Volltext: Jahresbericht 1998 (1998)

zurückliegenden Restaurierung ist das Gemälde unter 
anderem mit Kleister auf eine zweite Leinwand doubliert 
worden. Dabei ging in den gelben, orangen und roten 
Partien im Bereich der Sonne und deren Reflektion 
im Wasser originale Farbe durch Anlösen und Abrieb 
verloren. Diese Stellen wurden anschliessend mit dicken, 
warmtonigen Lasuren grossflächig übermalt. Zum 
Schluss wurde das Bild mit einem dicken Naturharzfirnis 
überzogen. Um eine genaueres Verständnis für diese 
starken «Verputzungen», die sich fast ausschliesslich in 
den gelben, orangen und roten Farbtönen fanden, zu 
erhalten, wurden ım Labor für Kunsttechnologische For- 
schung des Schweizerischen Institut für Kunstwissen- 
schaft naturwissenschaftliche Untersuchungen durch- 
geführt. Deren Ergebnisse erbrachten leider nicht die 
gewünschte Auskunft über die Ursache der Verput- 
zungen, aber wertvolle maltechnische Informationen, 
wie die Verwendung von Leinöl in unterschiedlichen 
Anteilen in der Malfarbe. Als Pigmente konnten Blei- 
weiss, Chromrot, Zinnoberrot, Chromorange, Chrom- 
gelb und ein gelber Farblack nachgewiesen werden. 
Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, den 
verbräunten Firnis und die Übermalungen abzunehmen. 
Ausschlaggebend für diesen Entscheid war die Tatsache, 
dass Monets Bilder aus dieser Zeit nicht gefirnisst waren. 
Ein Firnis sättigt die Originalfarbe, verleiht ihr Tiefen- 
licht, was zu einer intensiveren Farbigkeit führt. Der 
alterungsbedingt verbräunte Firnis verursachte darüber 
hinaus eine starke Farbverfälschung. Nicht zuletzt 
störten die grossflächigen lasierenden Übermalungen, 
die der konkreten Form der Originalmalerei nicht ent- 
sprachen. Die sehr gute Haftung der Doublierleinwand 
liess uns von deren Abnahme Abstand nehmen. Ver- 
suche zur Löslichkeit des Firnis zeigten, dass sich dieser 
relativ gut entfernen liess. Schon bei der kleinen Probe- 
fläche sah man, dass das Bild anschliessend wesentlich 
<ühler wirken würde. Das in kunsthistorischen Kreisen 
irrtümlich als das warmtonigste Werk der «Themse- 
Serie» geltende Gemälde entpuppte sich als kühlere Vari- 
ante. Die notwendigen Retouchen und Ergänzungen 
wurden in Acrylfarbe ausgeführt, damit sie von der origi- 
nalen Ölfarbe unterscheidbar bleiben. Die Retouchierar- 
beiten grenzten in ihrem Umfang an eine Rekonstruk- 
tion. Das Resultat einer solchen Rekonstruktion kann 
natürlich nie restlos befriedigen und Monets originale 
Malerei nicht mehr ersetzen. Trotzdem kommt das 
Gemälde durch diese Restaurierung dem originalen 
Erscheinungsbild wieder wesentlich näher. HpM 
Graphische Sammlung und Photosammlung 
Die neue Organisation der Restaurierungsabteilung 
ermöglicht eine bessere konservatorische Betreuung 
sowohl der Graphik- als auch der Photosammlung des 
Kunsthauses. Die zunehmende Zahl sehr grosser und 
gerahmter Photoarbeiten erforderte einen eigenen Lager- 
raum. Für die ungerahmten grossformatigen Photoar- 
beiten von Cindy Sherman, Cecile Wick, Felix Stefan 
Huber u.a. mussten zweckmässige Lösungen für Auf- 
hängung und Aufbewahrung gefunden werden. In der 
Graphischen Sammlung wurde mit dem Aufbau einer 
ausführlichen Dokumentation der Zustandskontrollen 
für Leihgaben an Ausstellungen begonnen. Dadurch 
können Probleme frühzeitig erfasst und nach Möglich- 
keit bearbeitet werden. Die Erfahrung zeigt, dass vorbeu- 
gende, sachgemässe Montierung die Kunstwerke lang- 
fristig vor Beschädigungen schützt und kostspielige 
Restaurierungsarbeit vermeiden lässt. Auch der ästheti- 
sche Gesamteindruck wird dabei diskutiert und bei 
Bedarf verbessert. Solche Arbeiten wurden vor allem für 
die Ausstellungen Ferdinand Hodler —- Tanz und Streit und 
Lothar Baumgarten — Terra incognita sowie die Leihgaben 
von Ludwig Hess an die Ausstellung /tinerari sublimi, 
Viaggi d’artisti tra 1750 e 1850 in Lugano durchgeführt. JR 
Liste der behandelten Gemälde 
Inv. Nr. 
468 Wilhelm Füssli 
190 Johannes Kölla 
2410 Franz von Lenbach 
Römerin 
Beim Gerber 
Bildnis Frau Camille 
Meyer, 1900 
Pastorale mit dem Kon- 
stantinsbogen, 1648 
Painting grey, 1942 
Le Parlament, coucher de 
soleil, 1904 
1996/2 Claude Lorrain 
1979/66 Fritz Glarner 
1995/3 Claude Monet
	        
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