Blätt er von Dürer, Gessner, Füssli, Hodler, van Gogh
und Cézanne. Der reiche Skizzenbuchbestand war
durch die zwei vorzü gliche n Exemplare von Füss li und
Géricault vertreten. Füsslis Jugendalbum schlug den
Bogen zu unseren Beständen an Schweizer Alt meiste rn
des 16. und 17. Jahrhunderts, die schon das zehnjäh-
rige W underkind mit seinem unvergleichlichen Spür-
sinn für das Dramatische und Groteske reichlich
auszuschlachten verstan d.
Der Haup tsaal war dem 20. J ahrhun dert vorbehal-
ten. Drei wan dfülle nde Arbeiten von Miriam Cahn,
Vito Acconci und Joseph Beuys kontrastierten mit
kleineren Werken der Klas sische n Moderne. Je eine
Vitrine war den Begründern des Aktionismus (D ada),
der Künstleredition (Mar cel Broodthaers) und der als
Gebrauchsgegenstand getarnten künstlerischen Idee
gewi dmet (Joseph Be uys). Mit Nic Hess öffnete sich
der Blick ins neue Jahrtausend. BvW
AUSSTELLUNGEN IM ERDGESCHOSS
Sigmar P olke. Die gesamten Editionen (1963–2000)
Der erste Er dgeschoss- S aal war verstellt mit dünn-
beinigen Tischvitrinen: In ihnen ausgebre it et fand en
sich früheste Beispiele von Polkes intelligentem und
analytisch-experimentellem Umgang mit «Druc ksa-
chen »: Einladungskarten, Layout-Maquetten, etwa zu
einem gemeinsamen kleinen Katalog mit Gerhar d
Ric hter , Zeitungen, fotokopierte Hefte, k ünstle rische
Bei träge in Gruppenpublikationen usw. Alles Exempel
auch, die zeigen, wie di eser Kün stler sehr früh das
Wesen des Offsetdrucks in allen Facetten ernst nahm
und es sich für seine grenzüberschreitende Kreativität
gefügi g machte .
Die in Zusammenarbeit mit Martin Hentschel und
dem Württembergischen Kunstverein organ isi erte
Ausstellung, we lche sich über zwei Etagen entwickelte,
liess grossen Reichtum und Kohärenz erkennen.
Si gmar Polkes druck grap hisches Werk ist für sich
gen ommen höchst bedeutend und verweist doch im-
mer wieder auf seine Malerei. Auch die Photographie,
der sich Polke seit Ende der 60er Jahre extensiv
zugewandt hat, diente häufi g als Ausgangspunkt für
druck grap hische Prozesse.
Den Schlusspunkt der Ausstellung bildete das g rosse
Bild Neid und Habgier aus der Sammlun g des Kunst-
hauses, in we lchem die für Polkes Gesamtwerk char ak-
te risti schen Rasterpunkte weiss auf schw arz und in ex-
tr emer V ergrösserung das Bild zweier sich streitender
Hunde wiedergeben. Sie stammen ursprün gli ch aus
dem Sprichwörter-Bild von Pieter Brueghel und haben
offensichtlich eine lange Reise durch die Medien und
die Kulturhierarchien hinter sich gebracht. Ein
vergnügliches «Scharn ie r» in der Ausstellung bildete
der kleine Raum mit der «Bi lde rd usche», ein mit
manipulierten Fotokopien tape zi ertes Kabinettstück,
das ein mal mehr zeigte, wie dieser Künstler mit humo-
ri g-listi gen Strategien mit dem Aller alltägli chsten zu
verblüff en und ve rzaubern vermag. BC
AUSSTELLUNGEN IN DER SAMMLUNG
Thomas Hirschhorn. «Wir t schaft slandschaf t Dav os»
Von weitem fiel der blaue Plasti kbaldac hin mit den
gr ellen Neonleuchten auf, w elche in den hohen
Räumen der S ammlung aus dem «Baselitz-Raum»
hervorschaut en. Und wer von der Balustrad e herunter-
blickte, sah nicht nur die im Winde wehende Schwei-
zerfahne, sondern eine in musealem Umfeld hö chst
ungewohnte Situation, wo Stacheldraht und Plastik
die Sicht auf die übli cherwe ise hier zu sehenden Bilder
fast vollstän dig ve rstellt e. Wie eine künstlerische
Okkupation nahm sich Tho mas H irschho rns «Wi rt-
schaftsland s chaf t Davos» aus.
Der 1957 in Bern geborene, in Davos aufgew ach-
sene und in Paris leben de Künstle r schuf aus A nlass des
ihm zugesprochenen Preises «Junge Schweizer Kunst»
der Zürcher Kunstgesellschaft ein grosses P an orama
aus bemaltem Kart on, aus Plastikbahnen und Klebe-
bändern. Eine gewaltig und liebevoll wirkende, hand- 17