Volltext: Jahresbericht 2004 (2004)

zwar ein V e rschieben, aber kein schnell es Bew egen 
zulassen. Trotz des Abstraktionsgrades stellt sich ein 
assoziatives Gefl echt aus komischen und erns ten 
F ace tten ein, bei denen ein spezifisch englischer 
Humor durchblitzt. 
Ein Skelett spielt schliesslich die Hauptrolle in der 
dritten Skulptur . Der junge Schwe izer Künstler Urs 
Fischer ist seit se iner Aus stellung im Bührlesaal 
einem breiten Publikum bekannt. Am Kunsthaus gibt 
es eine Tradition, aus den Ausstellungen Werke für die 
Samm lung zu erwerben – wobei dies kein Ges etz ist. 
Bei Urs Fischer entschieden wir uns für «Kuc kuck 
backwards», ein Werk aus Holz, Aluminiumguss und 
Kalk farbe, das eigens für die Ausstellung und im 
Kuns thaus ents tand und bei dem unsere Handwerker 
assistieren durften. Ein lebensgrosses Skelett liegt auf 
einer grob g e zimmerten Bank und reckt ein knöcher- 
nes Bein elegant und scheinbar mühelos in die Höhe, 
eine Fitnes s übung mit letalem Effek t – und ein böser 
Abgla nz des Sc hön heitswa hns – vielleicht gemacht für 
das Foyer eines Schönheitschirurgen. Urs Fischer hat 
eine besondere Begabung, Räume zu erfassen und mit 
se inen Inszenierungen zu füllen. Das spielerische Ele- 
ment s einer Kunst, hä ufig versteckt hinter vor der grün- 
diger Boshaftigkeit, ist tatsächlich ein sehr erns ter, 
präziser Umga ng mit V or der-, Rück- und Seite nan- 
sichten, mit dem Ausgreifen in den Raum, den er so in 
Besitz nimmt, dass der Betrachter gleichsam auf 
Abstand von der Skulptur gehalten wird. Was zunächst 
nach einem unbe kümmerte n, etwas brachial wirk en- 
den Umga ng mit der plastischen Form aussieht, 
entlarvt sich als ein intuit iv es, aber vielschichtiges 
Ex periment. Obwohl Urs Fischer am Anf ang seiner 
Künstlerlaufbahn steht, hat er die Kraft , das Potenzial 
und jede Menge guter Ideen. Seine Arbeit repräsen- 
tiert einen scheinbar unbe kümmerte n Umgang mit 
den klassischen Werten der Bildhauerkunst. Desh alb 
ist «Kuc kuck backwards» für eine Museumssamm- 
lung interessant. Sie steht nun in einem Konte xt 
musealisierter Werke, nicht um eine Brücke zu schla- 
gen, sondern um der schleichenden Ka nonisierung ein 
retardierendes Mome nt zu verschaffen. Drei Künstle- 
rinnen und Künstler, drei Werke und drei Positionen 
der Plastik, von denen wir f inden, dass sie gut in unse- 
re Sammlung passen. Christoph Beck er 80
	        
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