Ausstellungen
Ausstellungen im grossen Ausstellungssaal
Francis Picabia
Nachdem das Kunsthaus 1980 für seine Dada-
Sammlung mit «Cure-dents> (1924/25) ein Haupt-
werk von Francis Picabia hatte erwerben können,
lag es nahe, diesen in der Schweiz noch nie umfas
send gezeigten und deshalb breiten Kreisen unbe-
kannten Künstler einmal mit einer Retrospektive
vorzustellen. Zürich war die mittlere Station einer
Tournee, die in der Kunsthalle Düsseldorf startete
und im Moderna Museet Stockholm endete. Francis
Picabia (1879-1953) war nach impressionistischen
und kubistischen Jugendwerken ein Hauptvertreter
des Dadaismus, Ja dank seiner Kuriertätigkeit
zwischen New York, Barcelona, Zürich und Paris so
etwas wie die Inkarnation des dadaistischen Interna-
tionalismus. Sein künstlerischer Beitrag zu Dada, in
Zürich mit einer Reihe von zwischen 1915 und 1925
entstandenen Hauptwerken vorzüglich dokumentiert,
besteht in der Formulierung eines «Maschinen-Stils».
in dem das Formenvokabular der Technik mit dem
Gefühlsleben des modernen Menschen gepaart ist.
Dieser nun auch schon der «klassischen Moderne»
einverleibte Picabia war entsprechend «abgeklärt,
präsentiert - die nachfolgenden Werkgruppen der
«Monstres», «Transparences>) und der sogenannten
Kitschbilder hingegen mit vielen Durchblicken in ein
spielerisches Ensemble aufgefächert. Diese Rück-
kehr zu einer extremen Figuration, der unbeschwerte
Umgang mit der Kunstgeschichte, die Parodie von
Avantgarde und Stilkunst stiessen auf Unverständnis
und Ablehnung von Weggefährten und Zeitgenos-
sen. Erst aus der Distanz unserer Tage und mit den
Augen der Gegenwartskunst (wie Polke) erscheint
dieses vom «klassischen» Picabia bislang amputierte
Werk in einem neuen Licht: als Fortsetzung dadaisti-
scher Kunst-Verweigerung mit anderen Mitteln. In
einem dritten Teil war schliesslich eine letzte Werk-
gruppe zu sehen, mit der sich Picabia nach Kriegs-
ende dem Informel näherte. Es war Absicht und
sicher auch Verdienst der Ausstellung, den «ganzen,»
Picabia gezeigt zu haben, wenn auch Publikum wie
Presse den augenzwinkernden Esprit eines Tausend-
sassas nicht sonderlich goutierten.
Sıgmar Polke
Eine glückliche Fügung in der Planung der Haupt-
ausstellungen ermöglichte es, die Übersicht zum
Werk Sigmar Polkes im Anschluss an die grosse
Ausstellung Francis Picabias zu zeigen, dem der
deutsche Künstler in einiger Hinsicht verpflichtet ist:
Ästhetik des Alltags, die einher geht mit der Attitüde
der Kunst-Verweigerung, die Parodierung von Stil-
kunst und Avantgarde prägen über weite Strecken
das Werk beider Künstler und führen sogar zu ver-
gleichbaren formalen Lösungen, etwa da, wo sie mit
mehrfach sich überlagernden Transparence-Formen
arbeiten.
Wie der in den Monaten vor Picabias Werkschau
vorgestellte Jörg Immendorff entstammt auch Polke
siner richtungsweisenden Akademie der sechziger
Jahre, nämlich Düsseldorf, jener Schule also, deren
Absolventen nachhaltig durch die Lehrtätigkeit von
Joseph Beuvs geprägt worden sind.
Die Ausstellung zeigte in - mehr oder weniger lok-
<er gehandhabter - chronologischer Abfolge die
langjährige künstlerische Entwicklung Polkes mit
rund 160 Bildern und Objekten aus den Jahren 1962
bis 1983; angefangen beim <«Kapitalistischen Realis-
mus» (wie der gemeinsam mit Jörg Immendorff und
Konrad Fischer-Lueg gefundene, ironisch die west-