und Waldboden-Stücke als richtungsweisend für die letzte
künstlerisch hochstehende Generation von niederländi-
schen Stillebenmalern werden, deren Werke vor dem
Hintergrund der damals breit anschwellenden «Physiko-
theologie» zu verstehen sind. Diese alte Traditionen weiter-
führende und die Vanitas-Stimmung des Barocks über-
windende Frömmigkeitsbewegung wollte im möglichst
genauen Studium des «Buchs der Natur», der anderen
Offenbarung Gottes, die Herrlichkeit und Existenz des
Schöpfers aus seiner Schöpfung erweisen: darin bestand
zunächst die «Aufklärung». Einem solchen Realitätsbezug
entspricht die merkwürdige Verbindung der Nahsicht, die
sich sowohl durch die Exaktheit der Dingwiedergabe als
auch durch die steile Perspektive ergibt, und der ästhetisch
distanzierenden Fernsicht, die durch die Anordnung des
Tischs in Augenhöhe suggeriert wird: nicht dem Gebrauch
mit den Händen, sondern der «theoretischen» Anschauung
stellen sich die Gegenstände dar. Die durch solche «Okular-
inspektion» mächtig geförderten Naturwissenschaften
führten allerdings bald zur «Entzauberung der Welt» und
damit zu einer Banalisierung der auf die optische
Dingerfahrung fixierten Stilleben. Es bedurfte einer neuen
Problematisierung der sinnlichen Wahrnehmung und der
Gestaltungsmittel, um die Gattung auf ihrer alten Höhe
weiterzuführen. Chardin transformierte in diesem Sinne
die niederländische Tradition, und noch Matisse kopierte
ein Stilleben de Heems, um dessen künstlerische Erkennt-
nisse in seinen eigenen Werken fruchtbar weiterwirken zu
lassen.
Christian Klemm
Das Gemälde wurde erstmals im Katalog Die Gemälde der Stiftung Betty und
David M. Koetser (Kunsthaus Zürich 1988, Nr. 14) publiziert. Zu de Heem
neuerdings Sam Segal: Jan Davidsz de Heem und sein Kreis (Ausstellungskata-
jog Braunschweig 1991), dort unter Nr. 12 das erwähnte Stilleben mit der
Inschrift «Niet hoe veel» und der Hinweis auf Hoogstraten, zur Stilleben-
malerei neuerdings allgemein Claus Grimm: Stilleben. Die niederländischen und
deutschen Meister (Stuttgart 1988). Das Spinoza-Zitat nach Kurt Bauch: Der
frühe Rembrandt und seine Zeit (Berlin 1960, S. 29).