Gottfried Keller:
SIGMAR POLKE -
MEDIEN-ALCHEMIE
Sieben Legenden. Zürich: Rascher, 1919, = Schweizerische
Bibliothek, 12. IV, 112 S., 18 cm. Inv. Nr. GS 212, Stand-
ort P 231:31
Vorderes Vorsatzblatt: Kopf (Bleistift)
Hinteres Vorsatz: Zahlen (Rahmenmass?) (Tinte)
Guy de Maupassant:
Pierre et Jean. Dessins de Geo-Dupuis, gravure sur bois de
G. Lemoine. - Paris: Societe d’Editions Litteraires et
Artistiques, 1906, = (Euvres completes illustrees de Guy
de Maupassant. 297 S., Ill., 17,5 cm. Inv. Nr. GS 213,
Standort P 231:32. Alle Zeichnungen in Bleistift
5. 9: Kaffeekanne
S. 11: Speichenräder und Kreise
S. 108: Rand-Ornament
S. 137: Kringel
S. 224: eine auf einzelne Striche reduzierte Figur
5. 225: tänzerische Figur
Hinteres Vorsatzblatt: Kopf
Agatha Christie:
A. B. C. contre Poirot. Paris: Librairie des Champs-Ely-
ses, 1956, = Le masque. 254 S., 17,3 cm. Inv. Nr. GS
214. Standort P 231:33
Vorderes Vorsatzblatt: «abstrakte» Zeichnungen (blauer
Kugelschreiber, hinten auch Tinte)
5. 19: Gekritzel (Kugelschreiber)
5. 23: Gekritzel (Schlaufe) (Kugelschreiber)
5. 28: Gekritzel (Kugelschreiber)
S. 63: grosser frontaler, auf die Hand gestützter Kopf
Hinteres Vorsatzblatt: zwei Köpfe, Abstraktionen
(Kugelschreiber, Tinte, stumpfer Bleistift)
ALK/TR
Sigmar Polke (geboren 1941 in Öls, Schlesien) hat seit
den frühen 60er Jahren mit grosser Verve und Intelligenz
alle Arten von Bildwirklichkeiten dekonstruiert und
zugleich einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung der
Malerei geschaffen. Eine der Konstanten in Polkes Werk
ist das aus der Zeitung gepflückte, gerasterte Bild. Von
heute aus gesehen erstaunt deshalb nicht, dass er sich
auch der Druckgraphik mit dem ihm eigenen freiheitslie-
benden Forschergeist zugewandt hat als einem willkom-
menen Meta-Ort des Medialen und der Kulturhierar-
chien. Immer ist Polkes Augenmerk gleichzeitig auch auf
das Bild als Image mit all seinen poetischen, psychologi-
schen und kulturellen Potentialen, auf die Photographie,
das Persönliche, das Anonyme und nicht zuletzt auf das
ganz sinnlich Materielle des künstlerischen Ausdrucks
gerichtet. Vieles schon früh auf diesem Gebiet von Polke
in geradezu medienalchemistischer Manier Geschaffene
scheint erst heute in allen Konsequenzen auslotbar
zeworden, nachdem jüngere Künstler sich ebenfalls
Zacetten der medialen Wahrnehmungsrealität als dringli-
:her Themen vorgenommen haben.
In der Sammlung des Kunsthauses befindet sich
bereits das grossformatige Werk «Neid und Habgier»,
1985, in welchem die charakteristischen Rasterpunkte
weiss auf schwarz und in extremer Vergrösserung das
Bild zweier sich streitender Hunde wiedergeben. Die
Hunde stammen ursprünglich aus dem Sprichwörter-
3ild von Pieter Brueghel und haben offensichtlich eine
lange Reise durch die Medien hinter sich gebracht. Dazu
kamen in der Graphischen Sammlung schon früher das
Einzelblatt «Freundinnen» von 1967 und die beiden
wichtigen Mappenwerke «...Höhere Wesen befehlen»
von 1968 und «Kölner Bettler» von 1972. 1998 wurde