburg in der
Sammlung als besonderer Mangel empfunden
erden.
Das bisherige Fehlen von Theo van Doesburg im
Kunsthaus war noch aus einem andern Grund ein
Jedauerliches Manko: Als Max Bill 1936 erstmals
die Prinzipien der «konkreten kunst)» definierte und
diese überzeugend gegen die <cabstrakte Kunst)
abgrenzte, konnte er sich auf einen Text von Theo
van Doesburg stützen, der schon 1930 von «konkre:
;er Kunst» gesprochen und diesen Begriff in die
Kunstgeschichte eingeführt hatte (<art concret,,
erschienen In der ersten und einzigen Nummer der
Zeitschrift cart concreb, April 1930).
Ein erster bedeutender Schritt zur Behebung dieses
Mangels ist von der Vereinigung Zürcher Kunst-
ireunde 1984 mit dem Ankauf der Gouache «Kom-
position V», 1918, von Theo van Doesburg getan
worden. Gewiss kann ein einzelnes Werk einen
Künstler in einem Sammlungszusammenhang nie-
mals umfassend dokumentieren, am wenigsten eine
so aktive und experimentierfreudige Persönlichkeit
wie Theo van Doesburg. Dieser Einwand gilt auch
für die neuerworbene Gouache von 1918. Wie die im
Rahmen der Neuhängung der Sammlung vorgenom-
mene Integration des Werkes in die Gruppe kon-
struktiver Kunst aber zeigt, vermag die orthogonale
Komposition die «Stijb-Gruppe entscheidend zu stär-
ken.
Die «Komposition V» ist sowohl auf zahlreichen
Einzelausstellungen van Doesburgs wie auch auf
Saruppenausstellungen von <«De Stijl in Europa und
Amerika gezeigt und mehrfach abgebildet worden.
Wir kennen im übrigen auch die Zweckbestimmung
des Werkes genau.
Im Rahmen seiner Bemühungen um eine intensive
Zusammenarbeit zwischen Maler und Architekt
hatte van Doesburg bereits 1916 begonnen, Ent-
würfe für farbige Raumgestaltungen in Bauten seine
Freunde J.J.P. Oud und Jan Wils zu schaffen. Die
erste grössere Arbeit dieser Art, ein Glasfenster-
Triptychon für das Haus des Notars De Lange in Alk
maar, erbaut durch Jan Wils, entstand 1917. Sie lei-
tet die Beschäftigung van Doesburgs mit den Mög-
lichkeiten der Glasmalerei ein.
Zwischen seinen Glasfenster-Entwürfen - mit der
von der Technik her gegebenen Bleifassung der ein-
zelnen farbigen Gläser - und den gleichzeitigen
Bildern, in denen die Farbfelder ebenfalls kräftig
konturiert, Ja in eigentliche Gitterungen gelegt sind
besteht unzweifelhaft ein enger stilistischer Zusam:
menhang. Wie weit die Arbeit an solchen Glas-
fenstern die freie Bildgestaltung beeinflusst hat,
bedürfte einer exakten Untersuchung. Ebenfalls
nicht von der Hand zu weisen ist der Einfluss der
Tür-OblichtVerglasungen bei Wohnhäusern aus de:
Stilperiode des von Hendrik Berlage geprägten
geometrischen Jugendstils in Holland, dem zweifel-
los auch Mondrian Anregungen verdankt.
Eine zweite architekturbezogene Arbeit van Does-
burgs galt, 1918, der Innenraum-Gestaltung eines
von J.J.P. Oud erbauten Ferienhauses in Nordwijker
houd. Hier fertigte van Doesburg mehrere (aus-
geführte) Entwürfe für farbige Keramikfliesenböden
sowie für Glasfenster. Die dritte Aufgabe galt der
Villa Allegonda in Katwijk, einem bemerkenswerten
aus verschachtelten Kuben komponierten Bau von
M. Kammerlingh Onnes und J.J.P. OQud.
Für diese Villa schuf van Doesburg zwischen 1917
und 1918 mindestens zwei Glasfenster-Entwürfe. Sie
wurden 1918 durch die Kunstglaserei Vennotschap
Crabeth in Den Haag ausgeführt. Eines der aus-
geführten Glasfenster hat sich erhalten und befinde:
sich als Leihgabe der Stichting Buyko im Stedelijk
Museum Amsterdam. Der Entwurf zu diesem Glas-
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