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mit dem nötigen wirtschaft l i chen Erfolg. Sisl ey war
damal s sehr pr oduktiv und hatte 1883 bei Durand-Rue l
eine Ausstellung mit sechzig Werken; unser Bild ent-
stand im Hinblic k auf eine weitere Ausstellung. Für
ihre Produktivität zogen sich Sisley wie der gleichfalls
fleissige Monet den Argwohn anderer Künstler zu, vor
allem von Paul Gauguin.
Seit 1880 lebte Sisley in Moret-sur-Loing; weil ihm
das Klima dort nicht bek am, zog er 1883 nach Les
Sablons. Trotz k ontinuierlicher Verkäufe war er meis-
tens in Geldnöt en und gelegentlich hoch verschuldet,
sodass Durand-Ruel inständig um kleinere Bilder bat,
die sich bes ser verkaufen liessen. Alfred Sisl ey wird
gelegentlich nachgesagt, dass er w eniger ausdrucks-
stark sei als seine Zeitgenossen Pissarro und Mone t,
gleichwohl finden sich in se inem Œuvre zahlreiche
Werke von aussergewöhnlicher Qualität, die ihm die
Zuneigung der Kenner sichert. Sisleys Bilder gehören
unabding bar zu einer Impressionistensammlung von
Rang, und nicht zuletzt des halb schlies st das Ver-
mächtni s eine beträchtliche Lücke: Wir verdanken
Marguerite Abraha m «unseren ers ten Sisley», und mit
«La route» ist ein Qualitätsmassstab für weitere
Erwerbungen ges etzt und viell eicht auch für weitere
Sisley-Geschenk e an die Sammlung? Christoph
Beck er
AN DEN GRENZEN DES PLASTISCHEN
GESTALTENS
DREI NEUE WERKE ALBERTO GIACOMETTIS
AUS DEN MITTLEREN DREISSIGER JAHREN
Sk ulptur der späteren dreissiger Jahre! Ein Ge-
schlecht germanischer Recken, antikischer Heroen,
von Helden und Heldinnen der Arbeit marschiert vor
dem inner en Auge auf, mit Hamme r und Sichel vor-
s türmend, in athletischer Pose Schwerter und Fackel
schwingend. Brandenbergers «W ehrwille», aus Hod-
lers Jenenser W andbild für die «W ehrhafte Schweiz»
der Landi 39 entwick elt und noch stets vor der Turn-
halle an der Rämistrasse, bietet nur einen schwachen,
friedlic h demokratischen Abglanz der expansiv stäh-
l ernen Muskelpakete, die von Rom über Paris und Ber-
lin bis Mos kau überlebensgross die Metropolen
be herrschten.
Dieweil arbeitete in einem baufälligen Ate lier am
Rande von Montparnas se Alberto Giaco metti Tag für
Tag vor dem Mo dell an einem Kopf, der immer kleiner
und a morpher wur de, sich stets weiter von den rheto -
rischen Formeln in der Tradition der griechischen
Klassik entfernte auf der Suche nach einer ursprüng-
licheren, unmittelbareren
Lebendigk eit.1 Noch
zer-
brechlicher, fragiler, noch masse- und gewichtsloser,
dem V erschwinden nahe sind ein Flachrelief und zwei
unbekannt gebliebene Holzfig ür chen, die bei der Ein-
ric htung der neuen Giacometti-Räume als Geschenke
in die Sa mmlung integriert werden konnten. Als man
Diego 1970 die Schnitzer eie n se ines Bruder zeigte,
erinnerte er sich genau: «Ah, c’est cette femme avec la
sirène sur la
tête!»2 Alberto
habe sie als Spiegelgriffe
ge schaffen, und tatsächlich f inden sich seitlich am
Knauf der grösseren Figur zwei rechteckige Vertiefun-
gen, die auf eine Holzverbindung hinweisen. Er habe
da mals in Stampa verschiedene Gebrauchsgege n-
stände wie Tisch, Hock er, Kelle geschnitzt. In der Woh-