Volltext: Jahresbericht 1998 (1998)

Gottfried Keller: 
SIGMAR POLKE - 
MEDIEN-ALCHEMIE 
Sieben Legenden. Zürich: Rascher, 1919, = Schweizerische 
Bibliothek, 12. IV, 112 S., 18 cm. Inv. Nr. GS 212, Stand- 
ort P 231:31 
Vorderes Vorsatzblatt: Kopf (Bleistift) 
Hinteres Vorsatz: Zahlen (Rahmenmass?) (Tinte) 
Guy de Maupassant: 
Pierre et Jean. Dessins de Geo-Dupuis, gravure sur bois de 
G. Lemoine. - Paris: Societe d’Editions Litteraires et 
Artistiques, 1906, = (Euvres completes illustrees de Guy 
de Maupassant. 297 S., Ill., 17,5 cm. Inv. Nr. GS 213, 
Standort P 231:32. Alle Zeichnungen in Bleistift 
5. 9: Kaffeekanne 
S. 11: Speichenräder und Kreise 
S. 108: Rand-Ornament 
S. 137: Kringel 
S. 224: eine auf einzelne Striche reduzierte Figur 
5. 225: tänzerische Figur 
Hinteres Vorsatzblatt: Kopf 
Agatha Christie: 
A. B. C. contre Poirot. Paris: Librairie des Champs-Ely- 
ses, 1956, = Le masque. 254 S., 17,3 cm. Inv. Nr. GS 
214. Standort P 231:33 
Vorderes Vorsatzblatt: «abstrakte» Zeichnungen (blauer 
Kugelschreiber, hinten auch Tinte) 
5. 19: Gekritzel (Kugelschreiber) 
5. 23: Gekritzel (Schlaufe) (Kugelschreiber) 
5. 28: Gekritzel (Kugelschreiber) 
S. 63: grosser frontaler, auf die Hand gestützter Kopf 
Hinteres Vorsatzblatt: zwei Köpfe, Abstraktionen 
(Kugelschreiber, Tinte, stumpfer Bleistift) 
ALK/TR 
Sigmar Polke (geboren 1941 in Öls, Schlesien) hat seit 
den frühen 60er Jahren mit grosser Verve und Intelligenz 
alle Arten von Bildwirklichkeiten dekonstruiert und 
zugleich einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung der 
Malerei geschaffen. Eine der Konstanten in Polkes Werk 
ist das aus der Zeitung gepflückte, gerasterte Bild. Von 
heute aus gesehen erstaunt deshalb nicht, dass er sich 
auch der Druckgraphik mit dem ihm eigenen freiheitslie- 
benden Forschergeist zugewandt hat als einem willkom- 
menen Meta-Ort des Medialen und der Kulturhierar- 
chien. Immer ist Polkes Augenmerk gleichzeitig auch auf 
das Bild als Image mit all seinen poetischen, psychologi- 
schen und kulturellen Potentialen, auf die Photographie, 
das Persönliche, das Anonyme und nicht zuletzt auf das 
ganz sinnlich Materielle des künstlerischen Ausdrucks 
gerichtet. Vieles schon früh auf diesem Gebiet von Polke 
in geradezu medienalchemistischer Manier Geschaffene 
scheint erst heute in allen Konsequenzen auslotbar 
zeworden, nachdem jüngere Künstler sich ebenfalls 
Zacetten der medialen Wahrnehmungsrealität als dringli- 
:her Themen vorgenommen haben. 
In der Sammlung des Kunsthauses befindet sich 
bereits das grossformatige Werk «Neid und Habgier», 
1985, in welchem die charakteristischen Rasterpunkte 
weiss auf schwarz und in extremer Vergrösserung das 
Bild zweier sich streitender Hunde wiedergeben. Die 
Hunde stammen ursprünglich aus dem Sprichwörter- 
3ild von Pieter Brueghel und haben offensichtlich eine 
lange Reise durch die Medien hinter sich gebracht. Dazu 
kamen in der Graphischen Sammlung schon früher das 
Einzelblatt «Freundinnen» von 1967 und die beiden 
wichtigen Mappenwerke «...Höhere Wesen befehlen» 
von 1968 und «Kölner Bettler» von 1972. 1998 wurde
	        
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