Volltext: Jahresbericht 2002 (2002)

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malerische Spe kulation über die Malerei mit ihrer 
zwanglosen Verbindung von räumlicher Gleichzeitig- 
keit und Oberflächlichkeit zum eine n, zeitlicher 
Dis tanz und Tiefe zum andern. Damit greift das Bild 
über das vergleichsweise schlichte Repertoire der 
Pop-Art, der es gern zuger echnet wird, weit hinau s. 
Tobia Be zzola 
1Vgl. 
Dieter S chwarz, Richard Hamilton: In teriors, in: Richard Hamil- 
ton, Subjec t to an Impr ession, Kata log Kunsthalle Br emen 1998, S. 
48ff. 
2 Regie 
Douglas Sirk, Buch Samuel F uller, Columbia Pictures, USA 
1948. 
3Die 
2. Version befindet sich in der Sammlung der Tate Ga llery in Lon- 
don. Vgl. dazu Etienne Lul lin, Richard Hamil ton, Druc k graphik und 
Multiples 1 939– 2002, Kat alog Kunstmuseum Winterthur 2002, S. 80ff ., 
vgl. auch: N.N., in: The Tate Gallery 1 967-8, Jahresbericht der Tate 
Gallery, Lo ndon 1968, S. 60f. 
4 Kommentar 
von R.H. in James Scott’s Film über den Künstler 
(Richard Hamilton, Maya Productions, 1969), zitie rt nach einem Ein- 
zelbla tt im Nac hlass Bur gauer, Übers. T.B. 
5 Richard 
Hamilt on, zitie rt nach Katalo g Richard Hamilt on, Tate Ga llery 
1970, S. 50, Übers. T.B. 
6wie 
Anm. 3. 
übert rägt, entspringt ferner dem Wunsch, einen s pezi- 
fischen V orzug der Malerei gegenüber den szenischen 
Küns ten zu unterstreichen: «Im Kino oder im Thea ter 
sitzt man im Stuhl und sieht sich etwas an, das in einer 
sehr künstlichen Weise dargeboten wird; so dass man 
von der Handlung e ntfernt, von ihr is oliert wird. Die 
Malerei kann v ersuchen, diese Lücke zw ischen dem 
Betrachter und dem Bild zu schlies sen, er kann eher 
ein Teil des Bildes 
werden.»5 Die 
angesprochene Kluft 
zwischen Realraum und illusionärem Bildraum , zwi- 
schen abgebildete m Zeitpunkt und dem Mome nt der 
W ahrnehmung des Bildes scheint das Leitmotiv von 
«Interior I»zu sein. Eine Grundstimmung von Span- 
nung, Bekl emmung und Ungewis sheit, die sich im 
Films till bal lt, überträgt sich auf das Drama zwischen 
Gemälde und Betrachter: Der ins Bild montierte echte 
Spiegel k opiert uns in den Bildraum hinein, wirft uns 
aber auch auf das reale Interieur zurück, in welchem 
wir und das betrachtete Bild uns befinden. Die Spiege- 
lung ver doppelt sich, indem das Bild die Geschichte 
seiner eigene n Ents tehung erzählt, denn einer s einer 
früheren Zustände erscheint als Bild im Bild. Die sich 
er öffnenden Paradoxien werden w eiter orchestriert 
durch zwei zusätzliche, anspielungsreiche Bild-im- 
Bild-Motive: ein abstrahiertes Gemä lde nach einem 
farbigen Zeitungsf oto, das ursprünglich Julie Manet in 
ihrem Salon vor einem Gemälde von Be rthe Morisot 
zeigte, sowie eine eincollagierte Reproduktion einer 
Verkündigungs szen e, welche sich in einem der für die 
toskanische Frührenaissance typischen, ha lboffene n 
perspektivischen Idealräume abspielt. Die kunsthis- 
torischen Referenzen bekräftig e n die Schlüs s elinte n- 
tion: Hamilt ons «Interior I» offeriert eine komplexe
	        
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