zusammenkommen sollten. Ich verliess diese erste Klee-
Ausstellung erschüttert und zog den Meister lange Zeit
allen andern vor. Ich glaube, dass ich meine nie erloschene
Leidenschaft zur Kunst unserer Zeit dieser ersten Begeg-
nung mit dem Werk Paul Klees verdanke. Das wunder-
schöne Buch von Wilhelm Hausenstein ‘Kairuän’, das
über die bedeutungsvolle Tunis-Reise Klees mit Louis
Moilliet und August Macke berichtet, wies in der Folge des
‘Pädagogischen Skizzenbuches’ den Weg vorbei an Dies-
seitigem zu den Hintergründen Kleescher Kunst, die nach
den Worten des Meisters ‘nicht das Sichtbare wiedergibt,
sondern sichtbar macht”. Klee wurde für mich zum Deuter
der Kunst von Mir6 und den Surrealisten, mit deren Welt
ich mich stets verbunden fühlte.
Es gab dann auch Perioden des Picasso-Kultes, in denen
die genialen Erfindungen dieses Riesen mit der Kammer-
kunst Paul Klees kritisch konfrontiert wurden. Eine Kubi-
sten-Ausstellung, auch bei Flechtheim, der mit Picasso
auch Gris und Leger zeigte, war eine grosse Versuchung,
zeitweilig der musikalischen Zartheit des Schweizer Malers
meine Begeisterung zu entziehen. Es dauerte aber nie
lange, bis die Begegnung mit neuen Werken von Klee
dessen Grösse erneut offenbarte.»“
Als Curt Burgauer 1929 Berlin wieder verliess, entstand
in Dessau der «Burghügel», den er 1953 nach einer verdun-
kelten Zeit vor einem Verkauf «ins Ausland rettete» und
vierzig Jahre später der Öffentlichkeit übergibt.
Guido Magnaguagnc
Anmerkungen:
: Siehe insbesondere: Christian Geelhaar, Paul Klee und das Bauhaus,
Köln 1972: «Aus den Grundgesetzen der Architektur bezog Klee nicht
allein Wesentliches für seine eigene künstlerische Gestaltung, auch
wiesen sie ihm Wege, um tektonisches Denken im Unterricht zu schu-
len. Das Bild wird als ein ‘zum Gleichgewicht führender Aufbau’ ver
standen: ‘Man konstruiert fürs erste ein Gerüst der zu bauenden Male-
rei. Wie weit man über dieses Gerüst hinausgeht, ist frei, es kann vom
Gerüst schon eine Kunstwirkung ausgehen.” Beim Abwägen der
Gewichtsmittel, das heisst des Helldunkels, ermahnt Klee seine Schü-
ler, “eine Basis zu schaffen und zu kennzeichnen, die den Aufbau
trägt ...Je höher ich hinauf will, desto fester sind die Fundamente zu
halten... Das Kriterium des guten Aufbaus ist: kein Einsturz in sich
zusammen’ Auf diesem Grundstein wird dann ein “Turmbau’ errichtet,
wobei die Steine abwechselnd so weit nach rechts oder links verschoben
werden, dass der nachfolgende Stein die im Gleichgewicht eingetretene
Störung noch ausgleichen und das Überneigen nach einer Seite hin zu
verhindern vermag. Aus einer Postkarte des Malers geht hervor, dass
solche statischen Aufgaben von den Studierenden auch praktisch aus-
geführt wurden: ‘Ich kam von den perspectivischen Principien auf das
Gleichgewichtsgefühl im Menschen. Am nächsten Übungstag bauen
wir solche Gleichgewichtssachen auf (mit Bausteinen) und arbeiten
dann nach diesen Modellen.’» (S. 18)
? Sammlungskatalog des Berner Kunstmuseums, Paul Klee, Band 1. Jür-
gen Glaesemer, Paul Klee, Die farbigen Werke im Kunstmuseum Bern,
Bern 1976, S. 264-266.
5 Jim M. Jordan, Paul Klee and Cubism, Princeton N. J., 1984 S. 196.
1 Curt Burgauer, in: Das lebenslängliche Interview. Die Sammlung Erna
und Curt Burgauer, St. Gallen, 1970, S. 15-16.