«spiegelten» sich Säle mit Porträts und symbolistischen
Frauendarstellungen mit eigentlichen Landschaftspano-
ramen. So wurde die wohl einmalige Gruppierung soge-
nannter Goldgrundbilder — Judith I (1901), Judith II (1909),
Danae (um 1907/08) und der weltberühmte Kuss (1907/08) —
mit sechs der schönsten Landschaften aus der Reifezeit
konfrontiert, die —erstmals in einer Ausstellung zusammen
zu sehen —einen der Höhepunkte der Zürcher Ausstellung
darstellten. Den grossartigen «Schlussakkord» der Ausstel-
lung bildeten drei der sogenannten Menschheitsbilder, die
wohl kaum jemals mehr zu versammelnden Gemälde Die
Jungfrau (1913), Tod und Leben (1916) und Adam und Em
(1917/18).
Das Zentrum des Saales wurde von einer grossan-
gelegten «Dokumentation» eingenommen, die bei den
Ausstellungsbesuchern auf äussert lebhaftes Interesse
stiess: Im Mittelgang waren Photos, Textilien, Schmuck-
stücke, Korrespondenzkarten u.a.m. von Gustav Klimt und
seiner langjährigen Freundin und Muse Emilie Flöge zu
sehen, die etwas von jenem künstlerischen Glanz vermit-
telten, den das legendäre «Wien um 1900» bis heute aus-
strahlt. Der Raum zur linken Seite war der «Rekonstruk-
tion» des Beethovenfrieses gewidmet, «kommentiert» und
ergänzt mit Beispielen von Klimts Tätigkeit als Gestalter
(vor allem in der «Secessions»-Zeitschrift Ver Sacrım ), einem
Modell des «Secessions»-Gebäudes, an dessen Entwurf
Klimt beteiligt war, sowie einer in den Wiener Werkstätten ent-
standenen Tunika des Meisters, die den hohepriesterlichen
Anspruch des «Secessionisten» Klimt vermitteln konnte.
Rechterseits des Mittelgangs wurde durch eine Tonbild-
schau der Zusammenhang von Klimts 1902 entstandenen
«Beethovenfries» mit der zeitgenössischen Musik sinnlich
erfahrbar. Ein daran anschliessender Studiensaal doku-
mentierte den Fries im Brüsseler Palais Stoclet, die zweite
monumentale Wandgestaltung Klimts, mit Handzeich-
nungen, den erst vor wenigen Jahren wiedergefundenen
Originalentwürfen, photographischen Dokumenten und
Texttafeln. Texttafeln führten auch am Beginn der Ausstel-
lung, wo sich ein «Fenster» zur gleichzeitig im erweiterten
Graphischen Kabinett stattfindenden Werkschau mit
Zeichnungen aus der Reifezeit Ferdinand Hodlers hin öff-
nete, in das Leben und Werk Klimts wie auch in die «Seces-
sions»-Zeit Hodlers ein.
Die Klimt-Ausstellung stiess nicht nur bei der (interna-
tionalen) Tages- und Fachpresse auf ein äusserst positives
Echo, sondern erwies sich im Verlauf weniger Tage nach
der Eröffnung als eigentlicher «Publikumsmagnet». Mit
rund 250 000 Besuchern in 14 Wochen, das heisst einem
Durchschnitt von über 3000 Besuchern pro Tag, ist sie
nicht nur zur bestbesuchten Ausstellung in der Geschichte
des Kunsthauses geworden, sondern zu der von Publikum
meist frequentierten Schau in der Geschichte der schweize-
tischen Kunstausstellungen überhaupt. Dass die Klimt-
Ausstellung in einer wissenschaftlich fundierten und den-
noch breiteste Kreise ansprechenden Form realisiert wer-
den konnte, ist vor allem auch der Zusammenarbeit mit der
Österreichischen Galerie in Wien zu verdanken, welche die
wichtigste Bildergruppe des Wiener Meisters verwahrt,
sowie dem «Kultur-Engagement der SKA», das es dem
Kunsthaus mit einem namhaften Beitrag ermöglichte, die
Klimt-Ausstellung in der angestrebten Form zu realisieren.
Der im Verlag Gerd Hatje erschienene, 380 Seiten
starke und reich bebilderte Katalog mit zahlreichen Bei-
trägen renommierter Kliımt-Experten wurde in 23 000 bro-
schierten Exemplaren aufgelegt. TS
AUSSTELLUNGEN IM GRAPHISCHEN KABINETT
Martin Disler: Druckgraphik aus den Jahren 1986 bis 1992
Aus Dislers reichem graphischen Schaffen der letzten Jahre
zeigten wir eine Auswahl von 40 zum Teil grossformatigen
Blättern, unter anderem die acht Farbradierungen des Port-
folios «Museum of Desire» von 1990, das Dislers Editor
Rene Steiner (Erlach) dem Kunsthaus geschenkt hatte und
das unsere umfangreiche Sammlung an Disler-Zeich-
nungen und -Graphiken in willkommener Weise ergänzte.
Martin Disler hat sich wie viele seiner Künstlerkollegen in
den achtziger Jahren vermehrt den traditionellen Druck-
;echniken Holzschnitt, Radierung und Lithographie zuge-
wandt, geht mit ihnen aber in neuer, unkonventioneller
Weise um. Das ermöglicht ihm, erstarrte Vorstellungen
und festgefahrene Sehweisen aufzubrechen und zu neuen,
lebendigen Energien vorzustossen. Die Erfahrungen von