Volltext: Jahresbericht 1985 (1985)

Eine wichtige Rolle spielte die Zeichnung hingegen 
stets in der Auseinandersetzung Chagalls mit dem 
Theater, wobei die um 1920 entstandenen Studien für 
Wandbilder und Ausstattungen für das Jüdische 
Theater in Moskau zu den eindrücklichsten und am 
straffsten stilisierten Zeichnungen gehören, die der 
<ünstler geschaffen hat. 
In scharfem Gegensatz zu diesen vorwiegend auf prä- 
zisen Helldunkel-Kontrasten aufgebauten Zeichnunger 
stehen mehr oder weniger gleichzeitige, intimere Blät- 
ter, die Chagalls Familie und den Freundeskreis dar: 
stellen. Diese Werkgruppe, zu der auch zahlreiche 
aach 1923 einsetzende Reiseskizzen gehören, sind 
dem privateren Charakter der Darstellung entspre- 
chend weit weniger von einem markanten Stilwollen 
geprägt als etwa die Arbeiten fürs Theater. 
Eine überraschende Reihe von sehr grossformatigen 
lavierten Tuschzeichnungen (100 x 150 cm) bildete den 
Abschluss der Ausstellung; erstaunlich, dass der weit 
über 90jährige Künstler in seinen letzten Werken die 
Farbe, die ja während über sieben Dezennien Haupt- 
träger seiner Visionen war, aufgegeben hat zugunsten 
ainer differenziert gestuften Grauskala. 
-B/UP/HS/GM/TS
	        
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