Volltext: Jahresbericht 1984 (1984)

Kaspar Linder zeigte seinen neuesten Werkzyklus, 
der wie die vorangegangenen um den «Ort der 
Vergänglichkeit) kreist. Er geht das Medium Photo- 
graphie, das ja vorzugsweise Vergänglichkeit 
konserviert, ganz materiell an, indem er seine gross 
formatigen Selbstdarstellungen mit Abdeckfarbe 
wieder «zum Verschwinden) bringt. Während für 
Staub das photographische Dokument und dessen 
Funktion nie in Frage gestellt war, stellen Linders 
Serien die Existenzberechtigung der Photographie 
unmittelbar zur Diskussion, indem sie ihre gemeinhin 
wichtigste Aufgabe <auslöschen) 
Ausstellung in der Sammlung 
Les voyages secrets de Gustave Courbet — 
Unbekannte Reiseskizzen 
Zusammen mit den Zeichnungen Seurats konnte 
von der Kunsthalle Baden-Baden auch eine um- 
fangreiche Gruppe von Skizzenblättern Courbets 
übernommen werden, die der Leonardo-Ausstellung 
im ersten Obergeschoss des Erweiterungsbaues von 
1976 folgte. Wie Klaus Herding bei der Eröffnung 
und in dem umfangreichen wissenschaftlichen Kata- 
log darlegte, erschliessen diese neu entdeckten 
Landschaftsstudien ein faszinierendes, bisher unbe- 
kanntes Kapitel der Kunst Courbets und zugleich der 
Geschichte der französischen Zeichnung im 19. 
Jahrhundert. 
kriege entstanden, enthielt der Künstler selber der 
Öffentlichkeit vor. Die Ausstellung folgte dieser 
thematischen Trennung, indem im ersten Stock die 
sattfarbigen, kleinformatigen «Rüeggli» des Früh- 
werks und die repräsentativen Landschaften der 
dreissiger Jahre versammelt waren, im Ober- 
geschoss hingegen die Visionen von Bedrohung und 
Jntergang. Dieses Konzept machte die Ambivalenz 
von Geborgenheit und Zerstörung sichtbar, welche 
Rüeggs Bildwelt nach Jahren der Nichtbeachtung 
wieder wichtig erscheinen lässt. Ausführliche Kata- 
logbeiträge wiesen auf die Verwandtschaft zu den 
neusachlichen Malern seiner Zeit hin, zu Adolf Die- 
trich und Otto Meyer-Amden, und machten Bezie- 
nungen zu schweizerischen Surrealisten wie Otto 
Abt, Walter Kurt Wiemken oder Walter Moeschlin 
sichtbar. Einerseits wurde es so möglich, Rüeggs 
Nerk, das durch unsere Veranstaltung erfreulicher- 
weise an Gewichtigkeit gewonnen hat, im Kontext 
der Schweizer Kunstgeschichte neu zu situieren, an- 
dererseits belegten Gespräche und Besprechungen, 
dass viele seiner Bilder und Radierungen auch auf 
den heutigen Betrachter eine eindringliche und 
beunruhigende Wirkung haben. 
-B/UP/GM/TS/ChK 
Ausstellung im Helmhaus 
Ernst Georg Rüegg 
Die letzte grössere Ausstellung des Schaffens von 
Ernst Georg Rüegg (1883-1948) hatte 1950 im 
Kunsthaus Zürich stattgefunden - eine Neubewer- 
tung schien an der Zeit. Für viele gilt er als der 
Maler des Zürcher Unterlandes — die phantastischen 
Allegorien, die vor allem während der beiden Welt-
	        
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