zurückliegenden Restaurierung ist das Gemälde unter
anderem mit Kleister auf eine zweite Leinwand doubliert
worden. Dabei ging in den gelben, orangen und roten
Partien im Bereich der Sonne und deren Reflektion
im Wasser originale Farbe durch Anlösen und Abrieb
verloren. Diese Stellen wurden anschliessend mit dicken,
warmtonigen Lasuren grossflächig übermalt. Zum
Schluss wurde das Bild mit einem dicken Naturharzfirnis
überzogen. Um eine genaueres Verständnis für diese
starken «Verputzungen», die sich fast ausschliesslich in
den gelben, orangen und roten Farbtönen fanden, zu
erhalten, wurden ım Labor für Kunsttechnologische For-
schung des Schweizerischen Institut für Kunstwissen-
schaft naturwissenschaftliche Untersuchungen durch-
geführt. Deren Ergebnisse erbrachten leider nicht die
gewünschte Auskunft über die Ursache der Verput-
zungen, aber wertvolle maltechnische Informationen,
wie die Verwendung von Leinöl in unterschiedlichen
Anteilen in der Malfarbe. Als Pigmente konnten Blei-
weiss, Chromrot, Zinnoberrot, Chromorange, Chrom-
gelb und ein gelber Farblack nachgewiesen werden.
Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, den
verbräunten Firnis und die Übermalungen abzunehmen.
Ausschlaggebend für diesen Entscheid war die Tatsache,
dass Monets Bilder aus dieser Zeit nicht gefirnisst waren.
Ein Firnis sättigt die Originalfarbe, verleiht ihr Tiefen-
licht, was zu einer intensiveren Farbigkeit führt. Der
alterungsbedingt verbräunte Firnis verursachte darüber
hinaus eine starke Farbverfälschung. Nicht zuletzt
störten die grossflächigen lasierenden Übermalungen,
die der konkreten Form der Originalmalerei nicht ent-
sprachen. Die sehr gute Haftung der Doublierleinwand
liess uns von deren Abnahme Abstand nehmen. Ver-
suche zur Löslichkeit des Firnis zeigten, dass sich dieser
relativ gut entfernen liess. Schon bei der kleinen Probe-
fläche sah man, dass das Bild anschliessend wesentlich
<ühler wirken würde. Das in kunsthistorischen Kreisen
irrtümlich als das warmtonigste Werk der «Themse-
Serie» geltende Gemälde entpuppte sich als kühlere Vari-
ante. Die notwendigen Retouchen und Ergänzungen
wurden in Acrylfarbe ausgeführt, damit sie von der origi-
nalen Ölfarbe unterscheidbar bleiben. Die Retouchierar-
beiten grenzten in ihrem Umfang an eine Rekonstruk-
tion. Das Resultat einer solchen Rekonstruktion kann
natürlich nie restlos befriedigen und Monets originale
Malerei nicht mehr ersetzen. Trotzdem kommt das
Gemälde durch diese Restaurierung dem originalen
Erscheinungsbild wieder wesentlich näher. HpM
Graphische Sammlung und Photosammlung
Die neue Organisation der Restaurierungsabteilung
ermöglicht eine bessere konservatorische Betreuung
sowohl der Graphik- als auch der Photosammlung des
Kunsthauses. Die zunehmende Zahl sehr grosser und
gerahmter Photoarbeiten erforderte einen eigenen Lager-
raum. Für die ungerahmten grossformatigen Photoar-
beiten von Cindy Sherman, Cecile Wick, Felix Stefan
Huber u.a. mussten zweckmässige Lösungen für Auf-
hängung und Aufbewahrung gefunden werden. In der
Graphischen Sammlung wurde mit dem Aufbau einer
ausführlichen Dokumentation der Zustandskontrollen
für Leihgaben an Ausstellungen begonnen. Dadurch
können Probleme frühzeitig erfasst und nach Möglich-
keit bearbeitet werden. Die Erfahrung zeigt, dass vorbeu-
gende, sachgemässe Montierung die Kunstwerke lang-
fristig vor Beschädigungen schützt und kostspielige
Restaurierungsarbeit vermeiden lässt. Auch der ästheti-
sche Gesamteindruck wird dabei diskutiert und bei
Bedarf verbessert. Solche Arbeiten wurden vor allem für
die Ausstellungen Ferdinand Hodler —- Tanz und Streit und
Lothar Baumgarten — Terra incognita sowie die Leihgaben
von Ludwig Hess an die Ausstellung /tinerari sublimi,
Viaggi d’artisti tra 1750 e 1850 in Lugano durchgeführt. JR
Liste der behandelten Gemälde
Inv. Nr.
468 Wilhelm Füssli
190 Johannes Kölla
2410 Franz von Lenbach
Römerin
Beim Gerber
Bildnis Frau Camille
Meyer, 1900
Pastorale mit dem Kon-
stantinsbogen, 1648
Painting grey, 1942
Le Parlament, coucher de
soleil, 1904
1996/2 Claude Lorrain
1979/66 Fritz Glarner
1995/3 Claude Monet