Volltext: Jahresbericht 1986 (1986)

gewerbeschule ausgebildeten Werner Bischof. Die 
mit seinen Söhnen erarbeitete Retrospektive gliederte 
sich in drei Hauptteile: der erste Raum stellte den 
«klassischen» Bischof mit grossformatigen Abzügen 
aher bildhaft vor, in einer zweiten Abteilung wurde sein 
von der Sachphotographie bestimmtes Frühwerk 
untersucht. Im dritten Teil wiederum wurden seine Pro- 
bleme als Photojournalist anhand seiner Nachkriegs- 
reisen durchs kriegszerstörte Europa, seinen Bildberich- 
ten aus Indien, Korea und Indochina für die Weltpresse 
und dem abschliessenden Japan-Buch erörtert. So 
ergab sich ein spannungsreiches und vielschichtiges 
Bild eines Photographen, der nicht nur der bewunderte 
Ästhet und Perfektionist war, sondern der ebenso 
ein ehrliches, einfaches soziales Engagement verfolgte 
und damit, wie Briefauszüge und Notizen erstmals 
zeigten, zunehmend in Widerspruch zu den Institutio- 
nen geriet. Erst die Arbeit am Japan-Buch führte ihn 
gewissermassen zu seinen Anfängen zurück und 
erlaubte ihm, seinem Ethos einer auf Menschlichkeit, 
auf Verständnis aller Kulturen und Rassen ausgerichte- 
ten Tätigkeit wieder nachzuleben. Diese Botschaft 
wurde auch heute von einem überaus grossen und 
intensiven Publikum wahrgenommen. Werner Bischof 
hatte die drei wohl wichtigsten Schweizer Photo-Ken- 
ner seiner Zeit als Lehrer und Freunde: Hans Finsler, 
Arnold Kübler, Manuel Gasser. Als er Mitglied von 
«Magnum» wurde und in die Welt aufbrach, fand er in 
seiner Frau Rosellina eine tragende Kraft. Ihr, die 
anfangs 1986 nach einer schweren Krankheit starb, 
ohne die von ihr seit langem vorbereitete Retrospektive 
noch erleben zu dürfen, waren Ausstellung und Kata- 
log gewidmet. Ganz in ihrem Sinn reist die Ausstellung 
weiter nach Lausanne, Lugano, Mailand und Paris, 
später in die USA und nach Japan. 
-B/UP/HS/GM/TS
	        
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