Kaspar Linder zeigte seinen neuesten Werkzyklus,
der wie die vorangegangenen um den «Ort der
Vergänglichkeit) kreist. Er geht das Medium Photo-
graphie, das ja vorzugsweise Vergänglichkeit
konserviert, ganz materiell an, indem er seine gross
formatigen Selbstdarstellungen mit Abdeckfarbe
wieder «zum Verschwinden) bringt. Während für
Staub das photographische Dokument und dessen
Funktion nie in Frage gestellt war, stellen Linders
Serien die Existenzberechtigung der Photographie
unmittelbar zur Diskussion, indem sie ihre gemeinhin
wichtigste Aufgabe <auslöschen)
Ausstellung in der Sammlung
Les voyages secrets de Gustave Courbet —
Unbekannte Reiseskizzen
Zusammen mit den Zeichnungen Seurats konnte
von der Kunsthalle Baden-Baden auch eine um-
fangreiche Gruppe von Skizzenblättern Courbets
übernommen werden, die der Leonardo-Ausstellung
im ersten Obergeschoss des Erweiterungsbaues von
1976 folgte. Wie Klaus Herding bei der Eröffnung
und in dem umfangreichen wissenschaftlichen Kata-
log darlegte, erschliessen diese neu entdeckten
Landschaftsstudien ein faszinierendes, bisher unbe-
kanntes Kapitel der Kunst Courbets und zugleich der
Geschichte der französischen Zeichnung im 19.
Jahrhundert.
kriege entstanden, enthielt der Künstler selber der
Öffentlichkeit vor. Die Ausstellung folgte dieser
thematischen Trennung, indem im ersten Stock die
sattfarbigen, kleinformatigen «Rüeggli» des Früh-
werks und die repräsentativen Landschaften der
dreissiger Jahre versammelt waren, im Ober-
geschoss hingegen die Visionen von Bedrohung und
Jntergang. Dieses Konzept machte die Ambivalenz
von Geborgenheit und Zerstörung sichtbar, welche
Rüeggs Bildwelt nach Jahren der Nichtbeachtung
wieder wichtig erscheinen lässt. Ausführliche Kata-
logbeiträge wiesen auf die Verwandtschaft zu den
neusachlichen Malern seiner Zeit hin, zu Adolf Die-
trich und Otto Meyer-Amden, und machten Bezie-
nungen zu schweizerischen Surrealisten wie Otto
Abt, Walter Kurt Wiemken oder Walter Moeschlin
sichtbar. Einerseits wurde es so möglich, Rüeggs
Nerk, das durch unsere Veranstaltung erfreulicher-
weise an Gewichtigkeit gewonnen hat, im Kontext
der Schweizer Kunstgeschichte neu zu situieren, an-
dererseits belegten Gespräche und Besprechungen,
dass viele seiner Bilder und Radierungen auch auf
den heutigen Betrachter eine eindringliche und
beunruhigende Wirkung haben.
-B/UP/GM/TS/ChK
Ausstellung im Helmhaus
Ernst Georg Rüegg
Die letzte grössere Ausstellung des Schaffens von
Ernst Georg Rüegg (1883-1948) hatte 1950 im
Kunsthaus Zürich stattgefunden - eine Neubewer-
tung schien an der Zeit. Für viele gilt er als der
Maler des Zürcher Unterlandes — die phantastischen
Allegorien, die vor allem während der beiden Welt-