Volltext: Jahresbericht 1990 (1990)

GRAPHISCHE SAMMLUNG 
Angesichts der enormen Preissteigerungen ist die Graphi- 
sche Sammlung immer mehr auf Geschenke angewiesen. 
Dankbar durften wir dieses Jahr mehrere bedeutende 
Graphiken und Zeichnungsgruppen entgegennehmen. 
Herr Rolf Weinberg schenkte uns aus Anlass seines 60. Ge- 
burtstages eine monumentale Vierfarbenlithographie 
von Elsworth Kelly, die im Werk des Künstlers einen wich- 
tigen Stellenwert einnimmt. Wir freuen uns über dieses 
Geschenk ganz besonders, kann doch das Blatt in seinem 
bildhaften Charakter eine Vorstellung von der Arbeit 
Kellys vermitteln, von dem unsere Sammlung bisher leider 
noch kein Werk besitzt. Von Frau Elisabeth Kaufmann 
erhielten wir im Anschluss an die Übergabe des vom Kunst- 
haus verliehenen «Preises für Junge Schweizer Kunst» 
10 Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle von Klaudia Schif- 
ferle aus der Zeit von 1983 bis 1988 (Abb. 17f). Zusammen 
mit den bereits im Kunsthaus befindlichen Malereien, 
Plastiken und Zeichnungen vermögen sie einen eindrucks- 
vollen Überblick über die künstlerische Entwicklung von 
Klaudia Schifferle zu geben. Grosszügig war auch Ilona 
Ruegg, die uns nach ihrer Ausstellung im Graphischen 
Kabinett «Die Ränder der Gegenwart» eine Gruppe von 
9 Zeichnungen, die wir selbst auswählen durften, als 
Geschenk überliess (Abb. 15f). Auf diese Weise besitzt die 
Graphische Sammlung eine seit 1987 stetig angewachsene, 
repräsentative Werkgruppe dieser Künstlerin, die wir auch 
dieses Jahr dank der Hulda und Gustav Zumsteg Stiftung 
durch gezielte Neuerwerbungen bereichern konnten. Ein 
Geschenk ganz besonderer Art erhielten wir von Herrn 
Armin Haab aus Zug. Er übergab uns seine seit Jahrzehnten 
aufgebaute, rund 500 Blätter umfassende Sammlung 
mexikanischer Graphik. Da diese Sammlung in Europa 
einzigartig ist und einen gültigen Überblick über die 
Entwicklung der figurativen Graphik in Mexiko während 
des Zeitraums von 1847 bis 1950 gibt, sind wir für 
diese Ausdehnung der Graphischen Sammlung auf ein un- 
bekannteres Gebiet sehr dankbar. 1988 publizierte der 
Tages-Anzeiger in einer zweiwöchigen Folge als Zeitungs 
offset Zeichnungen von Alfonso Hüppi, die dieser sozu- 
sagen unter den Bedingungen des Tagesjournalismus 
jeweils auf das Erscheinungsdatum der Zeitung produziert 
hatte. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass der Tages 
Anzeiger dem Kunsthaus die 14 Originale der unter diesen 
ungewöhnlichen Umständen entstandenen Zeichnungs- 
serie geschenkt hat. Als weitere Geschenke erhielten wir 
von Herrn Gustav Zumsteg eine Bleistiftzeichnung von 
Alfred Hofkunst, von Herrn Beda Jedlicka einen Siebdruck 
von Robert Mangold, von Frau Marianne Ritzmann einen 
Plakatentwurf sowie Holzschnitte, Skizzenblätter und 
Druckplatten ihres Vaters Jakob Ritzmann, von Frau 
Ursula von Schulthess 7 Radierungen von Ödön Koch und 
von Herrn Jura Brüschweiler 5 grosse ausgeschnittene 
Figuren von Ferdinand Hodler, die er für das Monumental- 
gemälde «Blick in die Unendlichkeit» verwendet hat. Aus 
dem Nachlass von Frau Anna Petrus, geb. Fabian, gelangte 
ein Damenporträt von Zoltan Kemeny zu uns. Als Dauer 
leihgabe des Kantons bekam das Kunsthaus vier Bühnen: 
bildentwürfe von Roman Clemens von 1930. 
Unsere seit Jahren kontinuierlich aufgebaute Sammlung 
amerikanischer Kunst der siebziger und achtziger Jahre. 
insbesondere der Minimal und Concept Art, kann ange 
sichts der Preisentwicklung auf dem Kunstmarkt kaum 
mehr mit Zeichnungen, höchstens noch mit Druckgraphik 
ergänzt werden. So mussten wir für die Lithographie «TV 
Clown», 1988 von Bruce Nauman in diesem Jahr einen 
Preis zahlen, für den wir 1988 noch eine grosse Zeichnung. 
«Discontinued project» von 1970/74, bekommen hatten. 
Glücklicherweise haben die Amerikaner die Bedeutung 
dieses herausragenden Künstlers lange Zeit verkannt; sonst 
hätte unsere schöne Gruppe grossformatiger Zeichnungen 
nicht zustande kommen können. «TV Clown» (Abb. 19} 
handelt von einem Thema, das Bruce Nauman seit seinen 
Neonreliefs 1985 beschäftigt und das seinen Höhepunkt in 
der bedrängenden Videoinstallation «Clown Torture» 
(Clown-Folter) von 1987 erreicht. Die Lustigkeit des 
Clowns schlägt in dieser Installation ins Gegenteil um.
	        
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