RESTAURIERUNG
Sammlung: Ginge es nach den Wünschen der Restauratoren,
stünde in der Nähe der «Olivestone» von Joseph Beuys ein
Lavabo, damit die Besucher nach der Ölprobe die Hände
säubern könnten. Vorläufig gestalten jedoch diese Hände
die weissen Wände ringsum — dies mag zur Ausstrahlung
des Werkes gehören. Wenn jedoch ölbetupfte Finger-
kuppen auf Gemälden Kontakt suchen, die nicht durch ein
Glas geschützt werden können, dann dürfen wir unsere
Kunststücke auf die Probe stellen. Ein spurloses Entfernen
solcher Flecken gelang uns auf verhältnismässig einfache
Art auf dem weissen Bild von Robert Ryman mit dem Titel
«Counter»,
Bei Pierre Soulages’ Gemälde vom 30. November 1959
hingegen versagten bisher alle unsere Zauberkünste. Alle
Jahre wieder erscheint dieses Werk im Atelier, wo es seine
durch eine extreme Trockenspannung aufgebäumten Farb-
schichten bis zur nächsten Gelegenheit niederlegen lässt.
Es ist dies wohl unser meist diskutierter Patient, zu dem
kaum ein zu Besuch weilender Kollege nicht konsultiert
würde. Alle erdenklichen Klebemittel wurden bereits
versucht, bisher jedoch ohne anhaltenden Erfolg. Leider
können thermoplastische Kleber nur sehr beschränkt
verwendet werden, da die Farbschicht auf Wärme sehr
empfindlich reagiert. Am ehesten hilft es, wenn man von
der Rückseite die Leinwand gezielt erwärmt, während man
von vorn die Farbschicht kühlt.
Eine traditionelle Restaurierungsaufgabe stellte das Bild
«Citron, bananes, prunes, verre» von Georges Braque, das
er 1925 malte und das 1984 mit der Johanna und Walter
L. Wolf-Sammlung dem Kunsthaus geschenkt wurde.
Anlässlich einer weit zurückliegenden Restaurierung
wurde das Gemälde doubliert, wobei die Sandkörner auf
der Oberfläche nach hinten in die Leinwand hineinge-
presst wurden. Ein glänzender gelber Firnis bedeckte die
ursprünglich matte Temperamalerei,
Das Ziel unserer Massnahmen bestand darin, den Firnis
zu entfernen, die Sandkörner zurückzupressen sowie das
unberechtigt vergrösserte Format auf die ursprünglichen
Abmessungen zu reduzieren. Bei der Abnahme der
Doublierung stellte sich heraus, dass die originale Lein-
wand von der Rückseite her bis auf die Sandkörner abge-
schliffen war und diese herauszufallen drohten. Es blieb
deshalb nichts anderes übrig, als das Bild erneut zu dou-
blieren, um damit den fragilen Rest der originalen Lein-
wand zu stützen, die Sandkörner zu hinterfangen und in
die originale Position zu bringen. Die Firnisabnahme bein-
haltete auch die weitgehende Extraktion des in die Farb-
schicht eingedrungenen Firnisses, was sich wegen der
leichten Löslichkeit der Bindemittel schwierig gestaltete.
Nach diesem Arbeitsgang zeigte sich die gesamte Malfläche
gleichmässig monoton und stumpf, so dass sie der Pinsel-
schrift entsprechend abschliessend mit gebleichtem Wachs
belebt wurde. So konnte die vom Künstler beabsichtigte
Erscheinung der Oberfläche wieder weitgehend zurück-
gewonnen werden.
Im Zusammenhang mit der Ausstellung «Ferdinand
Hodler, Zeichnungen der Reifezeit» wurde ein Kolloquium
über die verschiedenen Fassungen der Komposition «Die
Heilige Stunde», von der unsere Sammlung das vierfigu-
rige, 1907 geschaffene und 1911 überarbeitete Gemälde
besitzt, durchgeführt. Um die verschiedenen Phasen dieser
Bildidee zu verfolgen, wurde die sechsfigurige Fassung
aus dem Kunstmuseum Solothurn im Original direkt mit
dem Zürcher Bild konfrontiert. Unsere Untersuchungen
ergaben, dass dieses Gemälde ursprünglich als Triptychon
konzipiert war. In einer zweiten Phase wurde dieses als vier-
figuriges Diptychon weiter bearbeitet, in dem die beiden
mittleren Figuren ausgeklammert waren. Erst in der dritten
Arbeitsphase vereinigte Hodler die drei Elemente zu einer
einheitlichen Bildfläche. Bei der Untersuchung unseres
eigenen Gemäldes liessen sich ebenfalls drei Schaffens-
phasen deutlich unterscheiden, jedoch von vornherein auf
siner einzigen Leinwand.
Ausstellungen: Für die Ausstellung «Visionäre Schweiz» von
Harald Szeemann kamen einmal mehr Künstler mit
Werken ins Museum, die vorher noch nie, oder nur sehr
selten, in einem Kunstmuseum zu sehen waren — wie man