Volltext: Jahresbericht 1986 (1986)

turen - mit 56 Gemälden, 8 Skulpturen und 38 Zeich- 
nungen und Lithographien in einer Ausstellung ver- 
einigt, die In Zusammenarbeit mit dem Stedelijk Mu- 
seum Amsterdam konzipiert wurde. Der Eindruck war 
der der Entdeckung eines Malers und Bildhauers, der 
die traditionellen Bildgegenstände des Aktes, Stillebens 
und der Landschaft nicht über Bord wirft, aber sie 
durch seine Malkultur unterwandert und dadurch eine 
Bildräumlichkeit hinter einer verletzlichen Malhaut 
kreiert, die nicht ihresgleichen hat in der zeitgenössi- 
schen Kunst. Seine Malerei ist gleichzeitig Überdeh- 
nung und Reduzierung der Farbskala. Und dadurch 
Neusicht der Dinge. Das Raffinement der Malerei 
erzwingt so eine rein malerische Zwischenwelt, die sich 
den Bildgegenständen zuerst, dann den bildgeworde: 
nen Körpern stellt. Fautrier, und das gilt auch für sein 
Spätwerk mit dem «empätement in seinen «Geiselbil- 
dern), Ist so Immer ganz intensiv —- aber eigentlich nie 
aktualitätsbezogen. Was seine Aussenseiterstellung 
erklären mag. Zwar hat er 1960 den Grossen Preis für 
Malerei an der Biennale in Venedig erhalten, aber 
sein Werk blieb relativ unbekannt bis gerade die oft 
oberflächliche Appellhaftigkeit der «Jungen Wilder 
das Bedürfnis nach Künstlern, die die Vielschichtigkeit 
im «einfachen» pflegen, wieder wach wurde. Fautrier 
und seine Verletzungen des Körpers sind noch zu ent- 
decken. Wir hoffen, dass mit diesem Präludium im 
Erdgeschoss der Hunger nach der umfassenden Retro- 
spektive im grossen Saal gewachsen ist. 
«Astronautenserie» vom Beginn der sechziger Jahre 
zum erstenmal ausführlich gezeigt wurde, andererseits 
die Rapportmuster-Zeichnungen, deren konstruktive 
Raster die Kreativität des Künstlers immer wieder in 
Gang zu setzen vermochten. Einen überraschenden 
Blick auf Thomkins’ Schaffen eröffnete die Gruppe deı 
kleinen Skulpturen aus Ton, Holz, Karton und Gummi, 
die erstmals in grösserem Zusammenhang zu sehen 
waren. Den Abschluss der Ausstellung bildete die 
Reihe der späten Ölbilder, die Thomkins im Jahr vor 
seinem Tode gemalt hatte. 
Andre Thomkins 
Nach dem plötzlichen Tod von Andre Thomkins wurde 
dem Künstler, der dem Kunsthaus Zürich seit vielen 
Jahren, nicht zuletzt als Mitglied der Ausstellungskom- 
mission, eng verbunden war, eine Gedächtnisausstel- 
lung eingerichtet. Die Ausstellung gab in chronolo- 
gischer Folge einen Überblick über die Entwicklung der 
vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten von Andre Thom- 
kins, dem immer wieder Materialien und Techniken als 
Anregungsböden gedient haben. Schwerpunkte bil- 
deten dabei einerseits die <«Lackskins>, unter denen die
	        
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