Volltext: Jahresbericht 1984 (1984)

Bereits in den beiden letzten Jahresberichten war 
die Rede von unseren Bestrebungen, die geome- 
trisch-konstruktive Kunst deutlicher zur Darstellung 
zu bringen. Nachdem diesbezügliche Initiativen län- 
gere Zeit nur stockend vorangetrieben werden konn- 
ten, brachte das Jahr 1984 substantiellen Zuwachs. 
Auch zu diesem Erfolg haben Schenkungen Ent- 
scheidendes beigetragen. Anton Stankowski, der, 
1906 geboren, zur zweiten Generation der Konstruk- 
tivisten gehört und von 1929 bis 1937 in Zürich 
gelebt hat, hat 8 Bilder aus der Zeitspanne von 1931 
bis 1984 und 25 Zeichnungen, Temperablätter und 
Collagen geschenkt. Stankowskis Beitrag zum Kon- 
struktivismus ist von undogmatischer Frische, wobei 
aus seinen Bilderfindungen stets auch die inspirie- 
rende Wirkung auf die praxisorientierte funktionelle 
Gestaltung deutlich wird, die den Künstler als Leiter 
einer erfolgreichen Werbeagentur stets beschäftigt 
hat. 
Der kürzlich verstorbene Zürcher Maler Robert 
S. Gessner hat in seinem Testament bestimmt, dass 
das Kunsthaus eine Reihe von Bildern und Zeichnun- 
gen aus seinem Nachlass aussuchen darf. In über- 
aus angenehmer Zusammenarbeit mit der Gattin des 
Künstlers, Frau Selma Gessner, hat die Direktion eine 
Werkgruppe von 6 Bildern und 17 Zeichnungen zu- 
sammengestellt, die die künstlerische Entwicklung 
und die zarte Geometrie dieses modernen <«Kleinmei- 
sters) von 1924 bis 1975 dokumentiert. 
Der im Dezember 1983 vom Gemeinderat der Stadt 
Zürich endgültig sanktionierte Fonds für die geome- 
trisch-konstruktive Kunst konnte im Berichtsjahr 
erstmals für Erwerbungen genutzt werden. Der ge- 
wichtigste Ankauf galt einem Bild von Richard Paul 
Lohse aus den Jahren 1949 bis 1956, «Reihenele- 
mente zu rhythmischen Gruppen konzentriert) - ein 
Werk, das eine Stilstufe des Künstlers vertritt, die 
bislang im Kunsthaus nicht vertreten war und die 
zwischen dem recht atypischen Frühwerk von 1942 
und den reifen Bildern der 60er und 70er Jahre ver- 
mittelt, deren erste Bildidee allerdings auch bereits 
1950 entwickelt worden war. Die vom Vorstand für 
die Verwendung des «Konstruktiven-Fonds» einge- 
setzte Kommission (Dr. J.P. Bruderer, Dr. W. Rotzler, 
Dr. F Baumann) hat beschlossen, mit den zur Verfü- 
gung stehenden Mitteln ausschliesslich Werke von 
Schweizern oder mit unserem Lande freundschaft- 
lich verbundenen Künstlern zu erwerben. Verhand- 
lungen mit weiteren Künstlern sind zur Zeit im 
Gange: über die Resultate hoffen wir im nächsten 
Jahresbericht Rechenschaft abzulegen. 
Den kostbarsten Beitrag zur konstruktiven Kunst hat 
allerdings die Vereinigung Zürcher Kunstfreunde mit 
Theo van Doesburgs Entwurf für ein Glasfenster, 
:Komposition V» von 1918, beigesteuert. Der einstim: 
mige Beschluss für den Erwerb dieses Werkes 
anlässlich der Generalversammlung beweist, dass 
der Wunsch, diese für Zürich so signifikante Kunst- 
richtung in der Sammlung stärker zu verankern, von 
weiten Kreisen getragen wird. 
Da die Vereinigung Zürcher Kunstfreunde bereits zu 
Zeginn des Jahres ein frühes Hauptwerk von Pierre 
Bonnard erwerben konnte, kann auch in bezug auf 
die Aktivität der Gönnervereinigung dankbar von 
einem aussergewöhnlichen Jahr gesprochen wer- 
den. Wobei betont werden muss, dass Frau Lily 
Gamper durch einen grossherzigen Beitrag die 
Erwerbung der vier Panneaux «Femmes au jardim 
wesentlich gefördert hat; gerne erfüllen wir den 
Wunsch der Schenkgeberin, auf der Beschriftung zu 
vermerken: «Erworben mit einem Beitrag zur Erinne- 
rung an Ernst Gamper.)» 
Aber auch die Ankäufe oder besser gesagt Ankaufs 
absichten der Kunstgesellschaft hätten sich ohne 
mäzenatische Unterstützung nicht verwirklichen 
lassen. Seit unseren Bestrebungen, in Zürich eine 
repräsentative Vertretung der Dada-Bewegung zu 
vereinen, war uns das Fehlen eines Reliefs von Hans 
Arp, d.h. des in künstlerischer Hinsicht wohl wich- 
tigsten Beitrages der Zürcher Gruppe, schmerzlich
	        
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