Hans Arp/Hugo Ball
ausbleiben konnte. Allerdings ist damit gerade aus
diesem Grund die bislang wohl überzeugendste Sek-
tionsausstellung in den Erdgeschoss-Räumen zu-
stande gekommen. Die Eigenheiten der verschiedenen
Techniken, Stile und Botschaften hatten für einmal
genügend <Luft) und bildeten ein wohltuend ruhiges
Ensemble, in dem das einzelne Werk, der einzelne
Künstler, um so besser zur Geltung kamen. Damit konnte
sich der relativ hohe Standard der handwerklichen
Qualitäten bestätigen; darüber hinaus war unverkenn-
bar, dass sich die überwiegende Zahl der berücksich-
tigten Künstler mit internationalen, zeitgenössischen
Strömungen beschäftigen und so den häufig erhobe-
nen Vorwurf des Provinzialismus widerlegten.
Diese Doppelausstellung würdigte das Schaffen der
beiden Mitbegründer des Zürcher Dadaismus zu ihrem
100. Geburtstag. Während die Hugo Ball-Dokumen-
tation vom Archiv seiner Vaterstadt Pirmasens unter
seinem Leiter Ernst Teubner vorbereitet und im Februar
zuerst dort eröffnet wurde, hat das Kunsthaus Zürich
Hans Arp erstmals in einer Einzelausstellung vor allem
als Dichter und als Graphiker vorgestellt. Neben vielen
Erstauflagen, Zeichnungen und Collagen wies eine
auf seine Lyrik zugeschnittene Auswahl von Reliefs und
Skulpturen auf sein vielfältiges Lebenswerk hin, das
sich von der Eingangshalle wie eine wild wuchernde
Pflanze vom Mirö-Garten bis unter die Treppen des
Neubaus ausbreitete, um sich in den Jahren 1915-20
mit Hugo Ball zu kreuzen. Im Mittelpunkt befand sich
bewusst eine Reihe von Vitrinen, die mit einer einzig-
artigen Zürcher Sammlung von Büchern, Zeitschriften
und Druckgraphik bestückt waren. In der Ausstel-
lung wie im Katalog, der bislang ausführlichsten Doku-
mentation dieses so wichtigen Teils von Hans Arps
kreativer Tätigkeit, wurden die Beziehungen zwischen
Wort und Bildsymbol durch ihre Verbindung sinn-
fällig. Das Ausstellungskonzept wurde in Zusammen-
arbeit mit den Arp-Stiftungen in Clamart und Rolands-
eck sowie Hans Bolliger und Christian Witzig erarbei-
tet, die Katalogeinleitung verfasste die amerikanische
Spezialistin Harriett Watts. Vom grossen Interesse
zeugt allein, dass die Arp-Ausstellung vorgängig im
Bahnhof Rolandseck, im Herbst von der Walter Buch-
ebner Gesellschaft in Kindberg (Steiermark) gezeigt
wurde, und 1987 in die Akademie der Künste Berlin
und ins Sprengel! Museum Hannover, zwei andere
Dada-Hauptstäd(tte reist.
Ausstellungen der Stiftung für die Photographie
Von Photographen gesehen: Alberto Giacometti
Den äusseren Anlass zu dieser mit dem Bündner
Kunstmuseum Chur vorbereiteten, erstmaligen Zusam-
menstellung von Porträt- und Atelieraufnahmen des
weltberühmten Bildhauers bildete dessen 20. Todestag
am 11. Januar 1966 in Chur. Familienbilder, Amateur-
aufnahmen und künstlerische Interpretation von Photo-
graphen wie Kurt Blum, Brassai, Rene Burri, Henri
Cartier-Bresson, Robert Doisneau, Man Ray, Herbert
Matter, Ugo Mulas, Ernst Scheidegger oder Sabine
Weiss zeichneten ein menschlich berührendes und
kunsthistorisch aufschlussreiches Bild eines Künstlers.
das durch die gleichzeitig erschienene Biographie
von James Lord eine zusätzliche Vertiefung erfuhr. Von
rund fünfzig Photographen wurden Dokumente zusam-
mengetragen, darunter Entdeckungen wie die frühen
Familienerinnerungen von Gertrud Dübi-Müller oder
Studien aus der Pariser Surrealismus-Zeit von Jacques
Eine vor allem aus Mitgliedern der Sektion bestehende Andre Boiffard, die selbst Giacometti-Kenner über-
Jury traf aus den durch die Beschränkung auf «Zeich- raschten. In Zürich konnte die einmalige Gelegenheit
nungen und Druckgraphik» schon stark eingegrenzten genützt werden, dank den nicht nach Martigny ausleih
Eingaben eine so rigorose Auswahl, dass Kritik nicht baren Restbeständen der Giacometti-Stiftung und
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