knappen aber repräsentativen Werküberblick abgerundet
werden, der sich erstaunlich regen Besuches erfreute. Die
Einfügung in den weiteren Kontext des Kunsthauses von
Hodler über Kokoschka und Schiele bis zu Max Ernst
verdeutlichte die europäische Dimension des Künstlers.
Bei den Neuzugängen sind an erster Stelle wiederum
sehr wertvolle Geschenke zu nennen, die sich, jedes in
seiner Art, durch einen sehr eigenen, ausgeprägten Cha-
rakter auszeichnen. Herr Zumsteg, seit Jahrzehnten dem
Kunsthaus eng verbunden, überraschte uns mit Füsslis
Herakles erlegt den Adler des Prometheus. In der Darstellung
der Erlösung des Titanen durch den Heros entfaltet
Füssli extreme Spannungen sowohl in den gewaltigen
Körpern als auch in der waghalsigen räumlichen Situa-
tion - zentrale Aspekte seiner «prometheischen» Kunst,
die in unserer mehr aufs «Wunderbare» und Märchen-
hafte ausgerichteten Werkgruppe erst durch das neue
Bild voll zur Geltung kommen. Im Anschluss an die
Ausstellung Vox Anker bis Zünd — die Kunst im jungen Bun-
desstaat schenkte Frau Erica Wipf der Vereinigung Zür-
cher Kunstfreunde Die Kappeler Milchsuppe von Albert
Anker, eines seiner wenigen Historienbilder, das sowohl
durch seine Gestaltung als auch dank seines Themas zu
den zentralen und berühmtesten Werken der Schweizer
Malerei des 19. Jahrhunderts zählt. Sicher ist für diese
Darstellung aus der Reformationsgeschichte das Zürcher
Kunsthaus der richtige Ort, wo bereits Pestalozzi und die
Waisenkinder in Stans hängt: mit diesen beiden program-
matischen Bildern mahnte Anker 1869 zum Frieden und
1870 zur Fürsorge für die Kriegsopfer.
Bei den Geschenken aus dem Bereich der klassischen
Moderne muss an erster Stelle ein hervorragendes
Gemälde von Henri Matisse, Nature morte — buffet et table
genannt werden, dessen Erwerbung einmal mehr Herr
Peter Alther durch eine ausserordentliche Zuwendung
aus dem Holenia Trust im Andenken an Joseph H.
Hirshhorn ermöglichte. Das Bild nimmt in der frühen
Entwicklung des Künstlers eine bedeutende Stellung ein
und fügt sich mit mannigfachen und erstaunlichen
Bezügen in die Werkgruppen französischer Künstler um
1900 im Kunsthaus ein. Es befand sich längere Zeit in
der Sammlung von Margit und Rolf Weinberg, die durch
einen sehr erheblichen Verzicht gegenüber dem angebo-
tenen Marktpreis wesentlich zu dieser Erwerbung bei-
:rugen. Herr und Frau Bruno und Odette Giacometti
entschlossen sich, vier Steine, die Max Ernst 1935 bei
seinem Aufenthalt in Maloja suchte und bemalte, der
Vereinigung Zürcher Kunstfreunde zu schenken. Annetta
Giacometti hat diese «Hausgeister» aus der Moräne des
Forno-Gletschers stets liebevoll gehütet. Hier verbindet
sich dadaistische Geste und surrealistisches o4jet troxve in
einem glücklichen Moment im Hochgebirge zu etwas
archaisch und kindlich Ursprünglichem voll geheimer
Poesie. Ebenfalls aus dem Haus Giacometti stammen 27
Bücher, in die Alberto in seiner nimmermüden Zeich-
nungslust vorn und hinten, neben und über dem Text
skizzierte: Bruno und Odette Giacometti haben nun
diese sehr persönlichen Zeugnisse der Alberto Giaco-
metti-Stiftung übergeben. Über die hervorragende
künstlerische Qualität einiger dieser «Einträge» hinaus
Saszinieren sie vor allem durch ihre Spontaneität, durch
den direkten Einblick in die Situation ihrer Entstehung.
Zahlreich sind die Kopien neben Abbildungen in Kunst-
büchern, die eine Vorstellung von Albertos weitem
kunsthistorischen Horizont und den Quellen seiner Stil-
bildung vermitteln.
Auch von lebenden Schweizer Künstlern wurden
bedeutende Werke geschenkt. Herr und Frau Christian
und Antoinette Wittwer haben mit dem Bild Rot von
1960 unsere, für das spätere Werk repräsentative Gruppe
von Rolf Iseli mit einem der wichtigen frühen far-
bigen Gemälde vorzüglich abgerundet. Hermann Sigg
war bisher in der Sammlung erstaunlicherweise nicht
vertreten, obwohl das Kunsthaus bereits 1976 im Helm-
haus eine monographische Ausstellung organisiert hatte;
Frau Elisabeth und Minnie Bechtler wählten nun aus
der neuen, chinesisch inspirierten Serie Im Reich der
Mitte mit Nr. XI ein farblich besonders schönes Bild als
Geschenk aus. «How many nights I prayed for this» — so
nannte Stefan Banz seine gläsernen Turnsalons, die er
subtil inmitten der schwergewichtigen Werke der neue-
ren deutschen Maler plazierte; Friedrich Christian Flick
schenkte die minimalistisch präzise, technisch aber auf-
wendige Konstruktion der Vereinigung Zürcher Kunst-
freunde.