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HAR ALD SZEEMANN 1 933–2005
Zwei J ahrzehnte lang hat Ha rald Szeema nn am Kunst-
haus Züri ch Ausstellungen realisiert und das Gesicht
der Samm lung mitgeprägt. Viele Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des Kuns thaus es verbinden aufregende
und glückliche Ze iten mit seine m Name n. Er war ein
leidenschaftlicher und phantasievoller Ausstellungs-
macher, dessen unverwechselbare Projekte Bezie-
hungen zwischen Menschen und Dingen herstellen
konnten, welche vorher niemand gese hen hatte und
die im nachhinein allen als selbstverständlich e rschei-
nen.
Schon die erste Aus st ellung, mit der er 1978 im
Kuns thaus zu Gast war, « Monte Verità – Berg der
W ahrheit», enthielt in nuce ein ganze s Programm: die
V ernetzung kultureller Ebenen, der sichtbaren und
nicht-sichtbaren, der realen und visionären. Felix Bau-
mann holte ihn dann 1982 als «permanent en fr eien
Mitarbeiter» ans Kunsthaus, und f ortan wurde unser
Haus zu Szeem anns wichtigster Spielstätte.
Der grosse Ausstellungssaal verwandelte sich in
unregelmässigen Abständen in ein riesiges Labor, in
dem der Kurator seine Ingredienzen mischte: Museale
Kunstwerke trafen auf Trash, ehrwürdige Denkmo del-
le auf bizarr-fantastische Ko nstrukte zwischen Wirk-
lichk eit und Utopie. Diese Kons tel lationen boten stets
überraschende Einsichten, und für das Kunstha us
bedeut eten die «Harry- Ausstellungen», wie sie intern
gena nnt wurden, nicht selten abent euerliche Reis en
ins Ungewisse.
Neben bahnbr echende n Themenausstellungen
wie «Der Hang zum Gesamtkunstwerk» (1983) oder
«100 Jahre Kino: Illusion – Emotion – Realität» (1995),
gela ng es Haral d Szeem ann über Einzelausstellungen
von Künstlern wie «Cy T wombl y» (1987) oder «Joseph
Beuys» (1993) zentrale Werke derselben – nicht selten
durch Schenkun g Dritter – für die s tändige Sa mmlung
des Kuns thaus es zu gewinnen. Seine n kuratorischen
Fähigkeiten und weltweiten Beziehungen verdankt die
Zürcher Kunstgesellschaft wichtige Beiträge zum
Pr ofil der Sa mmlung, zu der dank seiner Vermittlung
wic htige Werke von Joseph Beuys, Georg Baselitz, Cy
Twombly und Walter de Maria zählen.
Harry Szeem ann war aber nicht nur der spektaku-
lärs te Schausteller unter den Ausstellungsmachern,
ebens o sehr war er ein seriöser, gr ündlicher und stets
fröhlicher Wissenschaftler . Er l eis tete grosse und
wic htige Dienste sowohl für die Kuns tgeschic hte
(Ensor, Delacroix) wie für seine Zeitgenossen, denen
er Einzelausstellungen ausrichtete: Cy Twombly, Mario
Merz, Walter De M aria, Richar d Serra. Die Basis all
seiner Projekte waren profunde, gelegentlich akri-
bische R echer chen, die sich aus s einem riesigen Tes-
siner Archiv speisten, dessen unerschöpflicher Fundus
nicht nur unheimliche und ve rschlungene Passagen
durch die europäische Geistesgeschichte, s ondern
auch eine minutiös e Dokume ntation s einer Zeitgenos -
se nschaft bietet. Hara ld Sze emann wurde in den
Nachrufen nicht selten als grosser Einzelgänge r dar-
gestellt. Alle, die im Kunsthaus mit ihm zusammen
gearbeitet haben, wis sen, dass dies so nicht ganz
stimmt. Harry war lange Jahre Teil des grossen Kuns t-
haus-Teams, das von s einer grenzenlosen fr eund-
schaftlichen Grosszügigkeit in der täglichen Zusa m-
menarbeit viel profitiert hat. Das Kuns thaus Zür ich
wird dem r eno mmierten Ausstellungsmacher in Dank-
barkeit und Freundschaft ein bleibendes Andenken bewahren.