VORWORT DES PRÄSIDENTEN
Liebe Mitglieder der Zürcher Kunstgesellschaft
Sehr geehrte Damen und Herren
Es erfüllt mich mit grosser Freude und Genugtuung, dass
es im Berichtsjahr trotz schwierigem Umfeld gelungen ist,
mit dem Erwerb des Bildes «Nachtessen in Dresden» von
Georg Baselitz die Schaffung der weltweit schönsten Werk-
gruppe dieses Künstlers zum Abschluss zu bringen. Grosse
Anstrengungen auf allen Ebenen führten schliesslich zu
diesem Erfolg, der erhebliches — vor allem internationales
- Echo ausgelöst hat. Ein bedeutender neuer Sammlungs-
schwerpunkt konnte so geschaffen werden. Die Finanzie-
rung wurde durch einen Beitrag aus dem «Fonds für
gemeinnützige Zwecke» des Kantons Zürich ermöglicht.
Der Regierungsrat hat ein diesbezügliches Gesuch der
Kunstgesellschaft gutgeheissen und dem Kantonsrat die
Genehmigung eines Beitrages in der Höhe von Fr. 1,4
Mio., verbunden mit der Übertragung der Antiken Samm-
lung des Kunsthauses ins Eigentum des Kantons, bean-
tragt. Diese antiken Plastiken sind bereits seit 1984 in der
Archäologischen Sammlung der Universität ausgestellt.
Am 30. Mai prüfte die Finanzkommission diese Vorlage
mit einer Besichtigung im Kunsthaus und beschloss mehr-
heitlich, dem Ratsplenum die Genehmigung zu bean-
:ragen. Nach einer überaus lebhaften Diskussion beschloss
am 8. Juli 1991 der Kantonsrat mit 62 zu 58 Stimmen
Zustimmung zu diesem Geschäft, das mittlerweilen dank
einer Reihe von kontroversen Zeitungsartikeln eine beacht-
üche Publizität erfahren hatte. Es liegt mir daran, allen
politischen Gremien, die unser Projekt unterstützt haben,
meinen verbindlichen Dank auszusprechen; namentlich
danken möchte ich dem Vorsteher der Erziehungsdirek-
tion, Herrn Regierungsrat Dr. Alfred Gilgen, den Herren
Regierungsräten Jakob Stucki und Dr. Eric Honegger (der
Fonds für gemeinnützige Zwecke wird von der Finanzdi-
rektion verwaltet) sowie der Präsidentin der Finanzkom-
mission, Frau Dr. Regula Pfister. Auch wenn der Ankauf
des von vielen Leuten als schwierig empfundenen Bildes
zustande gekommen ist, sollte man eine Anregung, die in
der Finanzkommission erörtert und in der Folge auch im
Ratsplenum geäussert worden ist, nicht vergessen: dass es
politisch klüger wäre, den Kunstmuseen im Kanton Zürich
aus dem Fonds für gemeinnützige Zwecke einen regel-
mässig wiederkehrenden Beitrag zukommen zu lassen, als
die politischen Gremien mit Auseinandersetzungen über
rein künstlerische Fragen zu belasten.
Auch das zweite ausserordentliche Ereignis im Berichts-
jahr betrifft die Sammlung: der Abschluss der Renovation
der Sammlungssäle im 2. Obergeschoss der Moser-Bauten,
der allgemein sehr positiv aufgenommen wurde. Zu
bedauern ist lediglich, dass die äusserst knappen Mittel der
Stiftung Zürcher Kunsthaus es nicht erlaubten, dieselben
Massnahmen der Oberlichtsanierung im 1. Stock durch-
zuführen. Das Resultat dieses allein von finanziellen
Engpässen diktierten, stückweisen Vorgehens ist zur Zeit
äusserst unbefriedigend, da unterschiedliche Klimazonen
in demselben Gebäudeteil für die Kunstwerke, aber auch
bezüglich der Bausubstanz grösste konservatorische
Probleme schaffen. Es ist zu hoffen, dass die Stiftung unter
der initiativen Leitung von Herrn Heiri Gross möglichst
noch vor dem Einbruch des nächsten Winters in der Lage
sein wird, diesen für unsere Sammlung unhaltbaren
Zustand zu beenden. Diese drängenden Sofortmass-
nahmen müssen unabhängig von den längerfristigen
Sanierungs- und Erweiterungsplänen realisiert werden.
Doch auch hier gilt es, die weiteren Möglichkeiten der
von Finanzsorgen geplagten Stadt Zürich abzuwarten.
Und natürlich ist das Stichwort «Finanzsorgen» im
Berichtsjahr auch für die Kunstgesellschaft ein treuer
Begleiter gewesen. Trotz ausgeglichenen Rechnungsab-
schlusses wird es immer schwieriger, mit den vorhandenen
Mitteln unseren kulturellen Auftrag zu erfüllen. Besonders
spürbar wird dies auch in bezug auf den Ausbau der Samm-
lung, da seit 1976 —wie für alle Sachkosten —von der öffent-
lichen Hand kein Teuerungsausgleich gewährt worden ist.
Da von dieser kurzfristig keine grösseren zusätzlichen