Volltext: Jahresbericht 1986 (1986)

Hans Arp/Hugo Ball 
ausbleiben konnte. Allerdings ist damit gerade aus 
diesem Grund die bislang wohl überzeugendste Sek- 
tionsausstellung in den Erdgeschoss-Räumen zu- 
stande gekommen. Die Eigenheiten der verschiedenen 
Techniken, Stile und Botschaften hatten für einmal 
genügend <Luft) und bildeten ein wohltuend ruhiges 
Ensemble, in dem das einzelne Werk, der einzelne 
Künstler, um so besser zur Geltung kamen. Damit konnte 
sich der relativ hohe Standard der handwerklichen 
Qualitäten bestätigen; darüber hinaus war unverkenn- 
bar, dass sich die überwiegende Zahl der berücksich- 
tigten Künstler mit internationalen, zeitgenössischen 
Strömungen beschäftigen und so den häufig erhobe- 
nen Vorwurf des Provinzialismus widerlegten. 
Diese Doppelausstellung würdigte das Schaffen der 
beiden Mitbegründer des Zürcher Dadaismus zu ihrem 
100. Geburtstag. Während die Hugo Ball-Dokumen- 
tation vom Archiv seiner Vaterstadt Pirmasens unter 
seinem Leiter Ernst Teubner vorbereitet und im Februar 
zuerst dort eröffnet wurde, hat das Kunsthaus Zürich 
Hans Arp erstmals in einer Einzelausstellung vor allem 
als Dichter und als Graphiker vorgestellt. Neben vielen 
Erstauflagen, Zeichnungen und Collagen wies eine 
auf seine Lyrik zugeschnittene Auswahl von Reliefs und 
Skulpturen auf sein vielfältiges Lebenswerk hin, das 
sich von der Eingangshalle wie eine wild wuchernde 
Pflanze vom Mirö-Garten bis unter die Treppen des 
Neubaus ausbreitete, um sich in den Jahren 1915-20 
mit Hugo Ball zu kreuzen. Im Mittelpunkt befand sich 
bewusst eine Reihe von Vitrinen, die mit einer einzig- 
artigen Zürcher Sammlung von Büchern, Zeitschriften 
und Druckgraphik bestückt waren. In der Ausstel- 
lung wie im Katalog, der bislang ausführlichsten Doku- 
mentation dieses so wichtigen Teils von Hans Arps 
kreativer Tätigkeit, wurden die Beziehungen zwischen 
Wort und Bildsymbol durch ihre Verbindung sinn- 
fällig. Das Ausstellungskonzept wurde in Zusammen- 
arbeit mit den Arp-Stiftungen in Clamart und Rolands- 
eck sowie Hans Bolliger und Christian Witzig erarbei- 
tet, die Katalogeinleitung verfasste die amerikanische 
Spezialistin Harriett Watts. Vom grossen Interesse 
zeugt allein, dass die Arp-Ausstellung vorgängig im 
Bahnhof Rolandseck, im Herbst von der Walter Buch- 
ebner Gesellschaft in Kindberg (Steiermark) gezeigt 
wurde, und 1987 in die Akademie der Künste Berlin 
und ins Sprengel! Museum Hannover, zwei andere 
Dada-Hauptstäd(tte reist. 
Ausstellungen der Stiftung für die Photographie 
Von Photographen gesehen: Alberto Giacometti 
Den äusseren Anlass zu dieser mit dem Bündner 
Kunstmuseum Chur vorbereiteten, erstmaligen Zusam- 
menstellung von Porträt- und Atelieraufnahmen des 
weltberühmten Bildhauers bildete dessen 20. Todestag 
am 11. Januar 1966 in Chur. Familienbilder, Amateur- 
aufnahmen und künstlerische Interpretation von Photo- 
graphen wie Kurt Blum, Brassai, Rene Burri, Henri 
Cartier-Bresson, Robert Doisneau, Man Ray, Herbert 
Matter, Ugo Mulas, Ernst Scheidegger oder Sabine 
Weiss zeichneten ein menschlich berührendes und 
kunsthistorisch aufschlussreiches Bild eines Künstlers. 
das durch die gleichzeitig erschienene Biographie 
von James Lord eine zusätzliche Vertiefung erfuhr. Von 
rund fünfzig Photographen wurden Dokumente zusam- 
mengetragen, darunter Entdeckungen wie die frühen 
Familienerinnerungen von Gertrud Dübi-Müller oder 
Studien aus der Pariser Surrealismus-Zeit von Jacques 
Eine vor allem aus Mitgliedern der Sektion bestehende Andre Boiffard, die selbst Giacometti-Kenner über- 
Jury traf aus den durch die Beschränkung auf «Zeich- raschten. In Zürich konnte die einmalige Gelegenheit 
nungen und Druckgraphik» schon stark eingegrenzten genützt werden, dank den nicht nach Martigny ausleih 
Eingaben eine so rigorose Auswahl, dass Kritik nicht baren Restbeständen der Giacometti-Stiftung und 
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