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aber öffnete sich der Saal entspr echend der Weite der
Landschaft von New Mexiko, mit der die Künstlerin
zunehm end vertraut wur de. Der letzte Teil sollte den
Grossformaten des Spätwerks, das gewis se interes-
sante kunsthistorische «Vorwegnahmen» (wie Pop Art
und Farbfeldmalerei) zu offenbaren scheint, genügend
E ntf altungsra um biet en. – Die Ausstellung wurde
durch die Cr edit Suisse u nters tützt. BC
AUSSTELLUNGEN IM ERDGESCHOSS
F rancis Alÿs – Obra pictórica 1 991– 2002
Diese erste retrospektive Werkschau gab Einblick in
das malerische und zeichnerische Werk (Obra pic tóri-
ca) des in Me xico City lebenden belgischen Künstlers
Francis Alÿs (*1959). Be kannt wurde er durch seine
fot ografisch oder mit der Videokamera dok umentier-
ten «Spaziergänge». Leicht liessen sich in den unge-
fähr 40 Ölgemälden und 90 Zeichnung e n und Colla gen
der Aus stellung Bezüge zu diesen Pe rformance s fin-
den. Doch die in einer vom Künstler mitgestalteten
intimen Ins zenierung präs entierte Obra pic tórica ver-
hält sich zu den performative n Arbeite n nicht im Sinne
vorbereitender Skizzierung oder nachträglicher Auf-
zeichnung. Eher liesse sich von einer parallelen Weise
des Si chtbarmachens spr echen. Die F iktionalität von
Malerei und Zeichnung erlaubt eine Kombinatorik von
Motive n und Motivkreisen, ein Erproben mannigfacher
Sit u ationen und vielfältiger narrativer Digres sione n,
welche der F aktizität des P erformative n verwehrt
bl eiben. Alÿs’ kleinformatige Gemälde fungieren als
phantastische Merkzettel, Schaut afe ln, Spielbretter,
Urkunden oder Lagepläne, wo uns ve rschiedene Pro-
tagonisten – The Liar; The Prophet; The Positivist – in
sich v ervi e lfältigenden, abgewandelten, verfälschten,
gefälschten? Situatione n begegnen. Wie die He lden
eines Bilderbuchs für K inder bestehen sie ihre Aben-
teuer in ihrer Welt des Imaginären; der Sinn ihrer oft
seltsamen Handlungen entfaltet sich im po etischen
Verweisungszusammenhang des Gesamtwerks und
verschliesst sich einer rationalen Analyse eines einze l-
nen Bildes: «They are images and should live so. My
comments can only diminish their f unction and pr oper
role.» (Francis Alÿs)
Die Ausstellung war eine Kopr oduktion des Kuns t-
hause s Zür ich mit dem Centr o nazionale per le arti
contemporanee, Rom, und dem Museu Nacional
Centro de Arte Reina Sofia, Madri d, und wurde von der
Fondation Nestlé pour l’art unte rstützt. TB
Lori Hersberger – «Spin my Wheel»
Die Inst all ation «Spin my Wheel» konzipierte Lori Hers-
berger s peziell für das Kunsthaus. Der 1964 in Basel
geborene Künstler v erwande lte das Mu seum kurzer-
hand in sein Atelier und bearbeite te den Ausstellungs-
raum in einem mehrtägig e n «Work in Progress» von
ver schiedenen Seiten gleichzeitig. Er setzte da und dort
Akze nte, betrachtete und überdachte jeweils jeden
S chritt genau es tens, bis sich schliesslich die einzelnen
Teile zu einem Ganz en z usammenfü g ten. Mit grellleuch-
tenden Farben und grossflächigen Spiegeln insz eniert e
Lori Hersberger eine zugl eich verführ eri sche wie auch
irritier ende Arb eit. In der Aus stellu ng herrschte im Licht
der speziell geformten Neonröhren eine Atmosphäre
voll gel adener Spannung und hyb rider Emotionalität.
«Spin my Wheel» evozierte das Gefühl, ein dreidimen-
sionales Bild zu begehen und dabei ständig G efahr zu
l aufen, den Boden unter den Füs sen zu verlieren. Die
geschickte Ins zenierung von scheinbar unendlichen
Sp iege lungen erzeugte einen schwindelerregenden
Sog, der die Raumerfahrung in fast halluzinative Dimen-
sion en steigerte. Bewusst liess Lori Hersberger Ill usion
und Des illus ion, Überhöhung und Brechung scho-
nungslos aufeinandertreffen und verunmöglichte so
eine g a nzheitliche W ahrnehmung – entsprechend sei-
ner Überzeugung, dass Kunst heute einzig noch frag-
mentarisch oder aus F ragmente n z usamm enges etzt
bestehen kann. – Die Ausstellung wurde von der Bank
Julius Bär und der Burgauer Stift ung unters tützt. MV
David Shrigley
Die Ausstellung mit David Shrigley war die erste Mu-
seumspräsentation des jungen br itischen Künstlers