Restaurierung
Da drei Hauptausstellungen - Picabia, Kandinsky,
Nigeria - von anderen Museen übernommen wer-
den konnten, reduzierte sich der Arbeitsaufwand für
die Vorbereitung und Betreuung etwas. Zwar bedeu-
tet auch die Übernahme viel Arbeit, doch sind
gewisse Probleme - Untersuchung des allgemeinen
Zustandes, Verpackung und Transport usw. - schon
gelöst.
Die beiden Ausstellungen Jörg Immendorff und
Sigmar Polke führten uns in diesem Jahr zweimal
mit zeitgenössischen Malern zusammen. Der direkte
Kontakt mit einem Künstler gibt uns jeweils einen
guten Einblick in dessen Schaffensprozess. Dabei
treten auch Fragen der Erhaltung und Konservierung
auf, zu denen die Künstler Stellung zu beziehen
haben. So hinterlassen diese Begegnungen nicht
selten nachhaltige Spuren auf beiden Seiten.
Bei Sigmar Polke beschäftigten uns die grossforma-
gen, aus verschiedenen industriellen Textilien zu-
sammengenähten und übermalten Bilder. Diese sehr
unterschiedlich reagierenden Stoffe, aufgezogen auf
wackligen, unstabilen Dachlattengestellen, neigen zu
starkem Verziehen. Das Gewebe und die Bemalung
werden dadurch enorm strapaziert, und letztere
neigt zu Abhebungen. Hier galt es, Farben, Lacke
und Lackkörner zu fixieren.
Järg Immendorff arbeitet traditioneller; allerdings
strapaziert der dicke Auftrag der Ölfarbe die dünnen
Baumwollgewebe der grossformatigen Bilder. Be-
sondere Massnahmen erforderten Transport und
Aufstellung des «Brandenburger Tores>; dank seiner
stattlichen Abmessungen von 330x 480x170 cm
liess es sich nur durch die Fenster, die eigens aus:
gehängt werden mussten, und mittels zweier Kran
wagen in den Saal befördern.
Von den zahlreichen, im Berichtsjahr behandelten
Objekten der Sammlung ist als besonders problema
tisch Otto Meyer-Amdens «Gärtnerbild» hervorzu-
heben, das 1911 entstanden und im Vorjahr durch die
Gottfried Keller-Stiftung erworben wurde. Die subtile
Behandlung des Materials spielt bei diesem farblich
sehr fein abgestuften Werk eine besondere Rolle.
Beim Auftragen der Ölfarbe blieben einige Stellen
des Trägerpapiers unbedeckt und sprechen in der
Gestaltung mit. Leider wählte der Künstler ein quali
tativ schlechtes Papier, welches er zur Verstärkung
mit Hautleim auf einen Holzkarton aufzog. Durch die
Alterung wurden der Leim und damit auch das
Papier spröde; es bekam Risse und wurde an den
unbehandelten Stellen bräunlich, was das Erschei-
nungsbild beeinträchtigt.
Ziel der Restaurierung war, das Blatt in einen erfreu:
licheren Zustand zurückzuversetzen. Die besondern
Probleme des Bildträgers Papier liessen uns den Zu
zug einer erprobten Papierspezialistin, Frau A. Bürki,
Bern, als sinnvoll erscheinen. Unter zusätzlicher Kon
taktnahme mit Spezialisten wie Frau J. Hofenk de
Graf, Amsterdam, Frau M. Lobisch, München, und
Herrn O. Wächter, Wien, konnte Schritt für Schritt
ein Weg gefunden werden, wie das Blatt in einen
stabileren Zustand zu bringen sei. Die Arbeiten wur
den entsprechend interdisziplinär ausgeführt; für
den Träger zeichneten Frau A. Bürki, für die Malerei
unser Atelier verantwortlich. Das Papier wurde sorg
fältig vom Trägerkarton abgelöst und die Leimrück-
stände auf der Rückseite so weit als möglich ent-
fernt. Gleichzeitig musste die delikate Farbschicht
gefestigt werden. Nach behutsamem Planieren una
dem Verkleben der Risse konnte das Werk ohne
weitere Verstärkung der Rückseite wie ein graphi-
sches Blatt montiert werden. Nach einigen Retu-
schen präsentiert sich das Bild als schöner und
wichtiger Schwerpunkt in unserer Sammlung.
PP/HpM/SSp