Volltext: Jahresbericht 1992 (1992)

und Waldboden-Stücke als richtungsweisend für die letzte 
künstlerisch hochstehende Generation von niederländi- 
schen Stillebenmalern werden, deren Werke vor dem 
Hintergrund der damals breit anschwellenden «Physiko- 
theologie» zu verstehen sind. Diese alte Traditionen weiter- 
führende und die Vanitas-Stimmung des Barocks über- 
windende Frömmigkeitsbewegung wollte im möglichst 
genauen Studium des «Buchs der Natur», der anderen 
Offenbarung Gottes, die Herrlichkeit und Existenz des 
Schöpfers aus seiner Schöpfung erweisen: darin bestand 
zunächst die «Aufklärung». Einem solchen Realitätsbezug 
entspricht die merkwürdige Verbindung der Nahsicht, die 
sich sowohl durch die Exaktheit der Dingwiedergabe als 
auch durch die steile Perspektive ergibt, und der ästhetisch 
distanzierenden Fernsicht, die durch die Anordnung des 
Tischs in Augenhöhe suggeriert wird: nicht dem Gebrauch 
mit den Händen, sondern der «theoretischen» Anschauung 
stellen sich die Gegenstände dar. Die durch solche «Okular- 
inspektion» mächtig geförderten Naturwissenschaften 
führten allerdings bald zur «Entzauberung der Welt» und 
damit zu einer Banalisierung der auf die optische 
Dingerfahrung fixierten Stilleben. Es bedurfte einer neuen 
Problematisierung der sinnlichen Wahrnehmung und der 
Gestaltungsmittel, um die Gattung auf ihrer alten Höhe 
weiterzuführen. Chardin transformierte in diesem Sinne 
die niederländische Tradition, und noch Matisse kopierte 
ein Stilleben de Heems, um dessen künstlerische Erkennt- 
nisse in seinen eigenen Werken fruchtbar weiterwirken zu 
lassen. 
Christian Klemm 
Das Gemälde wurde erstmals im Katalog Die Gemälde der Stiftung Betty und 
David M. Koetser (Kunsthaus Zürich 1988, Nr. 14) publiziert. Zu de Heem 
neuerdings Sam Segal: Jan Davidsz de Heem und sein Kreis (Ausstellungskata- 
jog Braunschweig 1991), dort unter Nr. 12 das erwähnte Stilleben mit der 
Inschrift «Niet hoe veel» und der Hinweis auf Hoogstraten, zur Stilleben- 
malerei neuerdings allgemein Claus Grimm: Stilleben. Die niederländischen und 
deutschen Meister (Stuttgart 1988). Das Spinoza-Zitat nach Kurt Bauch: Der 
frühe Rembrandt und seine Zeit (Berlin 1960, S. 29).
	        
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