Volltext: Jahresbericht 1984 (1984)

Restaurierung 
Da drei Hauptausstellungen - Picabia, Kandinsky, 
Nigeria - von anderen Museen übernommen wer- 
den konnten, reduzierte sich der Arbeitsaufwand für 
die Vorbereitung und Betreuung etwas. Zwar bedeu- 
tet auch die Übernahme viel Arbeit, doch sind 
gewisse Probleme - Untersuchung des allgemeinen 
Zustandes, Verpackung und Transport usw. - schon 
gelöst. 
Die beiden Ausstellungen Jörg Immendorff und 
Sigmar Polke führten uns in diesem Jahr zweimal 
mit zeitgenössischen Malern zusammen. Der direkte 
Kontakt mit einem Künstler gibt uns jeweils einen 
guten Einblick in dessen Schaffensprozess. Dabei 
treten auch Fragen der Erhaltung und Konservierung 
auf, zu denen die Künstler Stellung zu beziehen 
haben. So hinterlassen diese Begegnungen nicht 
selten nachhaltige Spuren auf beiden Seiten. 
Bei Sigmar Polke beschäftigten uns die grossforma- 
gen, aus verschiedenen industriellen Textilien zu- 
sammengenähten und übermalten Bilder. Diese sehr 
unterschiedlich reagierenden Stoffe, aufgezogen auf 
wackligen, unstabilen Dachlattengestellen, neigen zu 
starkem Verziehen. Das Gewebe und die Bemalung 
werden dadurch enorm strapaziert, und letztere 
neigt zu Abhebungen. Hier galt es, Farben, Lacke 
und Lackkörner zu fixieren. 
Järg Immendorff arbeitet traditioneller; allerdings 
strapaziert der dicke Auftrag der Ölfarbe die dünnen 
Baumwollgewebe der grossformatigen Bilder. Be- 
sondere Massnahmen erforderten Transport und 
Aufstellung des «Brandenburger Tores>; dank seiner 
stattlichen Abmessungen von 330x 480x170 cm 
liess es sich nur durch die Fenster, die eigens aus: 
gehängt werden mussten, und mittels zweier Kran 
wagen in den Saal befördern. 
Von den zahlreichen, im Berichtsjahr behandelten 
Objekten der Sammlung ist als besonders problema 
tisch Otto Meyer-Amdens «Gärtnerbild» hervorzu- 
heben, das 1911 entstanden und im Vorjahr durch die 
Gottfried Keller-Stiftung erworben wurde. Die subtile 
Behandlung des Materials spielt bei diesem farblich 
sehr fein abgestuften Werk eine besondere Rolle. 
Beim Auftragen der Ölfarbe blieben einige Stellen 
des Trägerpapiers unbedeckt und sprechen in der 
Gestaltung mit. Leider wählte der Künstler ein quali 
tativ schlechtes Papier, welches er zur Verstärkung 
mit Hautleim auf einen Holzkarton aufzog. Durch die 
Alterung wurden der Leim und damit auch das 
Papier spröde; es bekam Risse und wurde an den 
unbehandelten Stellen bräunlich, was das Erschei- 
nungsbild beeinträchtigt. 
Ziel der Restaurierung war, das Blatt in einen erfreu: 
licheren Zustand zurückzuversetzen. Die besondern 
Probleme des Bildträgers Papier liessen uns den Zu 
zug einer erprobten Papierspezialistin, Frau A. Bürki, 
Bern, als sinnvoll erscheinen. Unter zusätzlicher Kon 
taktnahme mit Spezialisten wie Frau J. Hofenk de 
Graf, Amsterdam, Frau M. Lobisch, München, und 
Herrn O. Wächter, Wien, konnte Schritt für Schritt 
ein Weg gefunden werden, wie das Blatt in einen 
stabileren Zustand zu bringen sei. Die Arbeiten wur 
den entsprechend interdisziplinär ausgeführt; für 
den Träger zeichneten Frau A. Bürki, für die Malerei 
unser Atelier verantwortlich. Das Papier wurde sorg 
fältig vom Trägerkarton abgelöst und die Leimrück- 
stände auf der Rückseite so weit als möglich ent- 
fernt. Gleichzeitig musste die delikate Farbschicht 
gefestigt werden. Nach behutsamem Planieren una 
dem Verkleben der Risse konnte das Werk ohne 
weitere Verstärkung der Rückseite wie ein graphi- 
sches Blatt montiert werden. Nach einigen Retu- 
schen präsentiert sich das Bild als schöner und 
wichtiger Schwerpunkt in unserer Sammlung. 
PP/HpM/SSp
	        
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