Volltext: Jahresbericht 2003 (2003)

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das Gehör, so dass Konve rsation für ihn nur noch 
schriftlich möglich ist. Sol che schriftlichen Dialog- 
f etzen verwendet Grigely als Grundlage für seine 
«Co nvers ation pieces», die eine rseits als öffe ntlic h- 
privater K o mmunikations raum funktionieren, ande- 
rerseits aber auch Bezüge zu Hogarths « Conve rsation 
Pieces» herstellen. Bei Grigely wird Text zum Bild und 
Kommunikation zu einer sow ohl optischen wie auch 
erzählerischen Erfahrung. 
Fast 400 Jahre nach Rudolf Meyers Geburt zeigten 
wir die erste Ausstellung dieses zu Unrecht verges- 
senen Zür cher Meisters. Meyer hinterliess ein um- 
fangreiches Werk, das im 19. J ahrhunderts in einen 
Sa mmelband montiert wurde. Eine angemessene 
Kons ervierung , insbes onder e der R öte lzeichnungen, 
erforderte die Auflösung des Konv oluts. Erst die wis- 
senschaftliche B e arbeitung und die P as s epartourie- 
rung der 330 Blätter unter restauratorischer Aufsicht 
schufen die nötige Voraussetzung für die weitere 
Beschäftigung mit dies em kostbaren Sammlungsgut. 
Im Altmeisterbereich las sen sich Ankäufe nur in 
Ausnahmefällen realisieren. Dank einer erfreulichen 
Zusammenarbeit mit einem Sammler und Kunst- 
fr eund konnten wir eine Gruppe von interessanten 
Porträtstudien von J.H.W. Tischbe in erwerben. Eig ent- 
lich haben wir uns zuers t für die reizvolleren Aquarel- 
le mit Tierdarstellungen und – im Hinblic k auf unsere 
Gessner-Bestände – die I dyllen des Oldenbur ger Mal ers 
erwärmt. Diese waren für Weimar bes timmt, so dass 
Züric h mit Lava ter seinen Anspruch auf das P hysio- 
gnomische erfolgreich ins Feld führ en k onnte. – Das in 
einer Zür cher Auktion aufgetauchte Aquarell von Cuno 
Amiet bildet das e ntscheidende Zw ischenglied zwi- 
schen den frühen, noch stark von der Äs thetik von 
Pont Aven und dem Jugendstil geprägten Entwürfen 
für die Aus schmückung der Loggia in der Treppenhal- 
le des Kuns thaus es und dem schliesslich ausgeführ- 
ten «Jungbrunnen». 
Auch in diesem Jahr sind einige bemerkenswerte 
Geschenke und Legat e zu verzeichnen, allen voran das 
Legat Leonie Tobler, ein umfassendes Kupferstich- 
kabinett in nuce, das wir im zweiten Teil des Jahres- 
beric hts genau er beschreiben (S. 73f f). Zuwachs im 
Ber eich der modernen Bildhauerzeichnung erhielt en 
wir dank der Schenkung von Frau Katharina Züst-Fel- 
ler mit fünf Arbeiten von Hans Aeschbacher, die ihre 
Mutte r direkt vom Künstler erworben hatte . Der Mal er, 
Zeichner und Illus trato r Alfred Bernegger war in den 
Jahrzehnten nach dem Krieg eine stadtbekannte Figur, 
deren Spuren in der Öffentlichk eit – wie etwa das 
W andbild am Eingang des Kino Piccadilly – noch zu 
erkennen sind. Als der Fünfundsechzigjährige 1978 an 
den F olgen s einer Trunksucht starb, gab es nur weni- 
ge Sammler, die seine Werke hüte ten. Durch Vermitt- 
lung der Galeristin Bri gitte Weiss k onnten wir neun 
Selbstbildniszeichnungen aus den letzten Jahren aus- 
suchen, e rschütternde Dok umente einer künstleri- 
schen Gratwanderung, deren T raditionslinie zurück- 
r eicht bis zu Cori nth und Schürch. Dem gl eichen 
F amilienbesitz entstammt auch die grosse Zeichnung 
von Karl Itschner . Sie vermag das vom Münchner 
Jugends til geprägte Schaffen des reifen Künstlers mit 
se inem zentralen Motiv, der Vision einer unverbauten 
Landschaft rund um den Zürichsee, in einer auch für 
den heutigen Betrachter überzeugenden Weise zu ver- 
binden. N eugier und Entdeckerfreude schliessen eine 
gewisse Risikobereitschaft stets mit ein. Dies gilt in 
besonderem Mass für Dr. Fritz Hermann , der als 
Samml er von Nabis-Grafik internationale Reputation 
geniesst. Von ihm stammt das Angebot, dem Kuns t- 
haus eine Auswahl seine r über Jahrzehnte ges am- 
mel ten Buchgrafik von Jean-Emile Laboureur (1877– 
1943) zu schenken, was wir natürlic h ohne zu zögern 
akzeptierten. Ausgehend von der mondäne n Halbw elt 
Cons tantin Guys’, fand Laboureur nach la ngen 
Umw egen erst in den zw anziger Jahren zu se inem 
unverwechselbaren Stil. In den grafischen Sa mmlun- 
gen von Paris und der USA hoch angesehen, w artet 
sein Werk hierzulande noch auf eine bahnbrechende 
Präsentation. M V/BvW 
Benutzung 2003 
Ausleihe im Lesesaal 615 
Ausleihe an Ausstellungen 396
	        
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