Volltext: Jahresbericht 1986 (1986)

Johann Heinrich Füssli Zeichnungen 
Erstmals seit der grossen Füssli-Ausstellung von 1969 
wurde aus dem sehr umfangreichen Bestand seiner 
Zeichnungen in der Graphischen Sammlung eine reprä 
sentative Auswahl getroffen, die die meisten erst- 
rangigen Blätter einschloss und zugleich einen umfas- 
senden Einblick in die verschiedenen Aspekte seiner 
Kunst zu geben suchte. Zwei einleitende Gruppen ver- 
deutlichten einerseits die frühe stilistische Entwicklung 
und Füsslis äusseren Werdegang, andrerseits seine 
hauptsächlichsten Gestaltungsmittel; der Hauptteil der 
Ausstellung war thematisch geordnet. Der dazu ver- 
öffentlichte Katalog soll zugleich als Sammlungsheft 
eine Publikation zu diesem Schwerpunkt unserer 
Sammlung greifbar machen. 
Johann Robert Schürch 
Rund siebzig Tuschzeichnungen und Aquarelle behaup- 
teten sich in der Nachbarschaft von Oskar Kokoschka 
als eigenwilliger Ausdruck eines noch immer verkann- 
ten Schweizer Künstlers, dessen Wurzeln im Expressio- 
nismus liegen, der aber gerade in den tagebucharti- 
gen, spontan formulierten Skizzen der späten zwanziger 
und frühen dreissiger Jahre eine visionäre Kraft ge- 
wann. Neben drei Gemälden und 23 bereits 1942 vom 
Sammler Kurt Sponagel geschenkten, vornehmlich 
veristischen) Blättern aus eigenen Beständen durften 
wir aus dem Nachlass 10 Aquarelle und 20 Tuschzeich- 
nungen als Geschenk entgegennehmen. Mit einer 
knappen Auswahl von Leihgaben liess sich somit das 
Werk Schürchs in einer konzentrierten, intensiven Aus- 
wahl erleben, in der dem gängigen Schürch-Bild neue 
Dimensionen erschlossen wurden. Mit dem Samm- 
ungsheft 13, der bislang umfangreichsten Schürch- 
Publikation, wurde erneut auf die Bedeutung dieses 
Künstlers für die Schweizer Kunst nach Hodlier hin- 
Jewiesen, was durch viele Kunstfreunde und ausführ- 
IChe Presse-Rezensionen eine erfreuliche Bestätigung 
fand. 
Felix Droese — Farbige Blätter (die von mir abgefallen) 
Der Düsseldorfer Künstler Felix Droese, der einer 
breiteren Öffentlichkeit durch seine monumentalen 
Papierschnitte bekannt geworden ist, zeigte Im Graphi- 
schen Kabinett «farbige Blätter» aus den Jahren 1980 
bis 1985, die direkt aus dem Atelier des Künstlers 
stammten. Der Ausdruck dieser Werke wird wesentlich 
von der besonderen, neuartigen Farbigkeit bestimmt, 
die In ihrer erdigen Gebrochenheit etwas von Vergäng- 
lichkeit und Schutzlosigkeit hat, auf das die Besucher 
emotionell reagierten. Die Arbeiten behandeln die für 
Droese zentralen Themen, wie das Schiff als Metapher 
der Lebensfahrt, das Bullauge mit dem Blick über einer 
Tiefe und Unendlichkeit suggerierenden Horizont, die 
Überfahrt, in der Fragen nach der Herkunft und der 
Zukunft des Menschen anklingen, und religiös-existen- 
tielle Themen wie der verlorene Sohn, die Beweinung 
und der Kreislauf des Lebens zum Tode und der Erneue 
rung des Lebens aus dem Tod. Als wertvolle Ergän- 
zung zu diesen Blättern konnten wir zwei Glasobjekte 
zeigen, zum einen das für Droeses Thematik höchst 
bedeutsame <«Glasschiff von 1983 aus dem Kunst- 
museum Bonn, zum andern die Gefährdung evozieren- 
den «Blumen für den Kanzler von 1984 aus einer Pri- 
vatsammlung. 
Am 11. Dezember 1986 fand in der Ausstellung ein 
Gespräch mit dem Künstler statt, das bei den 
Besuchern auf reges Interesse stiess. 
Ausstellungen im Erdgeschoss (Räume 1-Ill) 
Jean Fautrier 
Die drei Räume im Erdgeschoss haben wieder einmal 
gezeigt, wie sehr sie sich für eine beschränkte kleinere 
Ausstellung eines Künstlers eignen. Von Jean Fautrier 
{1898 Paris bis 1964 Chätenay-Malabry) war das Früh- 
werk —- die schwarzen Bilder, die Akte und die Skulp- 
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