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dem Bild beifügte. Polke se tzte Schablone und Spray
ein bei der Übertragung der fotokopierten Co llage auf
den Bildträger .
Der «mal erische» Beitrag, der das rein Grafische
aufbr icht, kommt via Fotokopie ins Bild. Bew egtheit,
Verschleifen der Bildstruktur, ein Einb inden der Details
in eine übergeordnete Bildstruktur, all dies sind Cha-
rakteristiken des «Malerischen». Polke hat sich über
die Jahre eine spezifische Meisterschaft in der Mani-
pulation des Fotokopierers angeeignet. Seit den frü-
hen 90er Jahren hat er Be wegung als phantastisch
fliessende Met amorphose n und k o nvulsivische Ver-
dr ehungen in die benutzten Bildvorlagen eingeführt,
und zwar durch frühzeitig e s Wegziehen und Drehen
des Papiers im Kopierprozess. So sind all jene Fehler,
die schon jedem von uns ir gendwann passiert sind, bei
Polke nun in ihrem positiven Potenzial entdeckt wor-
den, um in seinen Kreationsprozess einzuflies s en.
Licht und Schatten sind ein altes Thema in der
Kuns t, und so mag man vor Polkes Bild auch gleich an
das Höhlengleichnis denken. Zeitgemäss zuges p itzt,
schwingt dabei wie immer in s einer Kunst die Frage
nach dem W ahrheitsgeha lt medial vermittel ter Bilde r
mit, was hier nun auch, wie es der Titel «Schatte nka-
binett» suggeriert , eine politische Anspielung beinhal-
tet. Tüll, Rauch und ein Hauch von Hal luzination beto-
nen das Immaterielle, auch Flüchtige von Bildern. Das
neckische, fast versteckte Vexierbild im ober en Bild-
rand macht aus einem forma l klar abgegrenzten Zwi-
schenr aum eine zwischen Figur und Grund oszillie-
rende zwie spältige Form. So scheint alles, nicht nur
«das Grafische», sich vielfach aufzulösen, wie es die
Ank länge an Rauch und das im Bild wirks am werdende
Melodiöse, Tä nzerische zus ätzlich nahe l egen.
Das Bild gemahnt an Musik allein schon durch das
Schwarz-W eiss von musika lischen Not ationen. Es ist
ein beschwingtes Wogen im Bild. Und da ist die Figur
in Rückenansicht, eigentlic h ein Kellner, der aber gut
auch jenen Dirigenten abgeben könnte, der hier die
ganze Szenerie zu orchestrieren weiss.
Wenn in «Levita t ion» wir Betrachter ins Bild geholt
sind, so ist es viell eicht nicht abwegig, hier im «Schat-
tenkabinett» auch ein Stück weit die Welt des Küns t-
lers erfasst zu sehen. Auf jeden Fall ist hier Ei nblick in
ein Universum der Artistentricks gebo ten, wo sich
W ahrheit, Bl endung und Spiel ein Stelldichein gebe n.
Bice Cur iger
ERWIN WURM, GUGGENHEIM MELTING
Dass in Frank Lloyd W rights Guggenheim Museum
nicht mehr, wie seit Schink el üblich, der Künstler im
Museum als der «gesalbte Gottes» auftritt, sondern
dessen Architekt; dass statt dem Pathos dorischer
T empelfront nun eine exzentrische Spiralfas sade eine
Monumentalskulptur begrenzt, einen eigentlich Keno-
taphen, dessen Innerstes, wie nie mehr seit dem Pan-
the on, die Leere darstellt, macht den weltberühmten
Bau an der 5th Avenue zur idealen Zielscheibe für Erwin
Wurms skulpturale Reflexion. Wurm, geboren 1954,
blickt bereits auf ein reiches und erfolgr eiche s künstle-
rische s Werk z urück, das in beharrlicher Stringe nz die
Abschattungen des Begriffs des Plastischen bedenkt.
Sein Weg führt ihn über bemalte Holzskulpturen zu
deformierten und transformierten Gebrauchsgegen-
ständen; von da aus zu minim al en Skulpturen aus
feinsten Schmu tzabl age runge n, hin zu mit textiler Mas-
senware überzogenen und de rart in ge heim nisvolle,
skurril-erotische F etis che verwandelten Ob jekten. Der
Dehn ung und Kompression des Materiellen ents pricht
die Deh nung der Zeit: Wurm verfolgt ab Mitte der neun-
ziger Jahre einen performativen, temporalisierten
Werkbegriff. Jetzt überlagern sich in Videoarbeiten und
in fotografischen Serie n Skulptur und Handlung, hä ufig
im öffentlichen Raum. Form und Sitt e, Form und Moral
gehen ineinander auf, und sie dementieren sich in
einem gege ns eitig. Plausibel erscheint dann die
anschlies sende Rückanwendung des so gewonnen
Repertoir es der Erkenntnisse über die Ze itlichk eit alles
scheinbar fest Geformten auf komplexe industrielle
Produkte (exemplarisch: ein «fettes Auto») und endlich, endlich,