Volltext: Jahresbericht 2002 (2002)

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mit dem nötigen wirtschaft l i chen Erfolg. Sisl ey war 
damal s sehr pr oduktiv und hatte 1883 bei Durand-Rue l 
eine Ausstellung mit sechzig Werken; unser Bild ent- 
stand im Hinblic k auf eine weitere Ausstellung. Für 
ihre Produktivität zogen sich Sisley wie der gleichfalls 
fleissige Monet den Argwohn anderer Künstler zu, vor 
allem von Paul Gauguin. 
Seit 1880 lebte Sisley in Moret-sur-Loing; weil ihm 
das Klima dort nicht bek am, zog er 1883 nach Les 
Sablons. Trotz k ontinuierlicher Verkäufe war er meis- 
tens in Geldnöt en und gelegentlich hoch verschuldet, 
sodass Durand-Ruel inständig um kleinere Bilder bat, 
die sich bes ser verkaufen liessen. Alfred Sisl ey wird 
gelegentlich nachgesagt, dass er w eniger ausdrucks- 
stark sei als seine Zeitgenossen Pissarro und Mone t, 
gleichwohl finden sich in se inem Œuvre zahlreiche 
Werke von aussergewöhnlicher Qualität, die ihm die 
Zuneigung der Kenner sichert. Sisleys Bilder gehören 
unabding bar zu einer Impressionistensammlung von 
Rang, und nicht zuletzt des halb schlies st das Ver- 
mächtni s eine beträchtliche Lücke: Wir verdanken 
Marguerite Abraha m «unseren ers ten Sisley», und mit 
«La route» ist ein Qualitätsmassstab für weitere 
Erwerbungen ges etzt und viell eicht auch für weitere 
Sisley-Geschenk e an die Sammlung? Christoph 
Beck er 
AN DEN GRENZEN DES PLASTISCHEN 
GESTALTENS 
DREI NEUE WERKE ALBERTO GIACOMETTIS 
AUS DEN MITTLEREN DREISSIGER JAHREN 
Sk ulptur der späteren dreissiger Jahre! Ein Ge- 
schlecht germanischer Recken, antikischer Heroen, 
von Helden und Heldinnen der Arbeit marschiert vor 
dem inner en Auge auf, mit Hamme r und Sichel vor- 
s türmend, in athletischer Pose Schwerter und Fackel 
schwingend. Brandenbergers «W ehrwille», aus Hod- 
lers Jenenser W andbild für die «W ehrhafte Schweiz» 
der Landi 39 entwick elt und noch stets vor der Turn- 
halle an der Rämistrasse, bietet nur einen schwachen, 
friedlic h demokratischen Abglanz der expansiv stäh- 
l ernen Muskelpakete, die von Rom über Paris und Ber- 
lin bis Mos kau überlebensgross die Metropolen 
be herrschten. 
Dieweil arbeitete in einem baufälligen Ate lier am 
Rande von Montparnas se Alberto Giaco metti Tag für 
Tag vor dem Mo dell an einem Kopf, der immer kleiner 
und a morpher wur de, sich stets weiter von den rheto - 
rischen Formeln in der Tradition der griechischen 
Klassik entfernte auf der Suche nach einer ursprüng- 
licheren, unmittelbareren 
Lebendigk eit.1 Noch 
zer- 
brechlicher, fragiler, noch masse- und gewichtsloser, 
dem V erschwinden nahe sind ein Flachrelief und zwei 
unbekannt gebliebene Holzfig ür chen, die bei der Ein- 
ric htung der neuen Giacometti-Räume als Geschenke 
in die Sa mmlung integriert werden konnten. Als man 
Diego 1970 die Schnitzer eie n se ines Bruder zeigte, 
erinnerte er sich genau: «Ah, c’est cette femme avec la 
sirène sur la 
tête!»2 Alberto 
habe sie als Spiegelgriffe 
ge schaffen, und tatsächlich f inden sich seitlich am 
Knauf der grösseren Figur zwei rechteckige Vertiefun- 
gen, die auf eine Holzverbindung hinweisen. Er habe 
da mals in Stampa verschiedene Gebrauchsgege n- 
stände wie Tisch, Hock er, Kelle geschnitzt. In der Woh-
	        
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