Volltext: Jahresbericht 2000 (2000)

Anmerkungen zur Semantik des Wassers. Durch die 
Wechselwirkungen von Bild und Text beginnen abge- 
griffene Wahrnehmungsmuster ineinanderzufliessen, 
am selbstverständlichsten an den Schnittstellen zwi- 
schen sinnlicher Wahrnehmung und poetischer Meta- 
phorik. 
Am Anfang von Nic Hess’ künstlerischer Ausein- 
andersetzung stand die Zeichnung. In seinen Installa- 
tionen arbeitet er mit zwei ungleichen Materialien, 
der Kohle und dem Klebband. Stile und Symbole der 
Hochkunst, wie etwa Munchs Meisterwerk auf dem 
Blatt 7he Scream, werden durch die ständig beschleu- 
nigten Datentransfers den berühmten Firmenlogos 
mit der Nike-Sohle und der zum Sprung ansetzenden 
Puma-Katze angeglichen. Hess interessiert sich für das 
Mehrdeutige und Unkontrollierbare der modernen 
Warenzeichen, für ihre Symbole als Sympathieträger 
einer über Sprachgrenzen und Traditionen hinweg 
operierenden neuen und alten Welt, zu der auch die 
Kunstgeschichte gehört. 
Wenn Christiane Dubois in ihren Pinselätzungen 
Cräne Tund IT die Hohlräume des menschlichen Schä- 
dels miteinander verknüpft und durch den porösen 
Umriss mit dem Aussenraum kommunizieren lässt, 
dann scheint sie als Künstlerin mit vielen Neurowis- 
senschaftern und Philosophen in einen Dialog zu tre- 
ten, die heute überzeugt sind, dass Gedanken, Emp- 
findungen und Erinnerungen ausschliesslich mit phy- 
siologischen Vorgängen im Körper und vor allem im 
Gehirn zusammenhängen. Ein Computer fällt aus, 
wenn irgendwo ein Schaltkreis durchbrennt, während 
ein kleiner Hirninfarkt oft gar nicht bemerkt wird, 
weil andere Gebiete die Aufgabe übernehmen. Tiefe 
Verätzungen hinter den Augenhöhlen zeugen von 
dem nicht immer konstruktiven Zusammenspiel der 
einzelnen Hirnareale. Dubois' energischer, strecken- 
weise stockender, dann wieder frei improvisierender 
Strich erweckt den Eindruck, als ob das Bewusstsein in 
der Regel hinterherhinke und nur im Nachhinein 
wahrnehme, was die Hand mit dem Hirn gerade tut. 
Als ehemaliger Leiter der Graphischen Werkstatt 
für Lithographie und Radierung (1958 —- 67) und Lehr- 
Deauftragter für figürliches Zeichnen an der ETHZ 
(1975 — 82) ist Klaus Däniker in Zürich vielen Gra- 
phikfreunden ein Begriff. Wir hatten das Glück, in sei- 
nem Höngger Atelier eine Gruppe erlesener Probe- 
drucke aus den sechziger und neunziger Jahren für un- 
sere Sammlung zu erwerben. Sie beweisen die frühe 
Meisterschaft, die sich Däniker in den Pariser Ateliers 
von S.W. Hayter und J. Friedländer auf dem Gebiet 
der abstrakten Farbradierung erworben hatte. Durch 
seine Experimentierfreude und rege Beteiligung an in- 
:ernationalen Ausstellungen hat sich Däniker auch 
ınter Sammlern einen Namen gemacht. 
Einige Ankäufe zur Erweiterung unserer Bestände 
seien nur kurz erwähnt. Aus der Zeichnungsinstalla- 
tion ein ganzes Leben in der Kunsthalle St.Gallen konn- 
ten wir von Thomas Müllenbach vier Bleistiftzeich- 
nungen erwerben. Mit seinen farbigen Arbeiten der 
achtziger Jahre, von denen die Graphische Sammlung 
drei Werke besitzt, verbindet sie Müllenbachs Inter- 
esse an den elementaren künstlerischen und wahrneh- 
mungspsychologischen Erfahrungen im Umgang mit 
den Dingen des Alltags. Vom Zero-, Material- und 
Medienkünstler herman de vries konnten zwei Editio- 
aen aus den Jahren 1998/99 erworben werden. Seine 
mehr als vier Jahrzehnte umspannende künstlerische 
Tätigkeit kreist um das Verhältnis von Transitorischem 
und Geordnetem in Kunst, Wissenschaft und Natur. 
Unter den klassischen Meistern der Moderne erwäh- 
nen wir die Landschaftsskizze mit den altmeisterlich 
präzisen Farbangaben von Felix Vallotton sowie die 
aus dem Nachlass zusammengestellte Gruppe von 
Tierstudien und das Selbstbildnis von Ernst Georg 
Rüege. BvyW
	        
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