Volltext: Jahresbericht 2001 (2001)

Blätt er von Dürer, Gessner, Füssli, Hodler, van Gogh 
und Cézanne. Der reiche Skizzenbuchbestand war 
durch  die zwei vorzü gliche n Exemplare von Füss li und 
Géricault vertreten. Füsslis Jugendalbum schlug den 
Bogen zu unseren Beständen an Schweizer Alt meiste rn 
des 16. und 17. Jahrhunderts, die schon das zehnjäh- 
rige W underkind mit seinem unvergleichlichen Spür- 
sinn für das Dramatische und Groteske reichlich 
auszuschlachten verstan d. 
Der Haup tsaal war dem 20. J ahrhun dert vorbehal- 
ten. Drei wan dfülle nde Arbeiten von Miriam Cahn, 
Vito Acconci und Joseph Beuys kontrastierten mit 
kleineren Werken der Klas sische n Moderne. Je eine 
Vitrine war den Begründern des Aktionismus (D ada), 
der Künstleredition (Mar cel Broodthaers) und der als 
Gebrauchsgegenstand getarnten künstlerischen Idee 
gewi dmet (Joseph Be uys). Mit Nic Hess öffnete sich 
der Blick ins neue Jahrtausend.                            BvW 
AUSSTELLUNGEN IM ERDGESCHOSS 
Sigmar P olke. Die gesamten Editionen (1963–2000) 
Der erste Er dgeschoss- S aal war verstellt mit dünn- 
beinigen Tischvitrinen: In ihnen ausgebre it et fand en 
sich früheste Beispiele von Polkes intelligentem und 
analytisch-experimentellem Umgang mit «Druc ksa- 
chen »: Einladungskarten, Layout-Maquetten, etwa zu 
einem gemeinsamen kleinen Katalog mit Gerhar d 
Ric hter , Zeitungen, fotokopierte Hefte, k ünstle rische 
Bei träge in Gruppenpublikationen usw. Alles Exempel 
auch, die zeigen, wie di eser Kün stler sehr früh das 
Wesen des Offsetdrucks in allen Facetten ernst nahm 
und es sich für seine grenzüberschreitende Kreativität 
gefügi g machte . 
Die in Zusammenarbeit mit Martin Hentschel und 
dem Württembergischen Kunstverein organ isi erte 
Ausstellung, we lche sich über zwei Etagen entwickelte, 
liess grossen Reichtum und Kohärenz erkennen. 
Si gmar Polkes druck grap hisches Werk ist für sich 
gen ommen höchst bedeutend und verweist doch im- 
mer wieder auf seine Malerei. Auch die Photographie, 
der sich Polke seit Ende der 60er Jahre extensiv 
zugewandt hat, diente häufi g als Ausgangspunkt für 
druck grap hische Prozesse. 
Den Schlusspunkt der Ausstellung bildete das g rosse 
Bild Neid und Habgier aus der Sammlun g des Kunst- 
hauses, in we lchem die für Polkes Gesamtwerk char ak- 
te risti schen Rasterpunkte weiss auf schw arz und in ex- 
tr emer V ergrösserung das Bild zweier sich streitender 
Hunde wiedergeben. Sie stammen ursprün gli ch aus 
dem Sprichwörter-Bild von Pieter Brueghel und haben 
offensichtlich eine lange Reise durch die Medien und 
die Kulturhierarchien hinter sich gebracht. Ein 
vergnügliches «Scharn ie r» in der Ausstellung bildete 
der kleine Raum mit der «Bi lde rd usche», ein mit 
manipulierten Fotokopien tape zi ertes Kabinettstück, 
das ein mal mehr zeigte, wie dieser Künstler mit humo- 
ri g-listi gen Strategien mit dem Aller alltägli chsten zu 
verblüff en und ve rzaubern vermag.                        BC 
AUSSTELLUNGEN IN DER SAMMLUNG 
Thomas Hirschhorn. «Wir t schaft slandschaf t Dav os» 
Von weitem fiel der blaue Plasti kbaldac hin mit den 
gr ellen Neonleuchten auf, w elche in den hohen 
Räumen der S ammlung aus dem «Baselitz-Raum» 
hervorschaut en. Und wer von der Balustrad e herunter- 
blickte, sah nicht nur die im Winde wehende Schwei- 
zerfahne, sondern eine in musealem Umfeld hö chst 
ungewohnte Situation, wo Stacheldraht und Plastik 
die Sicht auf die übli cherwe ise hier zu sehenden Bilder 
fast vollstän dig ve rstellt e. Wie eine künstlerische 
Okkupation nahm sich Tho mas H irschho rns «Wi rt- 
schaftsland s chaf t Davos» aus. 
Der 1957 in Bern geborene, in Davos aufgew ach- 
sene und in Paris leben de Künstle r schuf aus A nlass des 
ihm zugesprochenen Preises «Junge Schweizer Kunst» 
der Zürcher Kunstgesellschaft ein grosses P an orama 
aus bemaltem Kart on, aus Plastikbahnen und Klebe- 
bändern. Eine gewaltig und liebevoll wirkende, hand- 17
	        
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