Full text: Jahresbericht 1986 (1986)

nicht zwangsläufig die entsprechenden Besucher- 
zahlen nach sich zieht: mit insgesamt rund 50 000 
Besuchern blieben die Eintrittszahlen trotz der beste 
henden Informationslücke und der allseitig hervor- 
gehobenen Qualität der Ausstellung unter dem 
Erwarteten. 
Obwohl sich zahlreiche deutsche Partnerinstitutionen 
um eine Übernahme der Zürcher Ausstellung bemüht 
hatten, konnte die Retrospektive Gustave Moreau 
lediglich an einer weiteren Stelle gezeigt werden: das 
Museum Villa Stuck in München übernahm die Zürcher 
Fassung in reduzierter Form vom 20. Juni bis 14. Sep- 
tember 1986 in seine Ausstellungsräume. 
Der Katalog, der in Zusammenarbeit mit Pierre-Louis 
Mathieu (Paris), dem besten Kenner des Werkes 
von Gustave Moreau, entstanden ist, darf inzwischen 
als Standardwerk angesehen werden. 
Markus Raetz — Arbeiten 1962-1986 
Über Jahre hinweg hat das Kunsthaus im grossen 
Ausstellungssaal Einzelausstellungen mit anerkannten 
zeitgenössischen Schweizer Künstlern veranstaltet; 
so u. a. mit Bernhard Luginbühl, Rolf Iseli, Franz Gertsch 
und Jean Tinguely. Im Frühsommer 1986 richtete es 
hier für den «bekannten Unbekannten», wie der Schwei- 
zer Künstler Markus Raetz vor einiger Zeit noch be- 
zeichnet worden war, die erste «Retrospektive; ein, 
nachdem vor rund zehn Jahren die sich auf einen ge- 
schlossenen Werkkomplex konzentrierenden «Arbeiten 
aus einem Monat und einer Nacht» - Amsterdam 
Frühjahr 1973 — in bedeutend kleinerem Rahmen ge- 
zeiat werden konnten. 
Die nunmehr gegen 500 Katalognummern umfas- 
sende Ausstellung präsentierte vor allem Arbeiten aus 
den Jahren 1970-1985, wobei bestimmte Tendenzen, 
die sich als eine Art von «Konstanten» im Werke Markus 
Raetz’ erwiesen, bis in die frühen sechziger Jahre zu- 
rückverfolagt werden sollten. Sein Schaffen vom «Heute» 
aus aufrollend, empfing sie den Betrachter im vorder- 
sten Teil des Saales mit dem Jüngsten Werk, einer 
raumgreifenden anamorphotischen Installation, die de: 
Künstler eigens für die Eingangssituation konzipiert 
hatte, um danach schrittweise zum Saalende hin in des 
sen eigene Vergangenheit) vorzustossen: bis hin zu 
frühen Kissenbildern, farbigen Reliefs und den «Wim- 
melzeichnungen,, die in der Zeit von 1962 bis 1968 ent 
standen waren. Hier angelangt, erschloss sich dem 
Besucher das Werk von Markus Raetz beim «Zurück- 
gehen in mehr oder weniger chronologischer Abfolge 
Ziel dieser Ausstellung war dabei, neben dem selbst- 
verständlichen Bestreben, repräsentative und im Kon- 
text wichtige Einzelwerke sowie ganze Werkgruppen zı 
versammeln, - die gleichsam nur die Spitze des sprich: 
wörtlichen <«Eisberges» aus hunderten und tausenden 
von zumeist kleinformatigen Arbeiten darstellen —, mit 
einer Art von «Längsschnitter inhaltliche und formale 
Elemente aufzuzeigen, die gleichsam als wiederkeh- 
rende Themen) das gesamte Schaffen des Künstlers 
charakterisieren. 
Es sind dies Elemente eines steten Zeichen- und 
Bilderflusses mit sich aufeinander beziehenden und 
wechselseitig durchdringenden Strömungen, der 
vor allem seit Ende der sechziger Jahre (mit konzep- 
tuellen Arbeiten, Bild-Wort-Beziehungen, Variationen 
zum <Fliegen», zu «Schnellen Sujets», der vielfältigen 
und vieldeutigen Serie der <«Eva-Figuren», mythischen 
und magischen Landschaften usw.) zwischen den 
Polen Bewegung und Veränderung entsprungen ist. 
Der Aufbau der Ausstellung konnte den zahlreichen 
inhaltlichen und formalen Bezügen im Werk von Markus 
Raetz gerecht werden, indem vier Hauptachsen längs 
durch den Saal führten und parallele seitliche Verbin- 
dungen zu acht ausgegliederten Kojen wiesen, in dener 
sich jene Arbeiten untergebracht fanden, die nach 
dem intimeren Rahmen verlangten. Bewusst gesuchte 
Blickbeziehungen liessen so grossräumige Verknüp- 
fungen zu, die formale Zusammenhänge gleichsam 
über die Jahre hinweg erfahrbar machten, während die
	        
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